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Missbrauchsstudie der katholischen Kirche: Pfeiffer nimmt Bundesregierung in die Pflicht

Im Streit um die Studie zu kirchlichem Kindesmissbrauch hat der Kriminologe Pfeiffer die Einbindung der Bundesregierung angeregt. Die katholische Kirche sucht derweil einen neuen Projektpartner.

Im Streit um eine Studie zu kirchlichem Kindesmissbrauch hat der Hannoveraner Kriminologe Christian Pfeiffer die Einbindung des Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung angeregt. Eine Kommission unter Vorsitz des Beauftragten Johannes-Wilhelm Rörig und unter Beteiligung von Kirchenvertretern könne die Aufklärung übernehmen, schlug Pfeiffer in den "Stuttgarter Nachrichten" vor. "Ich warte jetzt erst einmal ab, ob es zu einer großen Lösung kommt und ob die Politik eingreift und die Katholische Kirche dazu motiviert, eine Kommission zu bilden." Rörig sagte der Zeitung, Pfeiffer habe mit ihm keinen Kontakt aufgenommen, um seine Idee zu besprechen. Für ihn sei es noch zu früh, um über einen solchen Vorstoß nachzudenken.

Pfeiffer war vor eineinhalb Jahren mit der Studie beauftragt worden und hatte nach dem nachträglichen Wunsch der Kirche zur Reglementierung der Veröffentlichung von Zensur gesprochen. die Kirche kündigte die Zusammenarbeit auf und verlangte von Pfeiffer, die falschen Anschuldigungen zu unterlassen. "Ich habe nie eine Feindschaft zur Kirche gehabt", sagte Pfeiffer der Zeitung. Auch habe er "nie den Aufklärungswillen der Kirche bestritten".

Bischöfe nehmen Kontakt zu anderen Instituten auf

Die katholischen Bischöfe streben unterdesse nach eigenem Bekunden eine schnelle Aufarbeitung der Missbrauchsskandale an. "Wir werden jetzt das Gespräch mit anderen möglichen Projektpartnern suchen", sagte der Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz für Fragen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger, Bischof Stephan Ackermann, den Zeitungen der WAZ-Mediengruppe. Die ersten Institute hätten sich schon gemeldet.

Ackermann erhob erneut schwere Vorwürfe gegen Pfeiffer: Dieser habe "in seiner sprunghaften Kommunikation und in seiner dominanten Art immer wieder für neue Irritationen gesorgt". Dadurch sei es "zu einer wachsenden Entfremdung" gekommen.

ins/DPA / DPA