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Schloss Bellevue und Villa Hammerschmidt: Wo der Bundespräsident residiert

Das nach dem Vorbild französischer Barockschlösser gebaute Schloss Bellevue am Rande des Regierungsviertels ist seit 1994 Berliner Amtssitz des Bundespräsidenten. Als zweiter Amtssitz wird die Villa Hammerschmidt in Bonn genutzt.

Das Schloss Bellevue

Das nach dem Vorbild französischer Barockschlösser gebaute Schloss Bellevue am Rande des Regierungsviertels ist seit 1959 offiziell Berliner Amtssitz des Bundespräsidenten. Während der Teilung der Stadt durften hier allerdings wegen des alliierten Status der Stadt keine Staatsgäste empfangen werden. Das war erst nach der deutschen Vereinigung offiziell möglich. Das lang gestreckte Gebäude mit dreigeschossigen Seitenflügeln und einem zweigeschossigen Hauptbau wurde 1784-1787 nach Plänen von Philipp Daniel Boumann für Prinz August Ferdinand von Preußen, dem jüngsten Bruder Friedrichs II., errichtet.

Seinen Namen erhielt das Schloss wegen der schönen Aussicht auf die Spree. Im Zweiten Weltkrieg wurde es stark beschädigt. 1954 begann der Umbau zum Bundespräsidentensitz. Seit 1994 ist es der erste Amtssitz des Staatsoberhaupts.

Die Villa Hammerschmidt

Nachdem Bundespräsident Richard von Weizsäcker 1994 den ersten Amtssitz des Bundespräsidenten ins Schloss Bellevue in Berlin verlegt hat, wird die Villa Hammerschmidt als zweiter Amtssitz genutzt. Bundespräsident Johannes Rau führte dort immer wieder Gespräche und lud zu Veranstaltungen ein.

Die Villa Hammerschmidt in Bonn kann auf eine mehr als 130jährige Geschichte zurückblicken. In den Bonner Adressbüchern wurde die Villa erstmals 1862/63 erwähnt. Der Kaufmann Albrecht Troost verkaufte sie 1868 an den "Zuckerkönig" Leopold Koenig, der es in St. Petersburg zu ansehnlichem Vermögen gebracht hatte. Sein Sohn wurde Gründer des "Zoologischen Reichsmuseum Alexander Koenig".

1899 ging die Villa in den Besitz des Geheimen Kommerzienrates Rudolf Hammerschmidt über, der in St. Petersburg ebenfalls als Zuckerfabrikant ungewöhnliche Erfolge erzielte. Hammerschmidt machte die Villa zum gesellschaftlichen Mittelpunkt von Kultur und Wirtschaft. Nach seinem Tode wurde das Haus 1928 versteigert und in mehrere Wohnungen aufgeteilt. Es überstand den Zweiten Weltkrieg ohne Schaden. Bei Kriegsende beschlagnahmten die britischen Alliierten das Haus und gaben es 1949 frei.

1950 erwarb die Bundesrepublik Deutschland den Grundbesitz und bestimmte die Villa Hammerschmidt zum Amtssitz des Bundespräsidenten. Seither ist das spätklassizistische Haus mehrmals umgebaut und restauriert worden. Den Anfang machte Bundespräsident Theodor Heuss, der es, wie er sagte, vom "Zuckerguss" befreite. Bundespräsident Gustav Heinemann ließ das erste Obergeschoss umbauen, das seitdem den Bundespräsidenten als Privatwohnung zur Verfügung steht. Das jetzige Mobiliar - französischer Empire um 1830 - stammt aus dem Schloss Wilhelmshöhe in Kassel.

Der Bundespräsident muss das sanierungsbedürftige Schloss Bellevue auf Grund von Bauarbeiten wahrscheinlich vorübergehend verlassen. Als Berliner Zwischenquartier kommt das Schloss Niederschönhausen im Stadtteil Pankow in Frage.

Das Schloss Niederschönhausen

Das im 17. Jahrhundert entstandene Schloss Niederschönhausen im Stadtteil Pankow war von 1964 bis zur Wiedervereinigung Gästehaus der DDR-Regierung. Häufig residierten hier ausländische Staatsoberhäupter bei ihren Besuchen in Ost-Berlin. Ursprünglich bestand die Anlage aus einem Gutshaus, das als Landsitz der Familie von Sophia Dorothea Gräfin zu Dohna diente. 1691 ging es in den Besitz des Kurfürsten Friedrich III., des späteren König Friedrich I., über. Er ließ es zu einer dreiflügligen, repräsentativen Anlage erweitern.

Für Königin Christine, von Friedrich II. (1740-86) nach dessen Thronbesteigung verstoßen, wurde das im Siebenjährigen Krieg verwüstete Schloss zu einem zweigeschossigen Rechteckbau erweitert. Das 1935/36 restaurierte Gebäude wurde im Zweiten Weltkrieg beschädigt, aber nach Kriegsende wiederhergestellt. Von 1949 bis 1960 war es Sitz des ersten und einzigen DDR-Präsidenten Wilhelm Pieck und nach dessen Tod bis 1964 des neu gebildeten Staatsrats. Zur Zeit steht das dem Land Berlin gehörende Gebäude leer.

Dusko Vukovic / DPA