Luisa Neubauer
„Männer haben Glück, dass wir keine Vergeltung wollen“

Luisa Neubauer: "Männer haben Glück, dass wir keine Vergeltung wollen"
Luisa Neubauer: "Männer haben Glück, dass wir keine Vergeltung wollen"
© Foto: Daniel Lakomski / Jan Huebner / Imago Images
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Einem Demo-Aufruf von Collien Fernandes folgen Tausende. In Berlin spricht auch Aktivistin Luisa Neubauer. Sie teilt eigene Erfahrungen als Betroffene von Deepfake-Pornografie.

Mehrere Tausend Menschen haben in Berlin an einer Demonstration „Gegen sexualisierte digitale Gewalt – Solidarität mit allen Opfern“ teilgenommen. Sie versammelten sich am Sonntagnachmittag am Brandenburger Tor auf dem vollständig gefüllten Pariser Platz. Auf Plakaten stand: „Menschenrechte auch im Internet“ und „Die Scham muss die Seiten wechseln“. Die Polizei sprach von 6700 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die Veranstalter von 13.000 Menschen.

Unter den überwiegend jungen Demonstrantinnen und Demonstranten waren auch bekannte Politikerinnen wie Saskia Esken (SPD), Ricarda Lang, Lisa Paus und Katrin Göring-Eckardt (alle Grüne).

Luisa Neubauer: Personenschutz wegen Bedrohung durch Männer

Die Klimaschutzaktivistin Luisa Neubauer sagte in ihrer Rede: „Es ist ein so entscheidendes Zeichen, dass wir keine Sekunde Ruhe geben.“ Mehrfach betonte sie: „Ich würde mich gerne nur ins Klima kümmern. Aber es geht nicht. Nicht in dieser Gesellschaft und dieser Zeit und bei diesen Männern.“

Seit fünf Jahren brauche sie Personenschutz der Polizei, wenn sie zu Demonstrationen gehe, weil es Bedrohungen von Männern gebe, sagte Neubauer. Immer wieder melde sich das LKA bei ihr, weil es Stalker gebe, real und im Internet. Eine Hilfsorganisation berichte ihr, dass das Internet voll sei mit sexualisierten Fake-Bildern von ihr. Erstellt offenbar von Männern, die Gewaltfantasien hätten, die eine Sucht hätten nach Kontrolle und Abwertung von Frauen. „Solange diese Gewalt herrscht, kämpfen wir für Gesetze, die die Täter nicht länger schützen, sondern die Opfer.“

Gewalt „bleibt in den Suchmaschinen, in den Köpfen“

Theresia Crone, eine weitere Klimaschutzaktivistin, sagte: „Digitale Gewalt endet nicht so richtig. Sie bleibt in den Suchmaschinen, in den Köpfen.“ Sie berichtete von einem Fake-Profil mit ihrem Namen und Gesicht und Fotos von sexuellen Situationen und Gewalt. Sehr lange habe es gedauert, bis ein Täter bestraft worden sei. Und so etwas passiere tausendfach.

Die Kundgebung am Brandenburger Tor fand nach Angaben der Veranstalter wegen der aktuellen Diskussion in Solidarität mit der Moderatorin und Schauspielerin Collien Fernandes statt. Hintergrund sind schwere Vorwürfe von Fernandes gegen ihren Ex-Partner, den Schauspieler Christian Ulmen, über die zuerst der „Spiegel“ berichtet hatte. 

Der stern hat Ulmen bereits um Stellungnahme gebeten. Seine Anwälte reagierten mit einem allgemeinen Statement. Konkrete Fragen zu den Vorwürfen blieben unbeantwortet. Es heißt dort lediglich, in dem „Spiegel“-Bericht würden „unwahre Tatsachen aufgrund einer einseitigen Schilderung verbreitet“. Für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung.

Cyberstrafrecht soll reformiert werden

Fernandes warb ebenfalls für die Demonstration und schrieb bei Instagram: „Sexuelle Gewalt, physische und psychische Gewalt sind weiter verbreitet, als man ahnen mag. Sie finden statt, in der Mitte unserer Gesellschaft.“

Auf Bundesebene hatten Union und SPD in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, das Cyberstrafrecht zu reformieren und Strafbarkeitslücken zu schließen, etwa „bei bildbasierter sexualisierter Gewalt. Dabei erfassen wir auch Deepfakes“, heißt es darin. Bundesjustizministerin Hubig hatte angekündigt, noch im Frühjahr einen Gesetzentwurf vorzulegen.

n-tv

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