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Polemik: Deutschland wird zur Raucherhölle

Noch werden Raucher in Deutschland als normale Menschen akzeptiert. Doch das hat bald ein Ende: Wer gegen Verbote verstößt, wird gesteinigt, Straßen werden nach Raucher und Nichtraucher getrennt, beerdigt werden die Qualmer auf Raucherfriedhöfen. Eine Polemik eines rauchenden und frustrierten stern.de-Lesers.

Von Reinhard Siemes

Noch ist Deutschland gedanklich und faktisch durchseucht von Nikotin und Teer. Allen Nichtrauchern zur Hoffnung hat die Initiative "Sauberes Deutschland" einen Maßnahmen-Katalog ausgearbeitet und der Bundesregierung zur Prüfung vorgelegt. Ein Ausschuss wird beraten, inwieweit folgende Vorschläge bis zur Bundestagswahl 2009 realisierbar sind.

Jeder Hausmeister wird zum Nichtraucherschutz-Blockwart ernannt. Er hat einen Rauchsensor und kann prüfen, ob in Häusern gegen die Vorschriften geraucht wird. Die Geräte sind so empfindlich, dass sie auch nach einer Woche noch Rauchbestandteile registrieren können. Verstöße von Mietern haben die sofortige Kündigung zur Folge. Sie werden in Rauchdistrikte umgesiedelt: Vorstädte mit alten Plattenbauten, deren Fassaden einen karzinomschwarzen Anstrich bekommen. Um die Distrikte herum wird ein 100 Meter breiter Grenzstreifen mit Zäunen angelegt. Häuser, die in diesem Grenzstreifen liegen, werden abgerissen.

Vor Bahnhöfen und Flughäfen werden Schranken mit Atemprüfgeräten aufgestellt, die registrieren, ob jemand noch Restrauch in den Lungen hat und darum andere Fahr- oder Fluggäste belästigen und schädigen kann.

Raucher dürfen ihre Kleider nicht mehr in normale Reinigungen bringen, sondern nur noch in ANVK-Stellen abgeben (Annahmestellen für nikotinverseuchte Kleidungsstücke). Weil die Arbeit in diesen Stellen normalen Menschen nicht zugemutet werden kann, werden bevorzugt Hartz IV-Empfänger mit Lungenkrebs eingestellt.

Raucher werden auf speziellen Raucherfriedhöfen beerdigt, damit ihre Leichen nicht mehr die Körper von Nichtrauchern kontaminieren.

Raucher bekommen eigene Straßenseite

Das Rauchen auf öffentlichen Straßen und Plätzen wird stark eingeschränkt. Auf Plätzen ist es ganz verboten. Die Bürgersteige der Straßen, besonders solche mit starkem Verkehr, werden nach Raucher und Nichtraucher getrennt. Die Raucherbereiche finden sich grundsätzlich auf der Straßenseite mit dem höheren Abgasaufkommen.

Raucher, die mehr als dreimal gegen bestehende Rauchverbote verstoßen, müssen einen "Raucheraufkleber" tragen. Dieser zeigt einen Kreis mit 120 mm Durchmesser, der in der Mitte eine qualmende Zigarette zeigt.

Raucher, die mehr als zehnmal gegen bestehende Rauchverbote verstoßen, werden öffentlich gesteinigt. In Berlin zum Beispiel auf dem Gendarmenmarkt. Die Steine sind Ascher in verschiedenen Ausführungen: Billiges Steingut aus China, Granit aus dem Harz oder weißer Carrara-Marmor aus der Toscana. Das Steinigen mit Aschern aus Aluminium wird bestraft.

"Smoking-Tours" unter staatlicher Aufsicht

Um die Raucher nicht völlig in die Illegalität zu treiben, werden unter staatlicher Aufsicht "Smoking-Tours" erlaubt. Das sind Busfahrten zu den Hallen verlassener Chemiewerke, in die Schächte stillgelegter Bergwerke mit Uranabfällen und zu ehemaligen Truppenübungsplätzen (vermint).

Aus allen Filmen, in denen geraucht wird, müssen die entsprechenden Szenen raus geschnitten werden. Es sei denn, dem Filmverleih gelingt es, die Szenen so zu überarbeiten, dass die Protagonisten an einer Salzstange knabbern. Bücher, in denen Raucher auftreten, werden verbrannt. Das nachträgliche Schwärzen der entsprechenden Stellen würde sie unbezahlbar machen. Besonders für Nichtraucher. Gemälde, auf denen geraucht wird, etwa die rote Frau von Otto Dix, werden von Restauratoren sorgfältig entnikotinisiert. Statt der Zigarettenspitze hält die Dame ein Magnum von Langnese zwischen den Fingern.

Die schätzungsweise 18.000 Bundesbürger mit dem Familiennamen Rauch müssen sich umbenennen lassen. "Nichtrauch" ist gebührenfrei. Für allen anderen Namen wird eine Bearbeitungsgebühr von 133,00 Euro fällig.

Weil dem Staat jährlich 25 Milliarden Euro pro Jahr fehlen (Tabaksteuer und Mehrwertsteuer auf Tabakwaren) werden folgende Produkte und Dienstleitungen besteuert: Süßwaren, Tütensuppen, Balkonpflanzen, Campingkocher, Brustvergrößerungen und Zoobesuche. Die Alkoholsteuer wird nicht erhöht, weil 15 bis 20 Prozent der Bundestagsabgeordneten einen erhöhten Bedarf an entsprechenden Getränken haben.