Platzeck-Rücktritt "Schwierigste Entscheidung meines Lebens"


SPD-Chef Matthias Platzeck hat nach nur 146 Amtstagen auf dringenden ärztlichen Rat hin seinen Rücktritt erklärt. Sein Nachfolger wird Kurt Beck. Bundeskanzlerin Angela Merkel reagierte mit "Respekt und Bedauern" auf den Rücktritt.

SPD-Chef Matthias Platzeck ist nach knapp fünf Monaten aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten. Sein erster Stellvertreter, der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck, wird das Amt kommissarisch übernehmen und bei einem außerordentlichen Parteitag Ende Mai für den Vorsitz kandidieren. Beck will nach eigenen Worten die Kontinuität in der großen Koalition wahren und schnell mit Kanzlerin Angela Merkel und CSU-Chef Edmund Stoiber sprechen.

Platzeck sagte nach einer Präsidiumssitzung: "Ich musste in den letzten Tagen die mit Sicherheit schwierigste Entscheidung meines bisherigen Lebens treffen - nämlich die, auf dringenden ärztlichen Rat den Vorsitz der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands niederzulegen." Er habe im Herbst den Vorsitz übernommen, um gemeinsam mit Beck zu verhindern, dass die SPD in einen Strudel gerate oder "irgendeine Schwächung erfährt". Die Partei habe stabilisiert werden sollen für die Verhandlungen über die große Koalition.

Die CDU-Vorsitzende und Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Rücktrittsentscheidung von SPD-Chef Matthias Platzeck "mit Respekt, aber auch Bedauern" zur Kenntnis genommen. "Ich kann nachvollziehen, dass eine solche Entscheidung zu den schwierigsten Entscheidungen gehört, die man treffen kann", sagte Merkel am Montag in einer Stellungnahme im Kanzleramt. Die Kanzlerin würdigte dabei die "intensive und sehr gute Zusammenarbeit" der vergangenen Wochen mit Platzeck. Merkel sagte weiter, sie werde auch mit dem kommissarischen SPD-Vorsitzenden Kurt Beck "vertrauensvoll und im Geiste der großen Koalition" zusammenarbeiten.

Eigene Kräfte überschätzt

Platzeck sagte, er habe sich aber mit dem SPD-Vorsitz gesundheitlich übernommen. Der 52-Jährige ist auch Ministerpräsident in Brandenburg. Bereits zum Jahresende habe er einen ersten Hörsturz gehabt, den er nicht ernst genommen habe, sagte der 52-Jährige. Im Februar sei ein Kreislauf- und Nervenzusammenbruch gefolgt. Danach habe er sieben bis acht Tage zur Erholung gebraucht. Der zweite Hörsturz am 29. März habe zu einem erheblichen Verlust des Hörvermögens geführt. In den nächsten Wochen werde er sich bemühen, seine Gesundheit wieder einigermaßen in den Griff zu bekommen, sagte Platzeck. Danach wolle er sich "mit ganzer Kraft dem Land Brandenburg" widmen. Er habe seine Kräfte zum Zeitpunkt der Wahl zum SPD-Vorsitzenden überschätzt.

Bullerjahn soll neuer Vize werden

Das SPD-Präsidium verständigte sich bereits auf die mögliche Neuformierung der Parteispitze. Im Fall seiner Wahl zum neuen Vorsitzenden will Beck den SPD-Politiker Jens Bullerjahn aus Sachsen-Anhalt als Vize-Vorsitzenden vorschlagen. Generalsekretär Hubertus Heil und Bundesgeschäftsführer Martin Gorholt sollen nach dem Willen des Präsidiums in ihren Ämtern bleiben. Beck räumte ein, dass die räumliche Entfernung zwischen Mainz und Berlin eine zusätzliche Herausforderung für die Ausübung beider Ämter sei.

AP/DPA/Reuters AP DPA Reuters

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