HOME

Linkspartei.PDS: Der Schatten der Geschichte

Zahlreiche Kandidaten der Linkspartei.PDS für die Bundestagswahl waren Spitzel der DDR. Joachim Gauck, Ex-Bundesbeauftragter für die Stasiunterlagen, und Liedermacher Wolf Biermann halten ihre Kandidatur für "unerträglich".

Joachim Gauck, ehemaliger Bundesbeauftragter für die Stasiunterlagen, und der Liedermacher Wolf Biermann haben die Aufstellung früherer DDR-Spitzel als Kandidaten für die Linkspartei.PDS scharf kritisiert. "Inzwischen ist das ja bei denen völlig normal, dass ehemalige Inoffizielle Mitarbeiter der Staatssicherheit auf Kandidatenplätzen stehen, und ich bin mit der Mehrheit der Ex-DDR-Bevölkerung empört darüber, dass so etwas möglich ist", sagte Gauck dem ZDF-Magazin "Frontal21". Joachim Gauck sage weiter: "Wer früher einmal mit den Unterdrückern der Bevölkerung insgeheim zusammengearbeitet hat, der hat ein Defizit an Glaubwürdigkeit und Vertrauenswürdigkeit."

"Zynisch und unerträglich"

Biermann nannte es "zynisch, menschenfeindlich und unerträglich", wenn von der Stasi geführte Mitarbeiter Bundestagsabgeordnete würden. Es drohe eine "Beschädigung" der Demokratie, sagte er gegenüber "Frontal 21". "Die Demokratie setzt voraus, dass alle, die in ihr leben, extrem verschiedener Meinung sind, aber in einem Punkt absolut derselben Meinung: Dass die schlechteste, unvollkommenste Demokratie immer noch besser ist als die beste, wohlorganisierte Diktatur." Es sei ein Zeichen der Schwäche, dass die Partei Die Linke.PDS auf ehemalige Spitzel einer Diktatur zurückgreife, so Biermann. "Sie sollen nicht im Parlament sitzen und Gesetze beschließen, unter denen Sie und ich und andere Leute leben müssen."

Viele der in den Stasi-Unterlagen als IM registrierten Kandidaten der Linkspartei bestreiten ihre Spitzel-Tätigkeit. "Das Leugnen gehört bei diesen Typen mit zur Selbstdarstellung", erklärt Gauck, der sich seit der Wendezeit der Aufarbeitung des Stasi-Erbes widmete. "Das Leugnen und Täuschen und diese selektive Erinnerung: typisch. Aber die Staatssicherheit war kein Apparat, wo freischaffende Künstler sich was aus den Fingern saugen konnten", betonte Gauck. "Sondern diese Kontakte - wenn sie denn dokumentiert sind - hat es gegeben."

Von Bisky bis Gysi

Nach ZDF-Recherchen würden mindestens elf Kandidaten der Linkspartei in den Stasi-Unterlagen als Inoffizielle Mitarbeiter (IM) oder Agenten geführt, darunter neben dem Linkspartei-Chef Lothar Bisky und Spitzenkandidat Gregor Gysi auch der ehemalige Rektor der Humboldt-Universität, Heinrich Fink, und der Liedermacher Diether Dehm, hinzu kommen noch Ilja Seifert, Volker Külow, Klaus Bartl, Torsten Koplin und Rolf Kutzmutz. Sie bestreiten, für das DDR-Ministerium für Staatssicherheit wissentlich als IM tätig gewesen zu sein. Auf den Listen in Bayern und Hamburg stünden außerdem zwei Kandidaten, die vom DDR-Ministerium für Staatssicherheit (MfS) als Mitglieder der Gruppe "Aktion" geführt wurden. Dies war eine vom MfS geführte Geheimtruppe der DKP, die für den Partisanenkrieg gegen die Bundesrepublik ausgebildet wurde.

DPA / DPA