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Schlag 12 - der Mittagskommentar aus Berlin Bachmanns persönliches Stalingrad


Pegida-Chef Lutz Bachmann zeigt sich mit "Hitler-Bärtchen" - und keiner lacht. Sogar die eigenen Mannen verlangen nach Konsequenzen. Erkennt denn niemand in Bachmann den großen Humoristen?
Von Jan Rosenkranz

Der Führer der Pegida erlebt gerade sein persönliches Stalingrad. Nicht genug damit, dass ganz Deutschland - minus Teile Sachsens – die Nase rümpft, weil ausgerechnet er, der vorbestrafte Ex-Exilant, gegen kriminelle Flüchtlinge hetzt. Ständig bewirft ihn die "Lügenpresse" mit neuem Schmutz. Jetzt haben sie dieses witzige Foto gefunden, auf dem Lutz Bachmann mit Rotzbremse und Rechtsscheitel grimmig in die Kamera stiert.

"Ein Scherz", sagt der große sächsische Humorist. Er habe das Foto "zur Veröffentlichung des Satire-Hörbuchs von 'Er ist wieder da' beim Friseur geknipst" und dem Sprecher Christoph Maria Herbst auf die Pinwand geposted. Das finden jetzt irgendwie nicht alle lustig, aber das kennt man ja: Über Pippi-Kacka-Witze, die der Nachwuchs macht, lacht an Omas Kaffeetafel auch nicht jeder. Auch Blondinenwitze gelten inzwischen als problematisch. Selbst der gute alte Judenwitz ist in Verruf geraten. Auch da muss man gerade als Nazi heutzutage höllisch aufpassen, sonst nimmt einen die "Lügenpresse" in die Mangel.

Weitere Bachmann-Gags aufgetaucht

Moment, hat da gerade jemand "Nazi" gesagt? Lutz Bachmann ist ein "besorgter Bürger" und als besorgter Bürger wird man doch wohl noch ein harmloses Führer-Selfie in dieses "Weltnetz" stellen dürfen. Eben, man darf. Man darf nur leider nicht erwarten, dass restlos jeder auch diesen Riesengag sofort als solchen erkennt. Bislang hielt man die Namensgebung "Europäische Patrioten gegen die Islamisierung des Abendlandes" für den größten Lacher des sächsischen Komikers, den Höhepunkt seines Oeuvres gewissermaßen. Was der Mann wirklich drauf hat, zeigt sich nun erst peu à peu.

Zeitgleich mit dem Führer-Foto sind weitere Bachmann-Gags aufgetaucht. Vor allem bei Facebook scheint er zu veröffentlichen. Auch jenen Witz, in dem er Asylbewerber "Viehzeug" und "Dreckspack" nennt. Oder der hier: "Es gibt keine echten Kriegsflüchtlinge."

Pegida kann auch witzig sein

Gut, manche nennen die sächsische Humorkanone jetzt rechtsextrem und rassistisch. Dabei weiß doch jeder, dass man in Kreisen "besorgter Bürger" erst dann als Nazi gilt, wenn man regelmäßig Mitgliedsbeiträge beim örtlichen NPD-Kassierer abliefert. Dass man erst dann xenophob, islamfeindlich, menschenverachtend und rechtsextrem ist, wenn man sich stolzgeschwellter Brust dazu bekennt. Es hat offenbar noch nicht jeder begriffen: Wenn es schreit und schreibt wie ein Rassist, wenn es aus jeder Pore danach riecht, dann ist es ein Humorist - egal, ob mit Hitlerbärtchen oder ohne.

In der "Lügenpresse" werden besorgte Bürger in erster Linie als wütend beschrieben, als aufgebracht, ängstlich und bisweilen sogar dumm. Das Adjektiv "witzig" trat in der Berichterstattung bislang nicht in Erscheinung. Offenbar völlig zu unrecht. Sicher, nicht jeder Pegidist verfügt über das Bachmannsche Naturtalent, aber jeder einzelne könnte es lernen. Aus gegebenem Anlass an dieser Stelle darum eine kurze Humorkunde: Witze über Hitler, Juden und Asylbewerber – gefährlich. Besser: Witze auf eigene Kosten. Versuchen Sie es doch mal! Ihr erster Gag könnte ungefähr so beginnen: Trifft ein Pegida-Demonstrant in Dresden einen Moslem...


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