MEDIENBERATUNG »Er muss das verdauen«


Medienberater Moritz Hunzinger berät die Wichtigen dieser Welt - Gadhafi, Roland Koch und auch Rudolf Scharping. Mit stern-Autor Arno Luik sprach er über die Poolspiele des Ministers.

Medienberater Moritz Hunzinger berät die Wichtigen dieser Welt - Gadhafi, Roland Koch und auch Rudolf Scharping. Mit stern-Autor Arno Luik sprach er über die Poolspiele des Ministers

Herzlichen Glückwunsch, Herr Hunzinger, seit dem 16. Lebensjahr sind Sie CDU-Mitglied, aber nun haben Sie Ihren größten Coup vollbracht: Sie haben den SPD-Verteidigungsminister Rudolf Scharping ins Abseits beraten.

Das habe ich nicht. Ich habe ihn bei dieser Geschichte und den Bildern, die nun so für Aufregung sorgen, nicht beraten.

Für die Vermittlung sollen Sie doch 60 000 Mark bekommen haben

.

Mmh, solche Beträge sind schon lange nicht mehr bezahlt worden, und in dieser Sache schon gar nicht. Nein, der Verteidigungsminister hat mich nicht konsultiert.

Wie? Ihr Schützling Scharping ist Ihnen aus dem Ruder gelaufen?

Ich weiß, was Sie hören wollen, aber Rudolf Scharping ist nicht mein Schützling!

»Scharping ist meiner!«, haben Sie mal ganz stolz gesagt.

Das stimmt nicht! Als ich das Zitat in »Focus« gelesen habe, bin ich fast vom Stuhl gefallen. So einen Satz würde ich nicht mal nach einer Magnumflasche Rotwein sagen, weil es einfach Quatsch ist. Ich gebe dem Verteidigungsminister gelegentlich mal einen Ratschlag, zum Beispiel, wie er sich zu positionieren hat, aber...

Ohne Sie als Berater, schrieb unlängst die »SZ«, hätte Scharping »nie aus der Aura eines bärtigen Landpfarrers zum Image des kantigen Topmanagers gefunden, der es nun auch versteht, gut sitzende Anzüge und ein glatt rasiertes Gesicht zu tragen.«

Zu viel der Ehre, zu viel der Ehre. Unser Geschäft ist diskret. Aber, das gebe ich gerne zu, ich war glücklich, als der Bart ab war, das stimmt. Ohne Bart und diese schlecht sitzenden Anzüge gefällt er mir und auch Frau Pilati deutlich besser.

Doch so wie Scharping nach seinen mallorquinischen Wasserspielen dasteht – für Sie als PR-Mann ist das der Super-GAU!

Wieso denn? Wie steht er denn da? Er ist ein kompetenter Verteidigungsminister, der in historischen Dimensionen denkt,

der

seine Geliebte im Pool hochwirft, mit ihr schnäbelt und küsst und

Die Bilder sind eigentlich schön. Eigentlich ein herrliches Sommerhoch im tristen Sommerloch – wenn alles vernünftig gelaufen wäre. Als ich diese Aufnahmen sah, habe ich gestaunt und

Der Werbefachmann Sebastian Turner spottet: »Diese Bilder unterstützen das Bild von einem friedfertigen Deutschland.«

Das ist Ironie. Wenn ich das gesteuert hätte, ich meine: gelenkt hätte, dann wäre das nicht schief gelaufen. Ich hätte nicht diese Bilder am Wasser gemacht, nie.

Weil Sie im Kopf die Schlagzeile hätten: »Minister geht baden!«

So ist es. Ich hätte mir sofort ausgemalt, wie dies wirken kann – und dass man dann in ungläubige Augen schaut!

Scharping steht nun so da: nackt und bloß.

Nee, nee, nee, nee!

Okay, dann eben als der Sommerwitz.

Auch das glaube ich nicht. Gut, wir haben den Sommerwitz, aber der wird ganz schnell vorüber sein.

Glauben Sie das wirklich? Über den »Plantschi-Plantschi-Scharping« lästert der CDU/CSU-Fraktionschef Merz und

Das ist ein guter Mann, ich habe mit ihm zusammen ein Büro in Brüssel

und er hat allen Grund: In seiner Liebeshast hat ihn Scharping am Flughafen in Skopje sitzen lassen, dafür aber seine Aktentasche entführt.

Das ist nicht so tragisch, das ist ausgestanden. Und was nun auf Scharping einstürzt – er wird das durchstehen. Ich beobachte ihn bei der Bundeswehr häufig, er hat dort den Respekt, den er verdient.

Der General Franz-Ferdinand Lanz sieht das anders: Er spricht vom »völligen Realitätsverlust« Scharpings.

Das ist ein Ein-Sterne-General, und er ist pensioniert. Vielleicht hat er seine Sympathien bei einem anderen

Verteidigungsminister? Er ist jetzt also eine willkommene Quelle für Zitate, aber das hat nichts zu sagen. Was jetzt natürlich auch noch dazukommt, ist Schadenfreude.

Hämisch lachten die Abgeordneten, als er neulich ans Rednerpult ging.

Die Abgeordneten lachen gern über andere. Das muss er verdauen, schmerzfrei geht das natürlich nicht ab, das ist klar. Aber Scharping hat Stehvermögen, das zeigt auch seine Biografie. Er wird es schaffen, dass bald wieder über Sachthemen, nicht über ihn, geredet wird.

»Vergesst mir den Mainzer nicht!«, soll Willy Brandt mal über Scharping gesagt haben, und das hat Scharping geschafft: Nein, den Mainzer vergisst man nicht, nie!

Diese Fotos sind schneller vergessen, als Sie denken! Mit den Kohl-Witzen ist doch zu Ende gegangen, dass man mit Lächerlichkeit Politiker desavouieren kann. Wer erinnert sich noch an die Kohl-Witze? Wer erinnert sich heute noch an die Lächerlichkeit des Brioni-Kanzlers? Alles Geschichte, alles ausgestanden.

»Rasend komisch« könne Scharping manchmal sein, meint seine Lebensgefährtin Kristina Pilati.

Das ist er auch! Ein toller Kerl.

Interview: Arno Luik


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