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Pegida-Jahrestag in Dresden: Anhänger und Gegner von Pegida greifen Polizei an

Am ersten Jahrestag der Pegida-Gründung mobilisierte die Bewegung zehntausende Anhänger. Mindestens 15.000 stellten sich dem entgegen. Am Ende kam es zu Ausschreitungen. Die Ereignisse des Tages im Rückblick.

Zehntausende bei Pegida und Gegenprotesten - Ausschreitungen

Zehntausende Anhänger und Gegner von Pegida sind zum Jahrestag der fremdenfeindlichen Bewegung in Dresden aufeinandergetroffen

Zehntausende Anhänger und Gegner von Pegida sind zum Jahrestag der fremdenfeindlichen Bewegung in Dresden aufeinandergetroffen. Über fast drei Stunden wandten sich Redner auf der Pegida-Kundgebung am Montagabend vor der Semperoper gegen Asylbewerber und demokratische Parteien. Die 15.000 bis 20.000 Anhänger waren laut Schätzungen umgeben von 15.000 bis 19.000 Gegendemonstranten. Die angespannte Situation entlud sich in Ausschreitungen. Politiker über die Parteigrenzen hinweg warnten vor Ausländerhass.

Die Entwicklungen des Tages finden Sie hier im Rückblick.

+++ 22.40 Uhr: Pegida-Anhänger greifen Polizisten mit Böllern an +++

Nach unbestätigten Berichten der "Sächsischen Zeitung" kam es zu Ausschreitungen von Hooligans und Angriffen von Neonazis. Wie ein Polizeisprecher bestätigt, waren zuvor Polizisten mehrfach gezielt angegriffen worden. Unter den Beamten habe es keine Verletzten gegeben. Reporter der dpa haben beobachtet, wie Pegida-Anhänger Polizisten mit Böllern angriffen.

Video, die im Internet kursieren zeigen Zusammenstöße mit der Polizei.

+++ 21.50 Uhr: Ausschreitungen nach Kundgebung-Auflösung +++

Nach der Auflösung der Pegida-Kundgebung kommt es an der Ostra-Allee zu Ausschreitungen und massivem Polizeieinsatz, wie ein stern-Reporter aus Dresden berichtet. Als die Polizei versuchte, eine Demonstration von Pegida-Gegnern zurückzudrängen,
wurde sie von hinten mit Pyrotechnik angegriffen, wie dpa-Reporter beobachten. Mehrere Böller wurden auf Polizisten geworfen. Ob es Verletzte gibt, bleibt zunächst unklar.

+++ 21.24 Uhr: Gegendemonstranten attackieren Polizisten +++

In Dresden hat es mehrere Angriffe von Gegendemonstranten auf Polizeibeamte gegeben. Die Polizisten hätten daraufhin Pfefferspray eingesetzt. Am Schlossplatz hätten sich beide Lager gegenseitig mit Gegenständen, Pyrotechnik gezündet und versucht, zu einander durchzudringen. Das habe die Polizei verhindert, sagt ein Polizeisprecher.

+++ 20.50 Uhr: Auch in München Anti-Pegida-Demo +++

Mehrere 100 Menschen protestierten in München gegen einen Aufmarsch von Anhängern der Pegida-Bewegung. Nach Angaben der Polizei gingen rund 600 Gegendemonstranten auf die Straße. Auf Pegida-Seite hätten sich rund 250 Teilnehmer versammelt, teilt ein Polizeisprecher weiter mit. Unter lauten Pfiffen der Gegendemonstranten zogen die Pegida-Anhänger auch zum Platz für die Opfer des Nationalsozialismus und legten dort einen Kranz nieder. Ein massives Polizeiaufgebot von rund 370 Beamten trennte beide Lager voneinander.

