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Chemnitz: AfD-Demo mit Pegida – bunte Kleidung verboten, weiße Rose erlaubt

Björn Höcke und zwei weitere Landeschefs der AfD haben Fakten geschaffen: Sie werben für eine Demo mit Pegida in Chemnitz. Es gibt penible Vorgaben an die Teilnehmer – und Gesprächsbedarf im Bundesvorstand der Partei.

"Trauermarsch" am vergangenen Montag in Chemnitz: Am Samstag will hier die AfD zusammen mit Pegida mitmarschieren

"Trauermarsch" am vergangenen Montag in Chemnitz: Am Samstag will hier die AfD zusammen mit Pegida mitmarschieren

AFP

Die AfD ist im Orga-Fieber. Der Tod eines 35-Jährigen vergangenes Wochenende in und die Festnahmen zweier Männer, die offenbar als Flüchtlinge eingereist sind, versetzen die Partei in hektische Betriebsamkeit. Für diesen Samstag hat sie zur Demo in Chemnitz aufgerufen, und zwar – das ist neu – gemeinsam mit Pegida.

AfD will in Chemnitz offiziell mit Pegida marschieren

Bisher schreckte die als Ganzes vor einer Zusammenarbeit mit der Dresdner Gruppierung zurück. Hier die Partei, dort die soziale Bewegung, diese Trennung war dem Bundesvorstand wichtig. Als der mehrfach verurteilte Pegida-Veteran Lutz Bachmann im Februar in Sachsen auf einer AfD-Bühne stand, sorgte das noch für Ärger. Nun aber schufen die Ost-Landesvorsitzenden Andreas Kalbitz (Brandenburg), Björn Höcke (Thüringen) und Jörg Urban (Sachsen) auf Flyern Tatsachen – sie verkündigten am Dienstagabend eine offizielle Kooperation mit Pegida.

Dieser Vorgang ist nach stern-Informationen am Freitag Thema im Bundesvorstand der AfD. Die Frage ist dann, wie sich die Parteispitze nach dem Vorstoß der drei einflussreichen Ost-Landeschefs verhält: Kassiert sie die Zusammenarbeit wieder ein? Oder laufen die Parteichefs Alexander Gauland und Jörg Meuthen Kalbitz und Höcke gewissermaßen hinterher?

AfD-Bundesvize sieht Demo-Teilnahme kritisch

Auch der Bundeskonvent der AfD, eine Art kleiner Parteitag, der ein paar Mal im Jahr zusammenkommt, trifft sich am Samstag ausgerechnet in Sachsen. Die Tagesordnung für die Sitzung in Dresden ist prall gefüllt. Doch erste Mitglieder haben bereits angekündigt, in Chemnitz mitzumarschieren. Darunter ist auch Uwe Junge, der Landesvorsitzende von Rheinland-Pfalz. Junge gilt manchen in der Partei als treuer Follower Frauke Petrys. Vielleicht zeigt er sich deshalb nun zum wiederholten Mal mit . "Schulterschluss von Ost und West!", tönt Junge auf Facebook.

Kay Gottschalk ist stellvertretender Bundeschef der AfD und sitzt auch dem Konvent vor. Er sieht das Mitlaufen seiner Konvent-Mitglieder kritisch. "Wir haben viel zu tun, können nicht alles stehen und liegen lassen", sagte er dem . "Wenn sich der Konvent trifft, dann ist das eine Pflichtveranstaltung. Da ist Arbeit zu erledigen und nicht eine Demo zu besuchen."

Dass die AfD den Vorfall von Chemnitz zum Anlass nimmt, Menschen möglichst in Massen auf die Straße zu bringen, hält aber auch Bundesvize Gottschalk für richtig. Spricht man ihn auf womöglich hunderte rechtsextremer Hooligans an, die sich unter die AfD-Leute mischen könnten, Schläger, die seit Jahren organisiert Gewalt ausüben und zuletzt in Chemnitz Menschen jagten, sagt der AfD-Funktionär: "Das können wir dann letztlich nicht verhindern." Er verweist auf die Proteste gegen das G20-Treffen in Hamburg. Dort hätten sich auch Extremisten unter friedliche Gipfelgegner gemischt.

Nicht rauchen, nicht essen, nicht trinken

Die Demo-Veranstalter , Höcke und Urban schreiben in den sozialen Medien unterdessen von "Provokateuren". Es sei "nicht auszuschließen, dass in unserem Trauerzug Provokateure eingeschleust werden – vom wem auch immer". Die Landesvorsitzenden aus dem Osten empfehlen, "wachsam" zu bleiben und: "Filmen Sie wenn möglich Störaktionen". Angst haben Höcke, Kalbitz und Urban offenbar vor allem vor Journalisten. Die "Kartellmedien" würden "nichts unversucht lassen, um den friedlichen Protest zu diskreditieren".

Protest, für den die drei AfD-Landeschefs strenge Vorgaben machen: Bei der Demo darf nicht geraucht, nicht gegessen und nicht getrunken werden. Bunte Kleidung, wie sie die Pegida-Demonstranten gewöhnlich tragen, ist nicht erlaubt. Der nordrhein-westfälische AfD-Landtagsabgeordnete Thomas Röckemann posiert auf einem Bildchen bereits auf einem Demo-Flyer mit gesenktem Blick und schwarzer Krawatte. Nur die "weiße Rose als Zeichen der Trauer", die den Demo-Teilnehmern ausdrücklich erlaubt ist, hat er sich für das Shooting noch nicht angesteckt.

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