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Lobbyismus Lobbyagentur WMP muss sich wegen erhoffter Deals in Katar rechtfertigen

Die Flagge der Hisbollah
Die Flagge der Hisbollah weht in Baalbek, Libanon. Die islamistisch-schiitische Partei und Miliz fungiert hier wie ein Staat im Staat.
© Joel Carillet / Getty Images
Sollten Informationen über eine mögliche Katar-Hisbollah-Connection vertuscht werden? Die Agentur WMP spielt bei erhofften Geschäften in dem Emirat eine nicht ganz durchsichtige Rolle.

Michael Inacker, der Chef Berliner PR- und Lobbyagentur WMP Eurocom, muss sich wegen erhoffter Geschäfte im Emirat Katar rechtfertigen. Er hatte zuletzt energisch bestritten, dass er helfen wollte, eine etwaige Finanzierung der libanesischen Hisbollah-Miliz via Katar zu vertuschen. Nach Unterlagen, die dem stern vorliegen, gibt es jetzt Zweifel an dieser Darstellung.

Hintergrund sind mögliche Geschäfte, die sich Inackers Firma mit einem Mann erhoffte, der sich "Jason" nannte und wohl aus dem Geheimdienstmilieu kommt. Er verfügte über Informationen über Personen in Katar, die angeblich die in Deutschland verbotene Hisbollah finanziell unterstützten. Während Stellen des Emirats Katar anfangs interessiert gewesen sein sollen, gegen die Hisbollah-Finanziers vorzugehen, hatten sie "Jason" zuletzt angeblich Geld angeboten, damit er sein potentiell brisantes Wissen für sich behält. Inacker wiederum hatte bereits im August 2019 einen Vertrag mit einer mit "Jason" verbundenen Firma geschlossen, über die Nutzung von "Geschäftsbeziehungen" in Katar. Der Kontrakt sagte WMP "eine Provision in Höhe von 20 Prozent des Umsatzes" zu, den die Firma des Vertragspartners dank der Vermittlung durch WMP erzielt. Die "Zeit" hatte vergangene Woche Inacker mit dem Vorwurf konfrontiert, er habe so auch von einem für "Jason" vorgesehenen Schweigegeld von angeblich 750 000 Euro profitieren wollen.

+++ Lesen Sie hier die ganze Recherche: "Ein Geheimdienstmann, der PR-Berater und die Frage: Wer wollte vom Schweigegeld profitieren?"+++

Inacker sagt heute, bei dem Vertrag mit "Jason" sei es nur um potentielle Unternehmenskunden gegangen, nicht um Staaten oder Regierungen. Er wies den Vorwurf als "absurd" zurück, er habe an dem Versuch einer Verschleierung einer Hisbollah-Katar-Connection mitgewirkt. Nach Unterlagen, die dem stern vorliegen, gibt es an seiner Darstellung jetzt Zweifel. So hatte der WMP-Chef möglicherweise sogar den Kontakt zu einer Anwaltsfirma vermittelt, die "Jason" beim Abschluss einer Verschwiegenheitserklärung helfen sollte.

Nach dem stern vorliegenden Unterlagen unterschrieb "Jason" am 18. Mai einen Vertrag mit dieser Kanzlei, knapp zwei Wochen nach einem Gespräch, das er offenbar mit Inacker geführt hatte. Die Anwälte sollten demnach ausdrücklich beim Abschluss einer Verschwiegenheitserklärung helfen.

Am 13. Juli machte "Jason" der Sache jedoch ein Ende, per Mail an einen Anwalt der Kanzlei, in der er ausdrücklich darauf hinwies, dass er keine Einigung mit Katar über eine Schweigeerklärung mehr wünsche. Michael Inacker von WMP habe ihn ja bei der Kanzlei eingeführt, schrieb "Jason" in einer weiteren Mail an den Anwalt.

Fragen zu diesem Vorgang wollte WMP nicht konkret beantworten. Die Botschaft von Katar in Berlin ließ alle konkreten Fragen unbeantwortet, versicherte aber, man sei "an der vordersten Front" beim Kampf gegen die Terrorfinanzierung aktiv.


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