+++ 20.23 Uhr: Pegida-Anhänger mit Eisenstange schwer verletzt +++

Bei Auseinandersetzungen zwischen fremdenfeindlichen Pegida-Anhängern und Gegendemonstranten in Dresden ist ein Mann schwer verletzt worden. Der Vorfall ereignete sich nach den Worten eines Polizeisprechers, als die Beamten versuchten, beide Lager in der Altstadt zu trennen. Die Polizei konnte zunächst keine Angaben zu Art oder Schwere der Verletzung machen. Laut einem Bericht der "Sächsischen Zeitung" handelt es sich um einen Pegida-Anhänger, der mit einer Eisenstange getroffen wurde. 

+++ 19.50 Uhr: Pegida-Anhänger skandieren "Merkel muss weg" +++

Tausende Anhänger der Pegida-Bewegung demonstrieren gegen die Asylpolitik der Bundesregierung. Bei einer Rede von Mitorganisator Lutz Bachmann skandieren zahlreiche Teilnehmer "Merkel muss weg" oder "Volksverräter". Die Polizei ist mit einem Großaufgebot im Einsatz und trennt die Pegida-Anhänger von Gegendemonstranten. Teilnehmerzahlen nennt sie nicht. Nach Schätzungen der Studentengruppe "Durchgezählt" versammeln sich auf dem Theaterplatz zwischen 15.000 und 20.000 Pegida-Anhänger.

+++ 19.20 Uhr: Erste Rangeleien - Böller fliegen +++

Die angespannte Situation in Dresden hat sich in ersten Rangeleien entladen. Dabei wurden auch Böller geworfen, wie ein Polizeisprecher sagt. Wer sie geworfen hatte, war zunächst unklar. Von Festnahmen oder Verletzten war zunächst nichts bekannt. Mindestens 11.000 Gegendemonstranten zogen nach Schätzungen der Gruppe "Durchgezählt" aus verschiedenen Richtungen sternförmig in die Altstadt. Dort feierten die "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" am Abend auf dem Theaterplatz den ersten Jahrestag ihres Entstehens.

An der Kathedrale standen sich Pegida-Anhänger und Gegendemonstranten in Sicht- und Hörweite gegenüber. Dem Gegenprotest schlossen sich demnach viele Familien mit Kindern und auch Mitarbeiter der Semperoper an. Das Opernhaus wollte am Abend - wie auch andere Dresdner Kultureinrichtungen - das Licht löschen, um Pegida im Dunkeln stehen zu lassen.

+++ 19 Uhr: Plakat mit Merkel in Uniform erregt Aufsehen +++

Auf der Kundgebung des Pegida-Bündnisses führt ein Demonstrant ein Plakat mit einer Fotomontage von Bundeskanzlerin Angela Merkel in einer nazi-ähnlichen Militäruniform mit. Nach Informationen der "Sächsischen Zeitung" greift die Polizei den Mann auf. Das Plakat erinnert an Nazi-Bilder, auf einer roten Armbinde ist allerdings ein Euro-Zeichen abgebildet.

Ein Pegida-Demonstrant hält ein Plakat mit dem Bild Angela Merkels in einer nazi-ähnlichen Uniform hoch

Ein Pegida-Demonstrant hält ein Plakat mit dem Bild Angela Merkels in einer nazi-ähnlichen Uniform hoch

+++ 18.45 Uhr: Pegida-Demo beginnt +++

Auf dem Theaterplatz versammeln sich am frühen Abend erste Pegida-Anhänger. Die Polizei ist mit dutzenden Einsatzwagen vor Ort. Die Stimmung ist zunächst ruhig.

+++ 18 Uhr: Anti-Pegida-Demos beginnen +++

In Dresden versammeln sich mehrere tausend Menschen zu Protesten gegen den Aufmarsch der Pegida-Bewegung. Zu einer Demonstration mit dem Titel "Herz statt Hetze" kamen nach Angaben der Studenteninitiative Durchgezählt etwa 2000 bis 2500 Menschen und begannen vom Fritz-Förster-Platz mit einem Protestmarsch. Das Bündnis Dresden nazifrei zählte außerdem gut 2000 Menschen am Bahnhof Neustadt und etwa 300 bis 500 Menschen am Bahnhof Mitte bei weiteren Anti-Pegida-Veranstaltungen.

