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Corona-Lockerungen in Niedersachen Der Tag, an dem wir auf Masken verzichten können, ist noch nicht gekommen!

Hinweis auf die Maskenpflicht in einer Fußgängerzone
Hinweis auf die Maskenpflicht in Aurich. Noch ist es zu früh, im Einzelhandel auf den Mund-Nase-Schutz zu verzichten.
© Hauke-Christian Dittrich / DPA
In Niedersachsen wollte man nach Pfingsten die Maskenpflicht im Einzelhandel enden lassen. Bei fallenden Inzidenz-Zahlen ist es auch richtig, die Geschäfte so weit wie irgend möglich zu öffnen. Doch auf Masken zu verzichten, würde die Erfolge gefährden.

Ja, auch ich habe die Nase voll von den Corona-Einschränkungen. Und als Asthmatiker habe ich das Tragen der Mund-Nase-Masken schon häufig verflucht. Den Tag, an dem wir alle die lästigen Dinger endlich los werden, sehne ich wie Millionen Deutsche herbei. Doch dieser Tag ist noch nicht gekommen – trotz der glücklicherweise überall sinkenden Infektionszahlen.

Inzidenz 0,0 – diese zwei Landkreise sind wieder coronafrei

Das Land Niedersachsen preschte vor und wollte nach den Pfingsttagen die Maskenpflicht im Einzelhandel aufheben, sofern die Sieben-Tage-Inzidenz unter 35 liegt. Mittlerweile musste Niedersachsens Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) zurückrudern.  "Es wird keine Aufhebung der Pflicht zur Mund-Nasen-Bedeckung in Niedersachsen geben", erklärte sie.

Richtig so! Denn bisher war es stets so, dass sich das Virus wieder ausgebreitet hat, sobald man ihm auch nur den geringsten Spielraum gewährt hatte. Angesichts vieler gefährdeter Existenzen sind die aktuellen Öffnungen erfreulich, richtig und oft geradezu notwendig. Doch warum dann auch gleich noch den einfachsten Schutz fallen lassen, an den wir uns trotz aller Abneigung doch längst gewöhnt haben und der sich auch bewährt hat?! Warum ausgerechnet jetzt so alles wieder aufs Spiel setzen, wo das Ziel, viele Corona-Einschränkungen vielleicht sogar auf Dauer loszuwerden, doch so nah scheint. 

Corona: "Immunitätsgewinn nicht weglockern"

"Wir müssen aufpassen, dass wir den Immunitätsgewinn nicht weglockern", sagte die Pandemie-Modelliererin Viola Priesemann kürzlich in einem "Spiegel"-Interview" sehr treffend. Sie ist nicht die einzige Wissenschaftlerin, die seit geraumer Zeit kritisiert, das vorzeitige Lockerungen immer wieder zu jenem Jojo-Effekt bei den Corona-Zahlen führen, der uns alle Nerven kostet und – so die Experten – die Corona-Einschränkungen endlos fortführen. Die fast verzweifelten Worte des Immunologen Michael Meyer-Hermann bei Markus Lanz im ZDF machten Schlagzeilen. Und der Epidemologe Timo Ulrichs erinnerte just an diesem Freitag im TV-Sender n-tv daran, dass "die Zahlen vor einem Jahr geringer waren". Der Trend stimme zwar, so Ulrichs weiter, aber noch sei die Durchimpfung hierzulande nicht ausreichend und daher sei es sinnvoll, die bekannten Alltagsregeln inklusive des Maskentragens beizubehalten.

Nach rund einem Jahr Corona sollte doch jeder begriffen haben: Wer zu früh zu viel will, der zieht die Sache nur noch mehr in die Länge – und vergrößert damit letztlich den Schaden für alle: Wirtschaft, Schulen, Kitas, Kultur, Gastronomie, Gesellschaft. Viele kritische Rufe haben die Landesregierung in Hannover inzwischen erreicht. Werden in Niedersachsens Geschäften (vorerst) weiter Masken getragen, hilft das dabei, uns alle dem Tag näherzubringen, an dem wir die lästigen Dinger endlich loswerden.


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