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Pegida-Jahrestag in Dresden: "Wir bleiben, um zu siegen"

Man kennt sich auf dem Theaterplatz. Zu martialischer Musik treffen sich die Anhänger zum ersten Pegida-"Geburtstag" - und schwelgen in Erinnerungen und verhöhnen die Politik. Doch es gab in Dresden auch "Herz statt Hetze".

Von Erik Häußler, Dresden

Ausgerüstet mit Deutschland-Fahnen, Plakaten sowie Bannern trafen sich die Pegida-Anhänger in Dresden

Ausgerüstet mit Deutschland-Fahnen, Plakaten sowie Bannern trafen sich die Pegida-Anhänger in Dresden

Mit martialischer Musik, emotional-inszenierten Video-Rückblicken und kämpferischen Durchhalteparolen feierte die Pegida-Bewegung in Dresden sich selbst und ihr einjähriges Bestehen. Über 15.000 Anhänger der fremdenfeindlichen Gruppierung kamen zum ersten Jahrestag - und ungefähr genauso viele Gegendemonstranten. Mehrere Gruppen hatten unter dem Motto "Herz statt Hetze" dazu aufgerufen, gegen die Fremdenfeinde auf die Straße zu gehen. Nach dem Ende der Kundgebung vor der Semperoper kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Pegida-Anhängern, Gegendemonstranten und der Polizei.

Am frühen Abend strömten tausende Pegida-Demonstranten auf den Theaterplatz in Dresden. Ausgerüstet mit Deutschland-Fahnen, Plakaten gegen die "Lügenpresse", "Asylanten" und "IS-Terroristen", sowie Bannern mit kämpferischen Sprüchen trafen sie sich im Herzen der Stadt, um ihr einjähriges Bestehen zu feiern. Nach einem Jahr scheinen sich viele der Anhänger zu kennen, Kleingruppen stehen beisammen und erzählen sich ihre negativen Erfahrungen mit den Flüchtlingen und Ausländern - selbst erlebt oder nur gehört, spielt keine Rolle. Als eine Gruppe von Unterstützern aus Tschechien auf dem Platz eintrifft, brandet Applaus auf. Die Menge johlt. Die Bewegung feiert sich. "Wir müssen alle zusammenhalten, alle Völker Europas" schreit ein Pegida-Unterstützer.

Es fliegen Böller von beiden Seiten

Doch auch die Gegendemonstranten sind in die Dresdner Altstadt gekommen. Weit über 10.000 sind dem Aufruf zum Gegenprotest gefolgt. Nach verschiedenen Auftaktkundgebungen im Stadtgebiet strömen sie aus allen Richtungen zum Theaterplatz, um den Fremdenfeinden die inszenierte Feier zu vermiesen.

Als die Pegida-Gegner von der Augustusbrücke auf den Eingang des Theaterplatzes strömen wollen, verhindert die Polizei ein Aufeinandertreffen der beiden Blöcke. Die Stimmung ist gereizt. Es fliegen Böller von beiden Seiten. Die Polizei bildet sofort enge Reihen und trennt die beiden Lager, die weiter mit Feuerwerkskörpern aufeinander zielen. "Ihr linken Hunde" heißt es auf der einen, "Nazis raus" auf der anderen Seite. Erst als die Polizei einen größeren Sicherheitspuffer einrichtet, beruhigt sich die Lage wieder.

"Wir bleiben, um zu siegen"

Pegida-Gründer Lutz Bachmann erinnert in seiner Eröffnungsrede an den langen Weg ihres Protestes, an die Widerstände und Drohungen, die ihnen entgegengeschlagen seien. "Aber wir sind noch da", ruft er der applaudierenden Menge zu und gibt sich kämpferisch: "Wir bleiben, um zu siegen". Die Menge gröhlt: "Widerstand, Widerstand!".

Beim ersten Jahrestag sind vor allem deutsche Politiker Ziel der Pegida-Hetze: die Bundesminister Heiko Maas und Thomas de Maizière, Katrin Göring-Eckhardt und vor allem Bundeskanzlerin Angela Merkel werden verhöhnt. Vereinzelt sind Plakate zu sehen mit dem Namen der Kanzlerin samt Galgen, "Merkel muss weg" schallt es unzählige Male durch die Dresdner Nacht. Als auf der erstmals installierten Videoleinwand Interviewausschnitte der Kanzlerin und dem Grünen-Vorsitzenden Cem Özdemir gezeigt werden, gehen diese in einem Pfeifkonzert unter.

Akif Pirincci kam bei Pegida-Anhängern an

Währenddessen läuft auch die Gegendemonstration vor dem Theaterplatz. Wortbeiträge, Musik und Sprechchöre erklingen, es steigen Luftballons in den Himmel. Die Stimmung ist ausgelassen, immer wieder dringen einzelne "Nazis raus"-Rufe bis zur Pegida-Bühne vor.

Dort zeigen sich Redner verschiedenster fremdenfeindlicher Parteien und Gruppierungen aus Tschechien, Polen, Italien und England Seite an Seite mit ihren deutschen Gesinnungsgenossen. Die fremdenfeindlichen Initiativen wollen sich an diesem Abend feiern, geschlossen präsentieren und demonstrative Kameradschaft zeigen. Besonders die Rede des umstrittenen Autors Akif Pirincci kam bei den Pegida-Anhängern an. Seine Rede voll vulgärer Ausdrücke und Hetze gegenüber Muslimen und deutschen Politikern begeisterte die Menge und wurde immer wieder durch ironisch-zustimmende "Aufhören"-Rufe seiner Zuhörer unterbrochen.

Video-Zusammenschnitte mit martialischer Musik

Zwischen den einzelnen Rednern sollten mit Hilfe von Videos auf das vergangene Pegida-Jahr zurückgeblickt und so emotionale Momente erzeugt werden. Die Video-Zusammenschnitte wurden mit martialischer Musik unterlegt und richtete kämpferische Durchhalteparolen an die Zuschauer.

Noch bevor Bachmann jedoch die Kundgebung für beendet erklärte, strömten Dutzende seiner Anhänger vom Platz, darunter viele offensichtlich Rechtsextreme, die versuchten, den von Gegendemonstranten umstellten Platz zu verlassen. An verschiedenen Stellen rund um den Zwinger und am Ufer der Elbe trafen sie dann auf Gegendemonstranten, es kam zu Auseinandersetzungen. Bei Angriffen von beiden Seiten flogen Feuerwerkskörper, die Polizei musste massiv einschreiten. Auch Wasserwerfer und Reiterstaffeln standen bereit. Die Einsatzkräfte hatten große Schwierigkeiten die aggressive Stimmung bei Teilen der beiden Lager einzudämmen und die Gruppen zu trennen. Bis lange nach dem offiziellen Ende der Pegida-Veranstaltung waren in der Altstadt immer wieder explodierende Feuerwerkskörper zu hören.