PLUTONIUM-AFFÄRE Eklatante Sicherheitsmängel


Im Karlsruher Plutonium-Skandal hat der baden-württembergische Umweltminister Ulrich Müller Sicherheitsdefizite eingeräumt. Unterdessen wurde der mutmaßliche Schmuggler und dessen Freundin dem Haftrichter vorgeführt.

Im Karlsruher Plutonium-Skandal hat der baden-württembergische Umweltminister Ulrich Müller Sicherheitsdefizite eingeräumt. »Was sich ereignet hat, hätte nicht passieren dürfen«, sagte der CDU-Politiker am Dienstag in Stuttgart. Die Verantwortung liege bei den Betreibern der Wiederaufbereitungsanlage Karlsruhe (WAK). Unterdessen wurde der 47 Jahre alte mutmaßliche Plutonium-Schmuggler gemeinsam mit seiner Freundin dem Haftrichter vorgeführt.

Bis zum Abend war nach Angaben der Staatsanwaltschaft noch nicht entschieden, ob der frühere Mitarbeiter einer Fremdfirma Untersuchungshaft bleibt. Müller sprach von einer »brisanten Mischung aus krimineller Energie oder bewusst in Kauf genommener Eigengefährdung«.

Der Minister kündigte Konsequenzen an. In Betracht kämen sowohl baulich-technische Vorkehrungen als auch strengere Kontrollen. Es werde auch geprüft, ob die WAK im selben Maß wie bisher Fremdpersonal einsetzen könne. Schützenhilfe erhielt Müller vom baden-württembergischen Ministerpräsidenten Erwin Teufel. Der CDU-Politiker sagte, er könne keine Versäumnisse des Umweltministers erkennen.

Offenbar sind die Sicherheitsmängel in der WAK noch eklatanter als bisher angenommen. Nach Angaben Müllers gelang es dem Mann, die radioaktiv verseuchten Gegenstände unter Umgehung aller Sicherheitseinrichtungen aus der Anlage zu schmuggeln. Die Wischtücher und das Fläschchen mit brauner radioaktiver Flüssigkeit stammten aus dem so genannten Rohrkanal, einer stark kontaminierten Räumlichkeit.

Der Mann schmuggelte die Gegenstände den Angaben zufolge an mehreren Ausgangsschleusen und Kontrollmonitoren vorbei, indem er sie neben die Monitore legte und nach dem Durchgang der Schleusen von der anderen Seite wieder aufnahm. Dies sei grundsätzlich möglich, so weit man unbeobachtet bleibe, sagte Müller.

Diebstahl gestanden

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Karlsruhe gestand der Mann den Diebstahl von verstrahltem Material. Er habe bei der Vernehmung ausgesagt, dass er mit der Tat auf Sicherheitslücken in der Anlage habe hinweisen wollen.

Müller sprach von einem ungewöhnlichen Fall, da das gestohlene Material nicht gehandelt werden könne: »Es hat

Schädigungscharakter, aber keinen Nutzen.» Von den in Rheinland-Pfalz gefundenen Gegenständen in den Wohnungen, auf dem früheren Flugplatz, in den Autos und in einem Kleidercontainer gehe keine Gefahr für die Umwelt aus. Es sei aber eine Weiterverschleppung der Kontamination möglich.

Die Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd in Rheinland-Pfalz richtete eine Info-Hotline unter der Telefonnummer 06321/931154 ein. Dorthin können sich Personen wenden, die sich in den letzten Wochen und Monaten in den Wohnungen des Täters oder seiner Freundin in Eschbach oder Landau aufgehalten hatten oder Umgang mit den beiden hatten. Die Wohnungen seien versiegelt und im hohen Maße verstrahlt, sagte der Stuttgarter Umweltminister.

Trittin-Vorwürfe zurückgewiesen

Müller sagte, solch ein Fall sei nicht vorhersehbar gewesen, da der Mann mit einem erheblichen Maß an krimineller Energie gehandelt habe. Es handele sich um ein bisher in Deutschland einmaliges Ereignis. Der CDU-Politiker wies zugleich die Kritik von Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) an der Informationspolitik seines Hauses zurück.


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