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Rau-Interview: Bundespräsident appelliert an die Wirtschaft "keine Beihilfe zur Ausstrahlung gewaltverherrlichender Filme zu leisten" - Rau kritisiert Irak-Berichterstattung im Fernsehen

Bundespräsident appelliert an die Wirtschaft "keine Beihilfe zur Ausstrahlung gewaltverherrlichender Filme zu leisten" - Rau kritisiert Irak-Berichterstattung im Fernsehen

Hamburg - Nach dem Amoklauf von Erfurt hatte sich Bundespräsident Johannes Rau eindringlich gegen die Art der Darstellung von Gewalt in den Medien ausgesprochen. Nun fordert Rau die Wirtschaft auf, keine Werbung mehr im Umfeld von Horrorfilmen zu schalten. "Wir müssen Gewalt gesellschaftlich ächten. Ich appelliere an alle Unternehmen, die Fernsehwerbung treiben: Leisten Sie keine Beihilfe zur Ausstrahlung gewaltverherrlichender oder menschenverachtender Filme", sagte der Bundespräsident in einem Interview mit dem stern, das in der neuen Ausgabe, am kommenden Donnerstag erscheint. Wenn die Unternehmen keine Spots mehr im Umfeld dieser Filme schalten würden, so Rau weiter, "wären solche Filme bald von den attraktiven Sendeplätzen verschwunden".

Die Gesellschaft brauche auf Dauer eine intensive Diskussion über Gewalt; "nicht nur dann, wenn wieder einmal etwas Schreckliches geschehen ist". Dabei gehe es nicht nur um Gewalt in den Medien, sondern um Gewalt in der Gesellschaft insgesamt. "Die Sensibilität ist nicht in dem Maße gewachsen, wie sie nach Erfurt hätte wachsen sollen. Alle Verantwortlichen müssen dazu beitragen, dass Gewalt und ihre Verherrlichung in unserer Gesellschaft geächtet werden", forderte Rau im stern.

Obwohl es in Fernsehnachrichten um Information und nicht um Darstellung von Gewalt um der Gewalt willen gehe, müsse "nicht alles Schreckliche, das Kameras einfangen", auch gezeigt werden. "Und wir sollten uns davor hüten, in der Diskussion um die Lösung von politischen Konflikten zu stark militärische, also gewaltsame Optionen zu betonen. Wenn ich derzeit manche Berichte über den Irakkonflikt sehe, wundere ich mich manchmal, wie wenig über zivile Alternativen gesprochen wird", sagte der Bundespräsident im stern-Gespräch.

stern-Nachrichtenredaktion