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16-Jähriger erstochen: Mord an der Alster - warum der IS die Tat gerne begangen hätte

Wenn irgendwo auf der Welt Blut vergossen wird, dauert es nicht lange, bis der IS sich die Tat auf die Fahnen schreibt. So auch im Fall des 16-Jährigen, der an der Hamburger Alster hinterrücks erstochen wurde. Die Dschihadisten verfolgen eine bewusste Strategie.

Ein 16-Jähriger ist am 16. Oktober unter der Kennedybrücke in Hamburg getötet worden

Ein 16-Jähriger ist am 16. Oktober unter der Kennedybrücke in Hamburg getötet worden

Vor zwei Wochen starb der 16-Jährige Victor E. bei einem hinterhältigen Messerangriff an der Hamburger Alster. Die 15-jährige Begleiterin des Opfers warf der Täter in den Fluss und lief anschließend davon. Doch warum musste der Jugendliche sterben? Ein Raub oder eine Beziehungstat schließt die Polizei aus. Aber was war dann das Motiv des Täters? Terror?

Das behauptet zumindest der IS. Über ihr Sprachrohr Amaq verkündete die Terrororganisation am Sonntag, ein "Soldat des Islamischen Staats" habe die Tat begangen. Doch das Bekennerschreiben wirft mehr Fragen auf als es beantwortet. Zum einen enthält es einen gravierenden faktischen Fehler. Die Islamisten gaben nämlich an, dass zwei Personen niedergestochen wurden. Das Mädchen wurde jedoch nicht mit dem Messer attackiert. Zudem erfolgte das Bekenntnis zwei Wochen nach der Tat. In der Regel braucht der IS dafür nur wenige Tage. 

Andererseits wäre das Muster für die Dschihadisten auch nicht ganz neu: Ein Flüchtling aus Afghanistan geht mit Axt und Messer bewaffnet auf Fahrgäste in einem Regionalzug in Würzburg los - der IS beansprucht die Tat für sich. Ein Tunesier rast am französischen Nationalfeiertag in Nizza mit einem Lkw durch die Menschenmenge auf der Strandpromenade - der IS beansprucht die Tat für sich. Ein Amerikaner richtet in einem Schwulenclub in Orlando ein Massaker an - der IS beansprucht die Tat für sich.  

Warum "einsame Wölfe" dem IS so willkommen sind

Dabei ist bei diesen Angriffen eine unmittelbare Verbindung zum IS mehr als fraglich. Die Islamisten zögern jedoch nicht, die Taten dieser "einsamen Wölfe" für ihre Propaganda-Maschinerie einzuspannen.  

Die Strategie, die hinter den Bekenntnissen steht, ist einfach: die Verbreitung von Angst und Nervosität in der Bevölkerung. Die Botschaft: Jeder kann jederzeit und überall Opfer einer hinterhältigen Attacke werden. Es wird der Eindruck vermittelt, dass der IS scheinbar gar keine "Soldaten" aus Syrien oder dem Irak zu schicken braucht, sondern aus einem bodenlosen Topf junger Männer schöpfen kann, die nur ein paar Mausklicks davon entfernt sind, zu den Waffen zu greifen. Ein Anschlag kostet den IS in diesem Sinne nicht mehr als ein paar Propaganda-Videos im Netz - kein logistischer Aufwand, keine finanziellen Kosten und keine personellen Verluste.

Ob der IS bei dem Mord an der Hamburger Alster nur ein Trittbrettfahrer ist oder tatsächlich etwas mit der Tat zu tun hat, muss noch ermittelt werden. Die Bundesanwaltschaft prüft derzeit die "Verlässlichkeit der Mitteilung". Einem Bericht der "Hamburger Morgenpost" zufolge soll die Polizei inzwischen eine heiße Spur verfolgen, die nichts mit dem IS zu tun hat. Gegenüber dem stern wollte eine Sprecherin diese Information allerdings nicht bestätigen.