HOME

Mordanschlag auf Pro NRW-Chef: Der Kampf zwischen Salafisten und Rechtsextremen

Rechtsextremisten provozieren seit Monaten in NRW radikale Islamisten. In der Nacht zum Mittwoch hätte dies einen der rechten Scharfmacher das Leben kosten können. Kam der Mordaufruf aus Pakistan?

Dem vereitelten Mordanschlag auf den Vorsitzenden der rechtsextremen Partei Pro NRW ist eine Spirale der Gewalt vorangegangen. Die kleine rechtsextreme Partei unter ihrem Vorsitzenden Markus Beisicht, seit vielen Jahren eine schillernde Figur der rechten Szene, hatte die Islamisten immer wieder gezielt provoziert. Bereits vor Monaten hatte ein Salafist zur Ausspähung und Ermordung von Pro-NRW-Mitgliedern aufgerufen.

Das Häuflein der Pro-NRW-Anhänger war mit Mohammed-Karikaturen vor Moscheen und Treffpunkten der Salafisten aufgezogen, um die radikalen Muslime im Schutz der Meinungs- und Demonstrationsfreiheit bis aufs Blut zu reizen. Gleichzeitig erfreuten sich die Rechten der Aufmerksamkeit, die ihnen plötzlich zuteilwurde.

Nur mit massivem Polizeiaufgebot konnte der Staat im vergangenen Jahr die Extremisten in Nordrhein-Westfalen auseinanderhalten. Vergangene Nacht ist es ihm in Leverkusen erneut gelungen. Vier Verdächtige wurden festgenommen. Sie sollen ein Mordkomplott gegen Beisicht geplant haben.

Rechte gegen Salafisten gegen die Polizei

Während Pro NRW bereits eine andere Minderheit ins Visier genommen hat und derzeit vor Flüchtlingsheimen aufzieht, wird die Partei nun von ihren Aktionen aus dem Vorjahr eingeholt.

Am 1. Mai 2012 hatte Pro NRW in Solingen islamfeindliche Karikaturen gezeigt. Militante Islamisten hatten daraufhin Polizisten mit Steinen beworfen und mit Fahnenstangen attackiert. Mehrere Menschen wurden verletzt. Gegen zehn der Angreifer ist gerade erst Anklage erhoben worden.

Wenige Tage später hatte in Bonn eine Pro-NRW-Kundgebung bei den Salafisten erneut das Fass zum Überlaufen gebracht. Sie lieferten sich eine Straßenschlacht mit der Polizei, ein Polizist wurde von einem 26-jährigen Salafisten aus Hessen durch mehrere Messerstiche schwer verletzt. Die Polizei zählte 29 verletzte Beamte und mehr als 100 Festnahmen.

Aufruf zur Ermordung aus Pakistan

Selbst erfahrene Polizisten zeigten sich damals schockiert angesichts der Explosion der Gewalt im Namen Allahs. Der radikale Messerstecher wurde im Oktober vom Landgericht Bonn zu sechs Jahren Haft verurteilt.

Das Treiben der Rechten hatte sogar die islamistischen Glaubensbrüder im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet umgetrieben. Von dort erfolgte noch im Mai 2012 ein Aufruf zur Ermordung von Mitgliedern der Pro NRW. In einer Video-Botschaft hatte "Abu Ibrahim" empfohlen, die Rechtsextremen auszuforschen und dann zu töten.

Das Video, tausendfach angeklickt, wirkt wie eine Anweisung für den Anschlag auf Beisicht: "Lauert und sucht einzelne Personen der Pro NRW (...) auf, sammelt genug Informationen über ihre Wohnorte, über ihre täglichen Routen, ihre Arbeitsplätze. Und dann nach guten und ausreichenden Recherchen und einem strategischen Plan: Schlagt zu!"

Frank Christiansen, DPA / DPA