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Offener Brief Liebe Union, lieber Armin: Laschet einfach gut sein und geht. Bitte!

Armin Laschet
Armin Laschet: Vom Ministerpräsidenten zum Ritter der traurigen Gestalt in nur einem Wahlkampf.
© Sebastian Gollnow/Pool / DPA
Wir können nicht mehr. Und wir wollen auch nicht. Bitte, CDU/CSU, bitte, Armin Laschet. Lasst uns frei. 16 Jahre sind genug, ihr braucht ohnehin eine Pause. Wer liebt, lässt los – auch und erst recht das Vaterland.

Lieber Armin, liebe CDU/CSU,

noch nie in meinem Leben habe ich euch gewählt (und werde es wohl auch nie tun), dennoch habe ich eine große Bitte: Geht. Geht meinetwegen mit Gott, aber geht. Bitte. Lasst uns und dieses Land endlich frei. Wir haben sehr viel Zeit miteinander verbracht, es gab schöne Momente und nicht so schöne Momente, aber nun ist es genug. Für uns, für euch, für alle. Es ist keine Schande loszulassen. Wer liebt (das Vaterland, oder mittlerweile eher das Mutterland) der kann das auch, loslassen.

Lieber Armin, ich weiß nicht, wer dich berät, aber er oder sie kann oder können es nicht wirklich gut mit dir gemeint haben. Der Wahlkampf jedenfalls hat dich zum Ritter der traurigen Gestalt geschrumpft, geendet bist du als Mr. Minus-Neun-Prozent. Und dann haben sie dich auch noch genötigt, das Wort "Zukunftskoalition" in den Mund zu nehmen. An einem derartig erschütternden Abend. Mehr Erniedrigung ging wirklich nicht, warum tust du dir so etwas an?

Wir Deutschen mögen ja in der uns eigenen Bräsigkeit ein gepflegtes Sowohl-als-auch gewählt haben, aber eines wollten wir ganz sicher nicht: einen weiteren CDU-Kanzler. 16 Jahre standet ihr an der Spitze, in diesen anderthalb Jahrzehnten hat Angela Merkel gekonnt kleine und große Krisen gemanagt. Daneben ist sie aus der Atomkraft ausgestiegen, hat das Elterngeld und (auf Druck der SPD) den Mindestlohn eingeführt. Aber ansonsten wurde Deutschland unambitioniert wegverwaltet. Du, lieber Armin, wolltest und willst ernsthaft diese "Tradition" weiterführen? Bitte nicht!

Unions-Tradition "Reformstau"

Überhaupt scheint euch, liebe Union, das Gefühl für das richtige Timing zu fehlen. Das war schon zu Adenauers Zeiten so, der, obwohl 14 Jahre im Amt und fast 90 Jahre alt, einfach nicht gehen wollte. Helmut Kohl, obwohl Kanzler der Einheit, gewann 1994 gerade einmal mit Ach und Krach und saß seine letzten Jahre nur noch rum. Aus der Zeit stammt, ihr werdet euch erinnern, übrigens der Begriff "Reformstau". Er wurde 1997 Wort des Jahres. Deshalb sah sich Roman Herzog sogar gezwungen, euch mit seiner "Ruck-Rede" den Marsch zu blasen – euer eigener Bundespräsident.

So. Und nun sind schon wieder 16 Jahre vergangen, schon wieder habt ihr einen riesigen Haufen Aufgaben nicht erledigt (zwar nicht alleine nicht erledigt, aber davon ziemlich viel) und trotzdem droht ihr uns weiter mit eurer "Fürsorge". Danke, aber macht eine Pause, ihr habt sie verdient. Redlichst. Gönnt euch. Allein schon fürs Seelen- und Parteienheil, denn ihr seid ausgemerkelt, "kaputt", wie SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil jetzt bei Anne Will so unfreundlich sagte.

Schaut euch doch nur an, wie der selbsternannte Kandidat der Herzen (M. Söder), dich lieben Armin, in einer Tour torpediert hat – das gehört sich nicht und so gewinnt auch niemand Wahlen. Es sei denn, der Heckenschütze hat es so geplant (und plustert sich beim nächsten Mal als Retter auf). Ist das so? Falls ja, dann steht es um euch noch übler als befürchtet. Falls nicht, bleibt da trotzdem nur noch Friedrich Merz, das Nokia 3210 der deutschen Politik.

Wen machen FDP und Grüne zum Kanzler? stern-Experte über Koalitionen, Erstwähler und Laschets Zukunft

Sehen Sie im Video: "Grün und gelb sind die Farben der Zukunft" – stern-Experte erklärt, was die Wahl für Deutschland bedeutet.

Laschet, der Grüß-August-Kanzler

"Zukunftskoalition"? Eure Zukunft ging vom 22. November 2005 bis gestern. Und überhaupt, lieber Armin, wie stellst du dir eine Zukunft vor? Ohne Grüne und FDP läuft nichts. Im Grunde können sie sich sogar aussuchen, wer unter ihnen Kanzler ist. Und würde deren Wahl tatsächlich auf dich fallen, meinst du nicht, du würdest ihnen nicht ausgeliefert sein? Ist es das was du willst? Im Wahlkampf erst sturmreif geschossen und dann zum Grüß-August-Kanzler gewählt?

Allein deshalb schon, lieber Armin, liebe Union, lasst es einfach gut sein. Tut es für uns! Bitte.

Patriotisch-flehentliche Grüße

Niels


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