+++ 17.30 Uhr: Semperoper wehrt sich gegen Pegida-Kundgebung +++

Mit einer deutlichen Botschaft gegen Intoleranz empfängt die Semperoper in Dresden Anhänger des Pegida-Bündnisses auf dem Theaterplatz. "Wir sind kein Bühnenbild für Fremdenhass", heißt es am auf einer elektronischen Leinwand, die an der Semperoper angebracht ist. Im Wechsel leuchtet der Satz auf: "Wir sind keine Kulisse für Intoleranz".

+++ 17 Uhr:  Warnung vor Hetze und Sorge wegen Gewalt +++

Politiker und Verbände warnen vor Hass und Hetze in der Asyldebatte. "Wer Galgen und Hitlerbärten hinterher läuft, für den gelten keine Ausreden mehr", sagt Justizminister Heiko Maas in Berlin. "Pegida sät den Hass, der dann zur Gewalt wird." Zugleich ist die Sorge groß, dass es am Rande der Dresdner Pigida-Kundgebung und mehrerer Gegendemonstrationen zu Gewalt kommen kann.

+++ 16.30 Uhr: Drohungen gegen Leipzigs Oberbürgermeister Jung +++

Der Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) ist in einer Hass-Schmierei von Unbekannten bedroht worden. Auf einem Container in der Innenstadt stand neben einem Galgen "Jung wir kriegen Dich", wie eine Sprecherin der Polizei sagt. Auf dem Container war demnach zudem noch "No Asyl" geschrieben worden. Die Polizei gehe von einem fremdenfeindlichen Hintergrund aus, sagt die Sprecherin.

Die Schmierereien waren den Angaben zufolge am Montagmorgen entdeckt worden. Von dem mutmaßlichen Täter oder den Tätern fehlt jede Spur. Vor einer Woche war auf der Kundgebung der antiislamischen Pegida-Bewegung in Dresden ein Galgen zu sehen, der daran hängenden Plakaten zufolge für Bundeskanzlerin Angela Merkel und Vizekanzler Sigmar Gabriel "reserviert" sein sollte. 

Unbekannte Täter haben in Leipzig auf einem Baucontainer die Schriftzüge "No Asyl" und "OB Jung wir kriegen dich" gesprüht

Unbekannte Täter haben in Leipzig auf einem Baucontainer die Schriftzüge "No Asyl" und "OB Jung wir kriegen dich" gesprüht

+++ 16 Uhr: Behörden lassen Pegida vorerst unbehelligt +++

Trotz der Radikalisierung der Pegida-Bewegung wollen Sicherheitsbehörden derzeit keine konkreten Maßnahmen gegen die Strömung ergreifen. Das hetzerische und aggressive Potenzial dieser Veranstaltung nehme zu, sagt ein Sprecher des Bundesinnenministeriums in Berlin. Die Entwicklung der Dresdner Pegida und ihrer Ableger in anderen Städten werde sehr aufmerksam vom Verfassungsschutz des Bundes und der Länder verfolgt. Eine neue Gefährdungslage sei aber auch nach dem offenkundig fremdenfeindlich motivierten Attentat auf die Kölner OB-Kandidatin Henriette Reker nicht zu erkennen.

+++ 11.30 Uhr: Dresdner Polizei fordert Unterstützung an +++

Die Dresdener Polizei hat angesichts mehrerer Gegendemonstrationen gegen die islamfeindliche Pegida-Jubiläumskundgebung Verstärkung aus anderen Bundesländern angefordert. Auch Beamte der Bundespolizei seien am Abend im Einsatz, sagte eine Sprecherin der Dresdener Polizei am Montag. Es werde insgesamt mit über 10.000 Demonstranten gerechnet. Die Zahl der eingesetzten Polizisten werde nicht bekanntgegeben. Nach Angaben der Dresdner Stadtverwaltung waren bis zum Freitag acht Demonstrationen neben der Pegida-Kundgebung angekündigt worden.

ivi / DPA / AFP / Reuters