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Gabriele Pauli: Das politische Ende der "Roten Rebellin"

Wenn der neu gewählte bayerische Landtag im Oktober zusammentritt, ist er um eine schillernde Gestalt ärmer. Gabriele Pauli, selbsternannte "Rebellin" und "Zerstoiberin" beendet ihre Politik-Karriere.

Sie sieht sich gern als politischer Sargnagel für Edmund Stoiber (CSU), als "Zerstoiberin" - und als Polit-Rebellin. Jetzt steht Gabriele Pauli selbst vor dem politischen Aus. Wenn am 7. Oktober der neu gewählte bayerische Landtag zusammentritt, wird sie nicht mehr im Parlament sitzen. Die 56-Jährige hat keine Partei mehr gefunden, die sie auf eine Liste setzen würde.

Im Landtag meldete sie sich als fraktionslose Abgeordnete nur sehr selten zu Wort - und wenn, dann löste sie Kopfschütteln aus. Bei der Haushaltsdebatte 2012 beklagte sie das Fehlen eines "liebevollen göttlichen Gedankens". Sie sei in esoterische Gefilde abgedriftet, vermuteten manche ihrer befremdeten ehemaligen CSU-Parteifreunde.

Latexhandschuhe in Domina-Manier

"Der Sturz des Königs" hat Pauli das entscheidende Kapitel in ihrer Biografie genannt, die sie gerade vorgelegt und mit dem Titel "Die rote Rebellin" versehen hat. Damals, 2007, war Pauli auf dem Höhepunkt ihrer politischen Karriere. Deutschlandweit war sie bekannt, weil sie als streitbare Fürther Landrätin dem damaligen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber die Stirn bot - und weil sie Vorwürfe erhob, die Staatskanzlei habe sie bespitzeln lassen. Pauli war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte und die schwelende CSU-Führungskrise eskalieren ließ. Im Herbst 2007 war Ministerpräsident Stoiber Geschichte.

Nach diesem politischen Erdbeben in Bayern machte Pauli Schlagzeilen mit einer Forderung nach einer Ehe auf Zeit, die im verflixten siebten Jahr automatisch enden sollte. Unvergessen sind ihre Fotos mit Latexhandschuhen in Domina-Manier im inzwischen eingestellten Magazin "Park Avenue". "Damit hat sie sich selbst gerichtet", sagte damals ein CSU-Bundestagsabgeordneter. Noch im vergangenen Jahr klagte Pauli gegen eine erneute Veröffentlichung der Bilder - erfolglos. Die Begründung des Richters: "Diese Bilder werden ein Teil von Ihnen bleiben."

Keiner will sie noch haben

Als Pauli nach dem Sturz Stoibers 2007 für den Parteivorsitz gegen Horst Seehofer und Erwin Huber kandidiert, bekommt sie nur 2,5 Prozent. Dann tritt sie aus der CSU aus. Und schafft doch 2008 den Sprung in den bayerischen Landtag und gleich auf den Vorsitz des wichtigen Innenausschusses - auf dem Ticket der Freien Wähler. "Die kamen auch durch meine Stimmen in den Landtag", sagt Pauli. Nachdem die Freien Wähler bei der Europawahl 2009 an der bundesweiten Fünf-Prozent-Hürde scheitern, kündigt Pauli an, eine eigene Partei zu gründen - und wird aus der FW-Landtagsfraktion geworfen. Ihre eigene Partei, die Freie Union, ist inzwischen in der Versenkung verschwunden.

Bei den Freien Wählern hat sie wieder angeklopft und kürzlich sogar bei der CSU, die sie in ihrem Buch zwar "chaotisch, sündig, unbelehrbar" nennt, aber auch ihre politische Heimat. Doch keiner will sie noch haben. Wenn es jetzt vorbei ist mit der politischen Karriere, will sie Seminare geben, und die Natur genießen. Sorgen mache sie sich nicht. "Ich bin jetzt einfache Bürgerin, was ein toller Zustand ist", sagt sie. "Der einfache Mensch ist auch gut."

Von Britta Schultejans, DPA / DPA
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