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Müllbekämpfung: Umweltamt fordert Bezahlpflicht für Plastiktüten

Die Meere ersticken in Plastikmüll und in Boutiquen, Drogerien und Kaufhäusern werden massenhaft kostenlos Tüten verteilt. Das Umweltbundesamt will das mit einer Abgabe ändern.

Das Umweltbundesamt (UBA) setzt sich dafür ein, mit einer Bezahlpflicht für alle in Deutschland verkauften Plastiktüten die Müllmenge zu reduzieren. "Es gibt gerade in Bekleidungsgeschäften, Drogeriemärkten und Kaufhäusern keine Bezahlpflicht, daher empfehlen wir, dass diese Tüten nicht mehr kostenlos abgegeben werden", sagte UBA-Präsident Jochen Flasbarth. Eine stern-Umfrage im März hat ergeben, dass die große Mehrheit der Deutschen sogar für ein Verbot der umweltfeindlichen Beutel ist. Die Grünen haben erst kürzlich eine Besteuerung von Plastiktüten gefordert.

Derzeit berät eine internationale Konferenz in Berlin vor allem über die zunehmende Gefährdung der Meere durch Plastikmüll. "100 bis 140 Millionen Tonnen Müll liegen in den Weltmeeren", warnte Flasbarth. Zum Teil seien Müllstrudel aus dem Weltall erkennbar."Um das in ein Bild zu packen: Das ist ein Güterzug vollgepackt mit Meeresmüll von hier zum Mond und halb zurück."

Allein in der Nordsee liege Müll in einer Größenordnung von einem Würfel mit einer Kantenlänge von 80 Kilometern, erklärte der UBA-Präsident. Das habe große Auswirkungen auf die Lebewesen, wenn sie zerriebenen Plastikmüll über die Nahrungskette aufnehmen. Tiere strangulierten sich in Müllteilen, darunter Delfin- und Walarten sowie Meeresvögel.

Sogar in Kosmetika ist Mikroplastik

"Worüber wir noch relativ wenig wissen ist, wie viel Mikroplastik über den Fischkonsum in die Nahrungskette des Menschen kommt", sagte Flasbarth. Ein zunehmendes Problem seien Mikroplastikteilchen zur Stabilisierung etwa in Kosmetika, die von den Kläranlagen nicht erwischt werden und so über das Abwasser in den Meeren landen können. "Hinzu kommt der ganze Müll in der Schifffahrt, sei es bei Kreuzfahrten oder Containerschiffen, der über Bord geworfen wird."

Auf der bis Freitag dauernden Meeresmüll-Konferenz sei ein sehr nachahmenswertes Beispiel vorgestellt worden: In den Ostseehäfen sind die Abfallgebühren in den Hafengebühren enthalten. "Das heißt, man kann keine Kosten vermeiden, wenn man den Abfall vor dem Hafen über Bord wirft", so Flasbarth. "Dadurch ist hier das Müllaufkommen aus der Schifffahrt deutlich zurückgegangen." Die in die Hafengebühren integrierten Abfallgebühren sollten für alle EU-Häfen vorgeschrieben werden. In der Fischerei könnte eine Pfandpflicht auf Netze helfen, das Zurücklassen der Netze in den Meeren zu mindern, betonte Flasbarth.

mad/DPA / DPA