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Politik und Latex: Wirbel um Vamp-Fotos der "schönen Landrätin"

Die Fürther Landrätin und Stoiber-Gegnerin Gabriele Pauli hat sich in Vamp-Verkleidung für die Zeitschrift "Park Avenue" fotografieren lassen. Nachdem dies innerparteilich für Wirbel sorgte, beschwerte sich Pauli beim Magazin - nachträglich.

Die Fürther Landrätin Gabriele Pauli sorgt jetzt mit Vamp-Fotos von ihr für Aufsehen: Für die Zeitschrift "Park Avenue" ließ sie sich mit rote Perücke, Latexhandschuhen, einer geschminkten schwarzen Augenmaske und im schwarzen Minikleid fotografieren. Nach Erscheinen der Zeitschrift am Mittwoch reagierte Pauli verärgert auf die Art der Veröffentlichung und warf dem Magazin vor, sie getäuscht zu haben. Redaktionsleiter Michael Stoessinger wies die Vorwürfe zurück.

"Mit Erstaunen haben wir die Stellungnahme von Frau Dr. Pauli zur Kenntnis genommen," hieß es in einer Stellungnahme der "Park Avenue"-Redaktion. Vor Drucklegung der neuen Ausgabe hätte es keine Anfrage bezüglich der Bilder oder Bildstrecke seitens Pauli gegeben. Außerdem hätte ein Bekannter der Politikerin alle Motive für deren privaten Gebrauch mitfotografiert. Nachdem die "Park Avenue"-Redaktion dann am Dienstag Anfragen anderer Redaktionen bezüglich der Bilder bekam, wurde das Büro Pauli um eine Freigabe der Bilder für andere Medien gebeten. "Das Büro bestätigte die Freigabe schriftlich," hieß es in der Stellungnahme weiter.

In der "Bild"-Zeitung hatte die Politikerin die Fotos noch verteidigt. "Ich sehe das als Fotokunst", erklärte sie der Zeitung. "Das war einfach mal was anderes für mich, für ein Hochglanzmagazin stand ich noch nie Modell." Die Aufnahmen seien in einer Villa in München entstanden, erzählte Pauli der Zeitung. "Plötzlich haben sie mir Latex-Handschuhe gegeben", sagte die Politikerin. "Ich fand die Idee kreativ und künstlerisch. Die Fotostrecke dokumentiert nach Überzeugung der Park-Avenue-Redaktion den rebellischen Charakter der Landrätin, die ihren Ausflug in die Modewelt unter anderem so kommentierte: "Es ist nicht verkehrt, wenn der Träger einer Botschaft Aufmerksamkeit auf sich lenkt."

Alle Zitate auhtorisiert, alle Fotos freigegeben

Pauli erklärte in ihrem am Mittwoch veröffentlichten Brief, sie sei stets von einer ernsthaften Aufmachung der Fotostrecke ausgegangen. Text und Bilder aber "erwecken bei vielen Betrachtern eine Assoziation, die ich nicht hinnehmen kann", beschwerte sich die CSU-Politikerin. Sie wirft dem Magazin vor, "die gewählte, provokante Aufmachung" sei nicht mit ihr abgesprochen worden. Bis Mittwoch habe ihr noch kein "offizieller Abzug" der Geschichte vorgelegen. Zudem beschwerte sie sich in dem Brief auch, dass der Abdruck von Aussagen, die sie während des Fotoshootings gemacht habe, nicht abgesprochen gewesen sei.

Dem widerspricht die "Park Avenue"-Redaktion: "Sämtliche Zitate sind zur Autorisierung freigegeben worden," heißt es in der Stellungnahme. Der Münchner Abenzeitung lobte Pauli das Fotoshooting noch: "Es hat Spaß gemacht, weil es mal etwas ganz anderes war. Es geht auf den Bildern nicht darum, mich als Politikerin darzustellen, es sollte einfach mal etwas Künstlerisches sein." Und in der Süddeutschen Zeitung kommentierte die Landrätin das Shooting mit den Worten: "Mit diesen Bildern zeige ich, dass Politiker nicht mausgrau sein müssen."

Bedeuten Fotos das Karriere-Ende?

Ihr künstlerischer Auftritt stieß bei ihren Parteikollegen hingegen auf wenig Verständnis, am Mittwoch kritisierten CSU-Politiker die Fotos durchweg. "Ihr Verhalten ist indiskutabel. Damit hat sie sich selbst gerichtet", sagte der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Hans-Peter Uhl, der "Mitteldeutschen Zeitung". Der CSU-Bundestagsabgeordnete Norbert Geis erklärte demselben Blatt, Politik müsse ein gewisses Maß an Seriosität bewahren. "Frau Pauli hat diese Seriosität verletzt", sagte Geis und fügte hinzu: "Sie kann nicht damit rechnen, auf diesem Weg höhere Ämter in der CSU zu erreichen."

Die Landrätin, die zum Sturz von Ministerpräsident Edmund Stoiber beigetragen hat, bekräftigte zudem ihre politischen Ambitionen. "Ich will Neues erfahren, ich will große Politik steuern", sagte sie der "Park Avenue". Die CSU-Spitze jedoch zeigt der Parteirebellin, die 2008 nicht mehr als Landrätin kandidieren will, bisher die kalte Schulter. Im Gespräch mit der Illustrierten "Bunte" schloss Pauli deshalb nicht mehr völlig aus, dass sie ihrer Partei den Rücken kehrt. "Meine Heimat ist die CSU. Aber es kann keine einseitige Liebe auf Dauer sein", sagte die Landrätin laut einer Vorabmeldung. Erneut betonte sie, es seien schon einige politische Gruppierungen wie die Freien Wähler auf sie zu gekommen. "Die CSU sollte sich darüber klar werden, was sie an mir hat."

mit AP/DPA / DPA