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Meinungsforscher Guttenberg-Comeback ist "vorerst gescheitert"


Eine Zeit der Reue und Buße hatte Guttenberg bei seinem Rücktritt als Verteidigungsminister vor einem Jahr angekündigt. Aber schon nach einem halben Jahr versuchte er ein Comeback. Dazu wird es zumindest vorerst nicht kommen.

Es ist still geworden um Karl-Theodor zu Guttenberg. Die letzte Schlagzeile über den Ex-Verteidigungsminister wurde Anfang Februar durch eine Tortenattacke verursacht. Spaßguerilleros der "Hedonistischen Internationale" spürten ihn bei einem Treffen mit einem Internetaktivisten in Berlin-Friedrichshain auf und drückten ihm eine Schwarzwälder Kirschtorte ins Gesicht. Guttenberg reagierte gelassen. "Da muss ich halt durch", soll er gesagt haben.

Der Kommentar passt auf das gesamte erste Jahr nach seinem Rücktritt. Am 1. März 2011 räumte Guttenberg seinen Posten an der Spitze des Verteidigungsministeriums, weil aufgeflogen war, dass zahlreiche Passagen in seiner Doktorarbeit nicht aus seiner Feder stammen. Es stehe nun eine "Zeit der Reue, wahrscheinlich auch der Buße" bevor, sagte der CSU-Politiker beim Großen Zapfenstreich zu seinem Abschied.

Zunächst sah es so aus, als ob sich der Oberfranke daran halten würde. Mit seiner Frau Stephanie und seinen beiden Kindern tauchte Guttenberg ab. Er suchte sich ein neues Zuhause an der Ostküste der USA, heuerte bei der renommierten Washingtoner Denkfabrik CSIS als "herausragender Staatsmann" an und wartete ab, bis die Ermittlungen gegen ihn eingestellt wurden.

Blitzcomeback zündet nicht

Was dann folgte war ein Paukenschlag auf 208 Seiten: Nur wenige Tage nach der Entscheidung der Staatsanwälte startete Guttenberg mit dem Buch "Vorerst gescheitert" den Versuch, sich zurück in die politische Öffentlichkeit zu katapultieren. Neue Erklärungen für die abgekupferten Stellen in seiner Doktorarbeit enthielt das Interview mit "Zeit"-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo nicht. Dafür griff der Freiherr die Universität Bayreuth, politische Weggefährten und die CSU als Ganzes an und kokettierte mit der Gründung einer neuen Partei. Vor allem mit großen Teilen der eigenen Partei verscherzte er es sich damit.

Trotzdem machte CSU-Chef Horst Seehofer ihm Anfang Januar das Angebot, relativ schnell auf die politische Bühne zurückzukehren. Zwei Wochen später sagte Guttenberg ab. "Zuweilen werde ich mich zu außenpolitischen Themen äußern. Allerdings nicht als Politiker, sondern als politisch denkender Mensch", schrieb er in einem Brief an seine Parteifreunde. Er werde aber "auf lange Sicht" keine öffentlichen Auftritte in Deutschland mehr wahrnehmen.

In dem Brief schrieb Guttenberg von "neuen Aufgaben", die er wahrnehmen wolle. Für die US-Denkfabrik CSIS hat er bisher keine öffentliche Termine absolviert und wird nicht einmal auf der Expertenliste des Instituts im Internet geführt. Neben seinem Engagement in den USA war Guttenberg im Dezember von EU-Kommissarin Neelie Kroes als Berater für die Freiheit im Internet präsentiert worden. Als solcher ist er bisher öffentlich aber auch nur wegen der Torten-Attacke in Berlin wahrgenommen worden.

Für einen zweiten Versuch eines politischen Comebacks ist Guttenberg noch jung genug. Im Moment scheint die Begeisterung in der Bevölkerung dafür allerdings mäßig zu sein. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov für die dpa sprachen sich 51 Prozent der Befragten dagegen aus. Nur 34 Prozent waren eher dafür.

Michael Fischer, DPA DPA

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