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Nachwahl in Dresden: Schlussakkord an der Elbe

Die Bundestagswahl 2005 musste wegen des Todes eines Dresdner Direktkandidaten um zwei Wochen verlängert werden. Die Spitzenpolitiker aller Parteien kämpfen bis zur letzten Minute um jede Wählerstimme - auch wenn es eigentlich nicht mehr um viel geht.

Fast ein Fünftel der Wähler hat seine Stimme für die in Dresden notwendige Bundestagsnachwahl schon abgegeben - per Brief. Bis Donnerstag gingen 39.955 Wahlscheine ein, teilte die Stadtverwaltung mit. Insgesamt hatten 23 Prozent der 219.000 Wahlberechtigten Briefwahl beantragt.

Um auch die letzten Wähler von sich zu überzeugen, setzen die Spitzen von SPD und CDU an der Elbe am Freitag den endgültigen Schlusspunkt unter den Bundestagswahlkampf. Bundeskanzler Gerhard Schröder, SPD-Vorsitzender Franz Müntefering sowie Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel (CDU) werden zu Kundgebungen in der Stadt erwartet.

Endergebnis wird kaum beeinflusst werden

Im Wahlbezirk Dresden I wird an diesem Sonntag nachträglich gewählt. Dies wurde notwendig, weil eine Direktkandidatin gestorben war und für sie ein Ersatzbewerber bestimmt werden musste. Nach Berechnungen von Wahlforschern ist es für die SPD kaum möglich, mit dem Dresdner Ergebnis ihren Rückstand von drei Bundestagssitzen auf die Union noch aufzuholen.

Im Schlussspurt der Bundestagswahl 2005 haben am Donnerstag die Spitzenpolitiker von FDP, Grünen und CDU die Wahlberechtigten dazu aufgerufen, von ihrem Stimmrecht Gebrauch zu machen.

Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) verlangte vor rund 200 Menschen harte Verhandlungen mit der SPD in Berlin, um die Ziele der Union durchzusetzen. "Ich habe das hinter mir, da muss man mit den Sozialdemokraten ganz hart diskutieren und argumentieren", sagte er mit Blick auf die Bildung der CDU/SPD-Koalition in Sachsen. "Ich bin mir sicher, wenn man so vorgeht, erreicht man seine Ziele." Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) forderte die Union auf, dabei Angela Merkel deutlich den Rücken zu stärken.

Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle und der Chef der FDP- Bundestagsfraktion, Wolfgang Gerhardt, forderten Schröder zum Rückzug auf. Westerwelle sagte: "Ich habe erstmals erlebt, dass es eine Arroganz der Macht noch gibt, wenn man die Macht schon verloren hat." Die FDP werde nur in eine Regierung eintreten, in der die Chance auf einen Politikwechsel bestehe.

Brauchen niemand, der die soziale Kälte vertritt

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate Künast sagte, ihre Partei werde ihre Rolle in der Opposition finden. Indirekt sprach sie sich gegen Merkel als Regierungschefin aus. Die Republik brauche zuallererst "eine qualifizierte Persönlichkeit" und niemanden, "der ein Modell der sozialen Kälte vertritt".

Die Rede des Vorsitzenden der rechtsextremen NPD, Udo Voigt, auf dem Altmarkt ging immer wieder in Pfiffen und Sprechchören von Gegendemonstranten unter.

DPA / DPA