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Merkel unterstützt Schröder Kanzlerin fordert familienfreundlicheres Arbeitsleben


Das Berufsleben soll familienfreundlich werden - verspricht die Kanzlerin und inszeniert ein Treffen mit den Spitzen der Wirtschaft. Die Opposition beklagt "Sprechblasen" und fordert Taten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wirbt für ein familienfreundlicheres Arbeitsleben. Vor Spitzen der Wirtschaft kündigte Merkel am Dienstag an, die Bundesregierung werde künftig einmal im Jahr darüber berichten, wie gut in Deutschland Familie und Beruf in Einklang zu bringen seien, wie sich familienfreundliche Arbeitszeiten und Teilzeitangebote entwickelten und wie es in den Betrieben um die Kinderbetreuung bestellt sei.

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) plädierte bei dem Forum erneut für einen Rechtsanspruch auf Rückkehr zu einer Vollzeitstelle, wenn wegen einer Familienphase zuvor in Teilzeit gearbeitet wurde. Teilzeitarbeit dürfe nicht mehr zum Karriereknick führen. Aus der FDP und der Wirtschaft kommt dagegen Widerstand gegen einen solchen Rechtsanspruch.

Merkel ging auf den Konflikt nicht ein. Sie sagte, Eltern müsse jederzeit die Rückkehr in den Beruf ermöglicht werden. Die Kanzlerin plädierte zudem dafür, die steuerliche Abrechnung haushaltsnaher Dienstleistungen bei der Kinderbetreuung und Pflege kranker oder älterer Angehöriger zu erleichtern. "Der Dienstleistungsstandort Deutschland kann noch ausgebaut werden", sagte Merkel.

Fachkräfte durch familienfreundliche Arbeitszeiten halten

Schröder bezeichnete die vor zwei Jahren von Regierung, Wirtschaft und Gewerkschaften unterzeichnete "Charta für familienbewusste Arbeitszeiten" als Erfolg: "Diese Entwicklung wollen wir fortsetzen und verstetigen." Immer mehr Unternehmen wollten mitmachen. Vor den Wirtschaftsvertretern kritisierte Schröder die noch immer in vielen Unternehmen gepflegten "Präsenzrituale", von denen man sich verabschieden müsse.

Ähnlich äußerte sich SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles im rbb-Inforadio: "Es gibt immer noch eine große Präsenzkultur, das heißt, diejenigen zählen viel, die lange im Büro bleiben und Überstunden schieben. Diejenigen, die vielleicht 30 Stunden sehr produktiv arbeiten, werden dagegen karrieretechnisch zurückgestellt."

Auf dem Kongress wurde unterstrichen, dass viele Unternehmen in Zukunft gar nicht umhin kämen, Arbeitszeiten und Betriebsabläufe familienfreundlicher zu gestalten, wenn sie Fachkräfte dauerhaft halten wollten. Es müsse mehr auf die individuellen Bedürfnisse der Beschäftigten eingegangen werden, etwa in Phasen der Kinderbetreuung oder auch bei der Pflege der Eltern.

"Familiengipfel 2013" als Parteiveranstaltung

"Schillernde Sprechblasen von Kanzlerin und Familienministerin helfen den Familien nicht", kritisierte die Familienpolitikerin der Grünen, Katja Dörner. Dagmar Ziegler und Caren Marks von der SPD sagten: "Familien in Deutschland brauchen keine Gipfel ohne konkrete Ergebnisse, sondern Taten." IG Metall-Vorstandsmitglied Christiane Benner sprach von "Schaufensterpolitik im Wahljahr".

Die als "Familiengipfel 2013" bezeichnete Veranstaltung war von einer PR-Agentur in einem Berliner Veranstaltungszentrum mit Filmeinspielungen, Talkrunde und Einzug und Auftritt der Kanzlerin nahezu wie eine Parteiveranstaltung im Wahlkampf inszeniert worden.

Merkel zeigte Humor und verwies auf den Wandel des Familienbildes in der Gesellschaft. Auch bayerische Väter hätten sich heute mit den Vätermonaten beim Elterngeld angefreundet und würden nicht mehr von einem "Wickelvolontariat" sprechen. Auch die Phase, wo Männer in Deutschland stolz verkündet hätten, dass ihre Frauen nicht arbeiten gehen müssten, sei überwunden. "Vielleicht kommt ja eines Tages die Phase, wo es heißt: Mein Mann muss nicht arbeiten gehen", ulkte die Kanzlerin mit Blick auf das hohe Qualifikationsniveau vieler junger Frauen in Deutschland.

Karl-Heinz Reith, DPA DPA

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