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Neuer Geschäftsführer der Piraten: Johannes Ponader - Pirat, Künstler, Basisdemokrat

Der Nachfolger von Marina Weisband hält lieber den Kontakt zur Basis, als in Talkshows eigene Akzente zu setzen. Genug zu tun gibt es für Ponader auch so: Die Partei will den bislang geringen Frauenanteil in den eigenen Reihen steigern.

Johannes Ponader tritt kein einfaches Erbe an: Der Nachfolger von Marina Weisband im Amt des Politischen Geschäftsführers der Piratenpartei geht da besser gleich einen anderen Weg. "Ich stehe hier nicht, um Politik zu machen, sondern um euch den Rücken freizuhalten, damit ihr Politik machen könnt", ruft der 35-jährige Berliner am Sonntag den Teilnehmern des Parteitags in Neumünster zu. Ponader verkörpert das basisdemokratische Prinzip der Piraten - "damit wir niemals Delegierte brauchen!"

Das kommt bei der Basis an: Mit 74,4 Prozent der Stimmen erhält Ponader das zweitbeste Wahlergebnis der neun Mitglieder im Bundesvorstand. Eine gute Stunde später sitzt er mit dem neuen Bundesvorsitzenden Bernd Schlömer und anderen Vorstandsmitgliedern am Tisch und stellt sich den Fragen der Journalisten. "Meine Aufgabe ist es nicht, inhaltliche Impulse zu geben", betont er. Er beschreibt seine Rolle als die eines Transmissionsriemens zwischen der inhaltlichen Arbeit an der Basis und dem Vorstand - das klingt im Unterschied zu seiner Vorgängerin nicht nach Talkshows und einer offensiven Medienpräsenz.

Nach dem Abitur studierte der gebürtige Münchener Theaterpädagogik an der Ludwig-Maximilian-Universität in der bayerischen Hauptstadt. Danach war er als freischaffender Künstler an zahlreichen Theaterproduktionen beteiligt - als Regisseur, Autor oder auch als Schauspieler. Im Piraten-Wiki zu seiner Kandidatur beschrieb sich Ponader als "Gesellschaftskünstler, polyamant, vegan".

Hat Occupy für die Piraten verlassen

In Berlin engagierte sich Ponader in den vergangenen zwei Jahren in politischen Initiativen. Der Piratenpartei gehört er seit 2010 an - und hat bei den Newcomern durchaus schon inhaltliche Akzente gesetzt: Auf dem Offenbacher Parteitag brachte er im Dezember vergangenen Jahres den ebenso umstrittenen wie schließlich umjubelten Antrag ein, das sozialpolitische Modell eines Bedingungslosen Grundeinkommens (BGE) ins Parteiprogramm aufzunehmen.

Im vergangenen Jahr engagierte sich Ponader auch in der Occupy-Bewegung, nahm aktiv an Diskussionsrunden auf der Wiese vor dem Berliner Reichstag teil. "Ich bin da seit drei Monaten nicht mehr aktiv", erklärt er in Neumünster. Dies habe er mit Blick auf seine Parteiarbeit ganz bewusst so entschieden.

Die Berliner Piraten freuen sich, dass nun einer aus ihren Reihen an hervorgehobener Position im Bundesvorstand ist. "Er legt großen Wert darauf, dass sich alle wohlfühlen", sagt einer der 15 Piraten im Abgeordnetenhaus. Da hat Ponader bereits eine Baustelle ausgemacht. Mit Blick auf den immer noch geringen Frauenanteil bei den Piraten sagt er nach seiner Wahl: "Wir arbeiten daran, dass die Strukturen so sind, dass Frauen sich willkommen fühlen."

Peter Zschunke, DPA / DPA