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Seitenwechsel: 13 Jahre saß er für die Grünen im Bundestag - jetzt ist er Glyphosat-Lobbyist bei Bayer

Der Ex-Abgeordnete Matthias Berninger saß 13 Jahre lang für die Grünen im Bundestag und galt als Spitzenmann der Partei. Nun ist er Lobbyist bei Bayer. Ein ungewöhnlicher Seitenwechsel.

Matthias Berninger

Das ist der neue Cheflobbyist der Bayer AG, Matthias Berninger. Der 47-jährige war jahrelang ein Spitzenmann der Grünen, bevor er in die Privatwirtschaft ging. 

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Neuer Cheflobbyist beim deutschen Chemie-Konzern Bayer ist seit Neujahr ausgerechnet ein ehemaliger Grüner Bundestagsabgeordneter. 13 Jahre lang hat Matthias Berninger für die Umwelt-Partei Politik gemacht, seit Jahresbeginn ist er Leiter der Abteilung "Public and Governmental Affairs", Dienstsitz ist Washington. 

Eigentlich hat sich seine Partei, die Grünen, jahrelang stark gemacht gegen seinen neuen Arbeitgeber. Ein besonderes Anliegen seit vielen Jahren: Glyphosat und seine Gefahren. Bayer ist spätestens seit der Einverleibung von Monsanto dieses Thema besonders wichtig. Es geht um Milliarden. 

Genau für dieses  Pflanzenschutzmittel soll Matthtias Berninger nun unter anderem kräftig in der Politik werben. Der 47-Jährige berichtet in seiner neuen Funktion zukünftig direkt an den Vorstandsvorsitzenden des Bayer-Konzerns, Werner Baumann.  

Matthias Berninger, der ehemalige Spitzenmann der Grünen

Der Hesse Berninger zog 1994 als damals jüngster Abgeordneter aller Zeiten für die Grünen in den Bundestag ein. 23 Jahre war er damals alt und wurde kurze Zeit später hochschulpolitischer Sprecher der Partei. Daraufhin saß der studierte Chemie- und Politiklehrer ganze 13 Jahre lang im Parlament.

2001 wechselte er als Staatssekretär unter der erklärten Bayer-Kritikerin Renate Künast ins Ministerium für Verbraucherschutz und Landwirtschaft. Er kommt aus dem des Realo-Flügel der Grünen, außerdem war er Teil der damaligen "Pizza-Connection", ein loser Zirkel junger Abgeordneter der Grünen und der CDU, der bei Rotwein und Pasta der späteren rot-grünen Regierung den Weg ebnete. Berninger war von 2005 bis 2007 auch wirtschaftspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion der Grünen.

Ende 2005 geht die rot-grüne Regierung unter Altkanzler Gerhard Schröder in die Knie. Daraufhin kündigte der grüne Realo, wie viele andere Grünen-Politiker, die nicht in die Opposition gehen wollten, den Verzicht auf sein Mandat an und verließ die Politik. 

Der wirtschaftsliberale Realo ging in die Wirtschaft

Berninger, ein Zögling von Joschka Fischer, ging in die Wirtschaft. Keine riesige Überraschung, denn er galt schon während seiner Zeit in der Partei als wirtschaftsliberal. Künftig würde er für Mars Incorporated den Ruf des Unternehmens in Europa verbessern.  Die Firma stellt Schokoriegel, Lebensmittel, Getränke und Pflanzenpflegeprodukte her. Den Job als "Director Corporate Health and Nutrition" hatte er seit 2007, immerhin über zehn Jahre lang. Er zog dafür in die USA - und kann nun in seiner neuen Position auch dort bleiben, allerdings zieht er nach Washington D.C. um.

Berninger erklärte einigen Weggefährten via E-Mail nach Informationen der "Welt" vergangene Woche seinen neusten Schritt: „Wie die Welt innerhalb ihrer planetaren Grenzen im Jahre 2050 fast zehn Milliarden Menschen ernähren kann, ist eine Frage, die mir Sorgen bereitet“, heißt es dort: „In meiner neuen Rolle hoffe ich, einen bescheidenen Beitrag leisten zu können, diese Herausforderung anzugehen.“

Nun ist er der Leiter "Public and Governmental Affairs der Bayer AG. Sogar die PR-Abteilung des Chemie-Konzerns wusste nicht so ganz, wie sie ausgerechnet diesen Mann nun ankündigen sollten: "Drei Stunden haben wir jetzt gegrübelt, welcher originelle Tweet uns zu dieser Personalie einfällt - und dann doch entschieden: besser sachlich machen. Deshalb nur: Der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort! Herzlich willkommen, Matthias Berninger!", schrieben die Öffentlichkeitsarbeiter des Konzerns auf Twitter. 

Ob Berninger auch weiter Mitglied der Grünen ist, ist bisher ungeklärt. In den Verzeichnissen ist kein Austritt zu entdecken.

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Quellen: "Focus", "Welt", "taz", "Twitter", "PR Report"