HOME

Sachsens Ex-Verfassungsschutzchef: Reinhard Boos sieht kein NSU-Aktenproblem

Die Liste der mutmaßlichen NSU-Unterstützer wächst. Sachsens früherer Verfassungsschutzchef ist ziemlich sicher, dass die Vernichtung von Akten in seiner Behörde die Aufklärung nicht behindern wird.

Sachsens früherer Verfassungsschutzchef Reinhard Boos hält es für nahezu ausgeschlossen, dass in seiner Behörde wichtige Unterlagen zum Umfeld der Zwickauer Terrorzelle vernichtet wurden. "Das ist extrem unwahrscheinlich", sagte er am Montag in Dresden als Zeuge im Landtags-Untersuchungsausschuss, der sich mit den Pannen bei der Fahndung nach der Terrorzelle NSU befasst. Er verteidigte nochmals die umstrittene Vernichtung von nicht mehr benötigten Akten und Aktenteilen in seiner Behörde im vergangenen Jahr. Dass diese Aktion rechtens gewesen sei, habe letztlich auch der Datenschutzbeauftragte bestätigt.

Die jüngsten Berichte über die mittlerweile 129 Namen umfassende Liste zum Umfeld der Terrorzelle wollte Boos nicht kommentieren. "Ich kenne diese Liste nicht", sagte er. Angaben zu einer früheren Liste mit 41 Namen, für die auch seine Behörde noch unter seiner Leitung zugearbeitet hatte, machte Boos in der öffentlichen Vernehmung nicht. Er soll dazu in einer geschlossenen Sitzung des Ausschusses befragt werden, legte das Gremium nach kurzer Debatte fest.

Am Wochenende war bekanntgeworden, dass die Sicherheitsbehörden inzwischen 129 Personen zum Umfeld der Terrorzelle zählen. Bisher war nur von etwa 100 Personen die Rede gewesen. Angeführt wird die NSU-Liste von dem mutmaßlichen Terrortrio aus Jena selbst - Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt. Hinzu kommt ein engerer Kreis von Unterstützern, die etwa Wohnungen oder Ausweispapiere organisiert haben sollen. Zum Umfeld zählen aber auch Personen, die nur indirekt mit dem Trio in Kontakt standen. Die Rechtsextremen werden für zehn Morde verantwortlich gemacht. Sie lebten jahrelang unentdeckt in Zwickau.

nw/DPA / DPA