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Saar-Connection: Das Saarland - Deutschlands heimliches Zentrum der Macht

Gleich zwei aktuelle Minister und eine CDU-Generalsekretärin kommen aus dem Saarland. Nicht wenig Einfluss für ein Bundesland mit knapp unter einer Million Einwohnern.

Das Saarland ist Deutschlands flächenmäßig kleinstes Bundesland, das kein Stadtstaat ist. Weniger Einwohner hat nur Bremen. Und dennoch schaffen es immer wieder Politiker aus dem kleinen Zipfel in Deutschlands Südwesten auf die große politische Bühne. Im alten und neuen Kabinett von Bundeskanzlerin Angela Merkel sind gleich zwei Minister aus dem Saarland vertreten: Heiko Maas (SPD) und Peter Altmaier (CDU). Zudem kommt auch die neue CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer dorther.

Nicht wenig Einfluss für ein Bundesland mit knapp unter einer Million Einwohnern. Kramp-Karrenbauer selbst lieferte jüngst eine mögliche Erklärung. Bei einem Filmfestival lobte sie ihr Heimat-Bundesland und die dort herrschende Jeder-kennt-jeden-Mentalität. Das Saarland sei "ein fleischgewordenes Netzwerk".

"heute show": "Das Zentrum der Macht heißt Saarland"

Der satirischen "heute show" im ZDF war die starke Repräsentation des Saarlandes vergangene Woche gar eine kleine, humoristische "Mystery"-Rubrik wert. "Deutschland wird in Berlin regiert? Träum weiter. Das Zentrum der Macht heißt: Saarland", heißt es dort. Weiter wird im verschwörerischen Ton über den "Saar-Tan" fabuliert.

Die "heute show" macht natürlich nur, was sie sonst auch so macht: ein bisschen Spaß. Aber tatsächlich ist es bemerkenswert, wie aus dem Winzling Saarland immer wieder Politiker deutschlandweit in wichtigen Positionen landen. Die "Welt am Sonntag" widmete dem Saarland kürzlich ebenfalls ein eigenes Stück.

Darin wird unter anderem Oskar Lafontaine erwähnt, der 1990 für die SPD als Kanzlerkandidat antrat und es später - wenn auch nicht sehr lange - zum Finanzminister brachte. Peter Hartz war der Architekt hinter Gerhard Schröders Arbeitsmarktreformen der frühen 2000er-Jahre, die zugehörige Sozialleistung trägt noch heute seinen Namen. Simone Peter brachte es zum Co-Vorsitz der Grünen, ist seit Kurzem Öko-Lobbyistin und CDU-Mann Peter Müller wechselte nach zwölf Jahren als Ministerpräsident des Saarlandes nach Karlsruhe und kann dort als Richter des Bundesverfassungsgerichts weitreichende Entscheidungen mitbestimmen. Was es mit all den Peters im Saarland auf sich hat, ist dann wohl eher ein Fall für den zweiten Teil von "heute show"-Mystery.

Die Saarländer und der Ehrgeiz

In dem "Welt am Sonntag"-Artikel sucht Autorin Hannelore Crolly mögliche Ursachen auch in der außergewöhnlichen Geschichte des Saarlandes, das sich erst 1957 der Bundesrepublik anschloss. Heiko Maas berichtete einmal, von seiner Großmutter, die ihr gesamtes Leben im selben Dorf im Saarland verbracht hatte und dennoch fünf verschiedene Pässe besaß. "Sie wohnte zeitlebens in ein und demselben Haus. Nur die Grenzen bewegten sich um sie herum." Erfahrungen mit solch instabilen Herrschaftsverhältnissen hätten die Saarländer geprägt und in manchen von ihnen offenbar den Ehrgeiz geweckt, es denen da draußen zu zeigen.

So wie in Annegret Kramp-Karrenbauer, die durch ihre Berufung zur CDU-Generalsekretärin immer wieder auch als mögliche Nachfolgerin von Angela Merkel gehandelt wird. Natürlich ist das noch verfrüht und hochgradig spekulativ, aber immerhin hat die aktuelle Bundeskanzlerin auch den Weg über den Generalsekretär-Posten ins Kanzleramt genommen. Möglicherweise könnte also in ein paar Jahren eine Saarländerin ganz oben ankommen.

fin