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Schlag 12 - der Mittagskommentar aus Berlin Pegida ist ein Integrationsproblem


Montag war mal wieder Pegida-Tag. Diesmal auch mit landesweiter Lightshow. Aber was kommt eigentlich nach der kreativen Deutschland-ist-nicht-Pegida-PR?
Von Sophie Albers Ben Chamo

Guten Tag, hier spricht die Lügenpresse. Der elfte Pegida-Montag ist vorbei, und der Berliner Fernsehturm müsste heute gar nicht erst aus politischen Gründen sein Licht ausknipsen, weil man ihn im Nebel eh nicht sieht. (Hat er gestern übrigens auch nicht, aber gerade wird alles zum Symbol) Womit wir beim Nebel sind: Es ist schon ein verdammt dicker Nebel, durch den sich alle tasten, seitdem das Phänomen mit dem seltsamen Namen Deutschland in den Würgegriff genommen hat.
Würgegriff?
Na gut: Es hat sich eingehakt.
Ganz Deutschland?
Okay: vor allem in Dresden.
Und?
Ja, ja: in der Presse. Und natürlich auch in der Politik. Sogar bei Kanzlerin Merkel, die diesmal keine ihrer Was-die-Deutschen-wirklich-wollen-Umfragen brauchte, um zu begreifen, dass es definitiv nicht das hässliche Gesicht von Pegida ist.

Spaß beiseite. Deutschland ist sich beeindruckend laut und unisono einig - bis auf die 18.000 in Dresden und ein paar zwischen Polizei und Anti-Demo Zerquetschte anderswo - dass es sich seinen nach dem Holocaust und nach der Wiedervereinigung so hart erarbeiteten Ruf eines nicht nur starken, sondern auch freundlichen, offenherzigen Landes nicht kaputtmachen lässt. Sogar Der-Islam-ist-doch-kein-Teil-von-Deutschland-"Bild" macht mit. Wenn hier mit der schwarz-rot-goldenen Fahne gewedelt wird, dann bitteschön zur (gewonnenen!) Fußballweltmeisterschaft.

Guck, liebe Welt, so sieht Deutschland aus

Da musste sogar das arg zerfranste Feindbild eingenordet werden. Deutschland will den Anfängen wehren, und das sind die dankbar von allen Alt- und Neo-Nazis und der AfD aufgenommenen Pegida-Neuformulierungen für "Ausländer raus". Dabei halten sie in Dresden auch Plakate hoch gegen "Hühner-KZs", die GEZ-Gebühren oder die Ukraine-Politik.

Egal. Licht aus am Kölner Dom und am Brandenburger Tor, wo es ein paar Hundert Rassisten gar nicht hingeschafft haben. Baaaam! Guck, liebe Welt, so sieht Deutschland aus.

Das nächste Integrationsproblem

Bleibt ein klitzekleines Problem. Was kommt eigentlich nach der kreativen Deutschland-PR?

Das sollte kommen: Eine Diskussion über - Achtung! - Integration. Denn genau genommen hat das freundliche, offenherzige Deutschland (wir nehmen jetzt mal großkotzig an, die deutsche Migrationspolitik sei auf gutem Wege) schon wieder ein Integrationsproblem. Nämlich mit der Integration von rassistischen Idioten. Wenn niemand mit ihnen redet, werden sie nämlich genau das für immer und ewig bleiben. Die Politik im Kleinen ist gefragt, jeder einzelne, vernünftige Mitbürger. Um zuzuhören, aufzuklären, zu verstehen, zu verbinden, sonst wird die Zahl der Angstbürger weiter wachsen. Alles andere ist Lampe aus, Lampe an.


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