Obama-Besuch in Buchenwald "Dieser Ort ist voller Schrecken"


Der Besuch im ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald hat US-Präsident Barack Obama tief bewegt. "Wir müssen wachsam sein, dass so etwas nie wieder passiert", sagte er. Gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel gedachte er der Opfer des Holocausts. Das Gesehene werde er nicht mehr vergessen können, sagte Obama.

US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel haben am Freitag der Opfer des Konzentrationslagers Buchenwald gedacht. Begleitet vom Holocaust-Überlebenden und Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel schritten Obama und Merkel durch das Torgebäude in das Lager, welches 1937 von Häftlingen errichtet worden war. Der US-Präsident, der erstmals ein ehemaliges KZ besuchte, zeigte sich nach dem Besuch tief bewegt. "Dieser Ort ist voller Schrecken. Ich werde das, was ich hier heute gesehen habe, nicht vergessen können", sagte Obama. "Wir müssen wachsam sein, dass so etwas nie wieder passiert." Zuvor hatten der US-Präsident und die Kanzlerin bei einem Gedenkstein je eine Rose niedergelegt und hielten einen Moment inne.

Wiesel, der bis zur Befreiung 1945 in Buchenwald interniert war, schritt neben Obama, Merkel ging links vom US-Präsidenten. Der Friedensnobelpreisträger sagte, die Welt habe nach Buchenwald ihre Lektion nicht gelernt. Er und andere Überlebende hätten gehofft, dass Hass und Rassismus danach keinen Platz mehr hätten. "Paradoxerweise hatte ich große Hoffnungen", sagte Wiesel im Anschluss an die Rede Obamas. Kambodscha, Ruanda und Bosnien hätten aber gezeigt, dass die Menschen diese Lektion noch nicht gelernt hätten. Die Überlebenden setzten daher nun große Hoffnungen in Obama und seinen moralischen Anspruch. "Wir wollen nicht mehr auf Friedhöfe gehen."

Ein weiterer Überlebender des Buchenwald-KZs, Bertrand Herz, erläuterte den Besuchern das Lager. Vor der Ankunft im sogenannten Kleinen Lager legten sie eine kurze Pause ein und sahen sich ein Foto von einer Gruppe ausgemergelter Häftlinge an. Auf dem weiteren Weg durch das Lager kamen Merkel und Obama auch zum Denkmal für alle Häftlinge. Zum Abschluss besuchten sie das Krematorium, in dem unzählige Juden verbrannt wurden. Dort gedachten die beiden Spitzenpolitiker unter Ausschluss der Öffentlichkeit der Opfer. Obama und Merkel waren nach den politischen Gesprächen und einem Besuch der Dresdner Frauenkirche am Freitagvormittag getrennt voneinander in das frühere Konzentrationslager bei Weimar geflogen.

Großonkel Obamas einst unter Befreiern des Lagers

Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Dresden hatten Merkel und Obama zuvor auf die symbolische Bedeutung des Besuchs hingewiesen. Es sei für ihn "sehr wichtig, Buchenwald zu besuchen", sagte Obama. Er sei noch nie in einem Konzentrationslager gewesen und habe speziell zu diesem eine persönliche Verbindung, sagte der US-Präsident. Sein Großonkel gehörte zu einer Einheit, die 1945 an der Befreiung eines Außenlagers von Buchenwald beteiligt war. Merkel bezeichnete es als einen bewegenden Moment, mit dem US-Präsidenten das Lager zu besuchen, das einst von amerikanischen Truppen befreit wurde. Dort hätten "Terror, Gewalt und Willkür" geherrscht, und das nicht weit entfernt von Weimar, "wo Deutsche wunderbare Beiträge zur Kultur geleistet hätten", ergänzte Merkel im Anschluss an den Besuch der Gedenkstätte.

Der zynische Wahlspruch der SS, "Jedem das Seine", prangt an einem Gittertor des Lagers. In Buchenwald waren von Juli 1937 bis April 1945 rund eine Viertelmillion Menschen aus allen europäischen Ländern inhaftiert. Die Zahl der Opfer wird auf 56.000 geschätzt. Zahllose Menschen starben an Hunger und Auszehrung, andere wurden umgebracht oder kamen bei medizinischen Versuchen ums Leben. Ein Großteil der jüdischen Häftlinge wurde ab 1942 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

AP/DPA AP DPA

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