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Kommentar: Rot und Rot gesellt sich gern

Die Berliner SPD hat der Linkspartei Koalitionsverhandlungen angeboten. Die hatte gestern Abend auf einem Sonderparteitag beschlossen, mit der SPD weitere Gespräche führen zu wollen. Das passt ja. Und zumindest für beide Parteien ist das auch besser so.

Von Jan Rosenkranz

Für die SPD ist es wohl besser - weil die Grünen, eigentlich die wahren Wahlgewinner, auf Wowereit weit weniger verlässlich wirkten als die Dunkelroten. Verständlich, bei den drei Stimmen über den Durst, die beide Konstellationen lediglich hätten. In den vergangenen Jahren hat die Linkspartei zwar manches Mal mächtig gedroht, am Ende aber immer kleinlaut alles mitgetragen. Früher nannte man das "Einsicht in die Notwendigkeit", heute Realpolitik. Abgesehen davon: Man kennt sich und, nun ja, schätzt sich. Jedenfalls mehr als die Grünen. Man könnte auch sagen, Wowereit kann sie nicht recht leiden.

Besser, die potenziellen Störenfriede mit am Tisch zu haben

Für die SPD ist es wohl auch deshalb besser - weil sich diese Stadt nicht eben leichter regieren ließe, wenn Linkspartei und Gewerkschaften Hand in Hand und wöchentlich den Hauptstadtverkehr mit Massendemos lahm legen würden. Da macht es schon Sinn, die potenziellen Störenfriede mit am Tisch zu haben.

Für die Linkspartei ist es wohl besser, weil den Genossen andernfalls der Rückfall in Zeiten der Fundamentalopposition drohte. Nicht umsonst hatte Gregor Gysi, der Frontmann der Bundestagstruppe, gestern noch einmal an "Gera" erinnert, an jenen Parteitag auf dem die Fundifraktion die Realos versenkt und die Macht übernommen hatte.

Rot-Rot in Schwerin wäre zu schwach gewesen

Für die Linkspartei ist es auch darum besser - weil sich in Berlin zunächst die einzige Chance bietet, Regierungsfähigkeit unter Beweis zu stellen. In Schwerin hingegen wird es eine Große Koalition geben. Rot-Rot hätte dort nur eine Stimme Mehrheit, da käme es nicht nur auf die Verlässlichkeit der Dunkelroten an, sondern auch auf die der SPD. Heide Simonis lässt grüßen.

Für Berliner SPD und Linkspartei ist es wohl besser so. Ob es auch gut so ist, nicht zuletzt für die Stadt, das freilich werden beide in den Verhandlungen noch zeigen müssen.

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