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Internet-Streit: Bachmann sorgt mit "Hitler-Selfie" für Zoff bei Pegida

Mit seinem "Hitler-Foto" ist Pegida-Chef Lutz Bachmann übers Ziel hinausgeschossen. Selbst aus eigenen Reihen kommt heftige Kritik. "Der Wolf hat den Schafspelz abgelegt", heißt es aus der Politik.

Das "Hitler-Selfie" von Pegida-Chef Lutz Bachmann sorgt nicht nur für Rauschen im Blätterwald

Das "Hitler-Selfie" von Pegida-Chef Lutz Bachmann sorgt nicht nur für Rauschen im Blätterwald

Pegida-Chef Lutz Bachmann gerät wegen eines selbst geschossenen und verbreiteten Fotos mit Hitler-Bärtchen und -Scheitel selbst in den eigenen Reihen unter Druck. Wegen angeblich von ihm stammenden Facebook-Posts mit ausländerfeindlichen Beleidigungen beschäftigt sich zudem die Staatsanwaltschaft Dresden mit ihm. Es werde der Anfangsverdacht einer Straftat geprüft, sagte der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft, Wolfgang Klein, am Mittwoch in Dresden. Infrage kämen Beleidigungsdelikte, unter Umständen auch Volksverhetzung.

Der Vorfall müsse Konsequenzen haben, sagte Rene Jahn mit Blick auf das "Hitler-Foto" der Onlineausgabe der "Bild"-Zeitung. "Mit so etwas will ich nichts zu tun haben." Jahn ist Mitglied im Vorstand des islamkritischen Pegida-Vereins, dem Bachmann vorsitzt. "Es geht hier um die gesamte Bewegung und nicht nur um eine Person", sagte er.

"Auch mal selbst auf die Schippe nehmen"

Bachmann selbst hatte in der "Bild"-Zeitung die Echtheit des Fotos bestätigt und als Scherz eingestuft. "Ich hatte das Foto zur Veröffentlichung des Satire-Hörbuchs von 'Er ist wieder da' beim Friseur geknipst und Christoph Maria Herbst auf die Pinwand gepostet", sagte der 41-jährige Pegida-Gründer und Cheforganisator. "Man muss sich auch mal selbst auf die Schippe nehmen."

Die Echtheit der Bachmann zugeschriebenen Facebook-Nachrichten ist dagegen noch unbestätigt. Sie waren am Dienstag im Internet verbereitet worden und enthalten menschenverachtende Bezeichnungen wie "Viehzeug", "Gelumpe" und "Dreckspack" in Bezug auf Ausländer. Pegida-Sprecherin Kathrin Oertel sagte der Nachrichtenagentur DPA, dass man mit Bachmann auch über die Posts sprechen wolle. Sie kündigte eine Erklärung noch im Laufe des Mittwochs an.

"Wolf hat Schafspelz abgelegt"

Den selbst ernannten "Patriotischen Europäern gegen die Islamisierung des Abendlandes" (Pegida) war immer wieder vorgeworfen worden, Ängste und Ressentiments gegen Ausländer zu schüren. Pegida hat dies stets bestritten.

"Der Wolf hat seinen Schafspelz abgelegt. Wer jetzt noch bei Pegida mitläuft, darf sich nicht herausreden, er habe über die rassistischen Hintergründe dieser Aufmärsche nichts gewusst", erklärte jetzt die Linke-Innenpolitikerin im Bundestag, Ulla Jelpke. Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel sagte der "Bild"-Zeitung: "Wer sich in der Politik wie Hitler maskiert, ist entweder ein ziemlicher Idiot oder ein Nazi. Jeder sollte sich überlegen, ob er solchen Rattenfängern hinterher läuft."

Bachmann nach Drohungen unter Polizeischutz

Ähnlich äußerte sich der Fraktionschef der sächsischen Grünen, Volkmar Zschocke: "Es liegen seit Wochen Aussagen von den Leuten aus dem Pegida-Organisationsteam vor, die menschenverachtend, rassistisch, fremdenfeindlich und anschlussfähig nach rechtsaußen sind." Politiker demokratischer Parteien sollten der Gruppe nicht länger auf den Leim gehen.

Nach Morddrohungen von Islamisten befindet sich Bachmann unter Polizeischutz. Wegen der Terrorgefahr hatte die Dresdner Polizei die für vergangenen Montag geplante Pegida-Kundgebungen und alle weiteren öffentlichen Versammlungen in der Stadt untersagt. Bachmann hatte die Anhänger des Bündnisses deshalb zur Teilnahme an der Kundgebung des Leipziger Pegida-Ablegers aufgerufen.

dho/DPA / DPA