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"Pizza-Connection": So lecker ist Schwarz-Grün

Es ginge ja nur ums Kennenlernen, behaupten die Teilnehmer. Tatsächlich geht es um mehr. Grüne und CDU-Abgeordnete haben die "Pizza-Connection" wiederbelebt, einen politischen Ringelpietz im Restaurant. Dort kosten sie eine schwarz-grüne Zukunft vor.

Von Markus Baluska

Steinewerfer treffen Kapitalistenknechte: Zu Bonner Zeiten war es noch eine politische Provokation, wenn Youngster von Union und Grünen miteinander plauderten. Konspirativer Treffpunkt war der Bonner Edelitaliener "Sassella", was den früheren CSU-Generalsekretär Bernd Protzner zu der Drohung verleitete, er werde diese "Pizza-Connection" im Auge behalten. Protzner spürte wohl schon damals die Kraft dieser Verbindung. Tatsächlich haben die Gründungsmitglieder von ihren kurzen Drähten zueinander profitiert, ob unter Kanzler Gerhard Schröder oder Kanzlerin Angela Merkel. Einige Bonner Pizza-Buddys von der Union sind inzwischen in hohen Positionen. Roland Pofalla ist CDU-Generalsekretär, Eckart von Klaeden außenpolitischer Sprecher der Union, Norbert Röttgen parlamentarischer Geschäftsführer. Nun geht es auf die Bundestagswahlen 2009 zu. Ein guter Grund, mal wieder Essen zu gehen.

Sie tagten mindestens drei Mal dieses Jahr

Mindestens drei Mal tagte die Pizza-Connection 2007. "Es ist eine andere Zusammensetzung, in der wir uns über grundsätzliche, politische Dinge austauschen", sagt die Grüne Christine Scheel, die schon damals in Bonn mitmischte. Über Details werde nicht diskutiert, es gehe eher darum, die anderen besser zu verstehen. Ein inzwischen einflussreicher Unionsabgeordneter bestätigte stern.de, dass es in beiden Parteien den Wunsch gebe, sich näher kennen zu lernen. Der Unions-Mann sieht zumindest auf Landesebene eine realistische Perspektive für Schwarz-Grün. "Dafür ist es gut, wenn Leute da sind, die sich vertrauen können." Seinen Namen will er allerdings nicht veröffentlicht sehen. Auch Pofalla, von Klaeden und Röttgen bekennen sich nicht öffentlich zur Pizza-Mauschelei. Vertrauen ist wichtig, das eigene Image noch wichtiger.

Herz für die Rotation

Die grünen Teilnehmer haben weniger zu verlieren. Matthias Berninger, Initiator der Pizza-Connection brachte es in der rot-grünen Bundesregierung zum Parlamentarischen Staatssekretär bei Verbraucherschutzministerin Renate Künast. Inzwischen hat er die Seiten gewechselt - und arbeitet in Brüssel für den Schokoriegel-Giganten Mars. Ihre politische Laufbahn zumindest unterbrochen hat die frühere Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Simone Probst. Kurz vor dem Wechsel in die Wirtschaft steht Margareta Wolf, ehemals in gleicher Position wie Probst. Alle sind Gründungsmitglieder der Pizza-Connection, Margareta Wolf hat sie dieses Jahr wieder aufleben lasssen. Vielleicht aus nicht ganz uneigennützigen Gründen.

Während die Unionisten sich dauerhaft im Politikbetrieb etablieren können, hängt das Herz der grünen Basis immer noch an der Rotation. Zu Gründungszeiten der Grünen durften Abgeordnete nicht einmal die ganze Legislaturperiode im Parlament bleiben. Inzwischen ist die Rotation abgeschafft, theoretisch kann ein Grüner mehrere Legislaturperioden im Berliner Reichstag sitzen - aber das duldet die Partei nur bei ihren Alphatieren, bei Promis vom Typ Künast, Trittin oder Fritz Kuhn. Die Figuren aus der zweiten Reihe, darunter Berninger, Probst und Wolf, müssen selber sehen, wie sie längs kommen. Abhilfe würde hier nur eine wundersame Vermehrung von politischen Posten schaffen. Deshalb sind Bündnisse mit der CDU für die Grünen so lecker.

Künast taktiert

Die Fraktionsvorsitzende Renate Künast ist kurz vor dem Nürnberger Parteitag öffentlich auf Distanz zur Union gegangen. Da flackerte die Angst auf, erneut von den Delegierten abgestraft zu werden, ähnlich wie im Streit um den Bundeswehreinsatz in Afghanistan. Doch diese Taktik ändert wohl nichts an ihrer Überzeugung: Künast hatte zuvor für schwarz-grüne Bündnisse plädiert. Pizza ist eben ein beliebtes Gericht.