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Proteste: Zigtausende demonstrieren in ganz Deutschland

Mehr als 100.000 Menschen demonstrierten deutschlandweit für den Frieden. Gleichzeitig zogen mehrere zehntausend Kurden anlässlich des kurdischen Neujahrsfestes durch Frankfurt und protestierten gegen den Krieg.

Weit mehr als 100.000 Menschen haben in ganz Deutschland für den Frieden demonstriert. Allein in Berlin gingen bei sonnigem Frühlingswetter 40.000 Menschen auf die Straße. Auch in Köln, Stuttgart, Hamburg, Nürnberg und Frankfurt am Main nahmen jeweils mehr als 10.000 Menschen an Demonstrationen teil. Zudem zogen mehrere zehntausend Kurden anlässlich des kurdischen Neujahrsfestes durch Frankfurt und protestierten gegen den Krieg. Bis auf zwei kleine Zwischenfälle in Stuttgart und Spangdahlem blieb es friedlich.

Anti-amerikanische Parolen vor US-Botschaft

Neben Aufrufen zu einem Ende der Angriffe skandierten Demonstranten vor der US-Botschaft im Zentrum Berlins auch anti-amerikanische Parolen. Einige Dutzend junger Leute legten sich vor der Polizeikette um das Botschaftsgelände auf die Straße, um ihre Solidarität mit irakischen Bombenopfern auszudrücken. Vor dem Außenministerium in Berlin-Mitte verlangten die Friedensdemonstranten, den Luftraum über Deutschland für US-Militärflugzeuge zu sperren und deutsche Soldaten aus der Golfregion zurückzuziehen. Die Proteste sollen in den kommenden Tagen fortgesetzt werden.

Mit Plakaten wie "Krieg ist Massenmord" oder "Während Bagdad brennt, fliegt Georgie Boy ins Wochenend" protestierten die Demonstranten in Hamburg gegen die Angriffe. An den Protesten nahmen auch irakische, kurdische und iranische Gruppen teil. In Frankfurt am Main forderten mehrere Redner auf einer Kundgebung ein Ende des Krieges und warnten vor einer humanitären Katastrophe in Irak. Harsche Kritik gab es an den US-Medien, die den Krieg "in eine glänzende Reality-TV-Show" verwandelten.

Mindestens 25.000 Kriegsgegner waren in Nordrhein-Westfalen unterwegs. In Köln beteiligten sich nach Polizeiangaben etwa 12.000 Kriegsgegner an einer Veranstaltung vor dem Dom. Sprecher des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) forderten auf einer Kundgebung in Wuppertal, US-Präsident George W. Bush müsse "wie andere Kriegsverbrecher" vor das Tribunal in Den Haag. In Düsseldorf formierten sich tausende Demonstranten auf den Rheinwiesen zu einem riesigen Peace-Zeichen.

Ver.di-Chef Frank Bsirske kritisierte den Irak-Krieg vor mehr als 10.000 Demonstranten in Stuttgart als völkerrechtswidrigen Angriffskrieg. Vor der US-Kommandozentrale für Europa (EUCOM) in Stuttgart-Vaihingen setzte die Polizei gegen einige Demonstranten Schlagstöcke ein, als diese versuchten, die Absperrungen zu durchbrechen.

Kurden besorgt über Entwicklungen in Nordirak

Kriegsgegner blockierten das Haupttor des US-Luftwaffenstützpunkts Spangdahlem in der Eifel. Die Polizei sprach von rund 100 Teilnehmern. Während der Blockadeaktion kam es zu einem Zwischenfall, als etwa 20 Demonstranten zwei am Stützpunkt vorbei fahrende Lastzüge des US-Militärs anhielten und sich vor den Fahrzeugen auf die Straße setzten. Die Polizei trug die Blockierer weg; die Betroffenen erhielten Platzverweise, und ihre Personalien wurden aufgenommen.

Die Kurden forderten bei ihrem Zug durch Frankfurt am Main auf Transparenten und in Sprechchören die Freiheit für ihren Führer Abdullah Öcalan, Freiheit für Kurdistan und ein Ende des Irak-Krieges. Angesichts eines möglichen Einmarsches türkischer Truppen in die Kurden-Region in Nordirak herrschte bei zahlreichen Teilnehmern Sorge und Betroffenheit. "Das ist diesmal keine Feier, das ist ja traurig heute", sagte ein Teilnehmer.

DPA