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Steinmeier im Biedermeier Der Bundespräsident und die Blümchenvorhänge – das steckt hinter dem skurrilen Foto

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vor einer Blümchengardine
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vor einer Blümchengardine
© Jens Büttner / DPA / Picture Alliance
Eine ungewöhnliche Kulisse für den Arbeitsplatz von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ruft in den sozialen Netzwerken Spötterinnen und Spötter auf den Plan. Dabei gibt es eine einfache Erklärung für das ungewohnte Bild.

Ein Foto von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Schreibtisch sorgt für amüsierte Kommentare in den sozialen Netzwerken. Grund ist die für den Bundespräsidenten ungewöhnliche Ausstattung seines Arbeitszimmers.

Auf der Aufnahme, die die Nachrichtenagentur DPA bereits am 11. Oktober verbreitete, sitzt Steinmeier offenbar in einem Erker unter einem Kronleuchter an einem Biedermeier-Schreibtisch, hinter ihm die Standarte des Staatsoberhauptes. Umrahmt wird Steinmeier von mehreren Blümchenvorhängen – die gesamte Szene will nach Ansicht etlicher Nutzerinnen und Nutzer so gar nicht zum Bundespräsidenten passen.

Bundespräsident bei seiner Mutter eingezogen?

"Wohnungsmarkt in Berlin ist eine Katastrophe, Energie wird immer teurer – selbst der Bundespräsident ist offenbar wieder bei seiner Mutter eingezogen ...", schreibt ein Nutzer und erhielt dafür bis zum Mittwochmittag mehr als 10.000 Likes und Retweets. Ein anderer fragt: "Wer berät eigentlich den Bundespräsidenten in der Vorhangfrage?" Oder schlicht: "Ein Amtszimmer wie ein Waschmaschinenüberwurf." 

Andere vermuten sogar, dass das Foto manipuliert worden sein könnte oder zweifeln an der Berufswahl der Inneneinrichterinnen und Inneneinrichter vom Schloss Bellevue, dem eigentlich eleganten und nicht so bescheidenen daherkommenden Amtssitz des Bundespräsidenten.

Doch die Erklärung für die ungewöhnliche Büro-Ausstattung ist eine andere: Das Foto ist mitnichten im Berliner Schloss Bellevue oder im zweiten Amtssitz, der Bonner Villa Hammerschmidt, entstanden, sondern in Neustrelitz in Mecklenburg-Vorpommern, genauer: in der "Villa am See", die zum Hotel "Alter Kornspeicher" am Stadthafen gehört.

Frank-Walter Steinmeier auf "Ortszeit"-Reise in Neustrelitz

Steinmeier hatte vom 11. bis 13. Oktober im Rahmen seiner "Ortszeit Deutschland"-Reisen seine Amtsgeschäfte aus der Residenzstadt im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte geführt. Durch die Verlegung seines Amtssitzes wolle er "verstärkt den direkten Austausch mit Menschen überall im Land" suchen, heißt es vom Bundespräsidialamt. Zuvor hatte er in diesem Jahr schon in Rottweil (Baden-Württemberg), Quedlinburg (Sachsen-Anhalt) und Altenburg (Thüringen) Quartier und Büro bezogen.

"'Ortszeit' ist keine präsidiale Stippvisite: Der Bundespräsident ist ansprechbar, sucht auch spontane Begegnungen", erklärt das Bundespräsidialamt weiter. "Er möchte erfahren, was den Menschen Mut und Hoffnung macht und was sie skeptisch gegenüber unserer Demokratie und ihren Institutionen werden lässt. Er will schärfere Eindrücke gewinnen davon, was die Menschen umtreibt und auch motiviert, Verantwortung zu übernehmen, und was dies wiederum für politische Entscheidungsträger bedeuten kann."

Das Hotel "Alter Kornspeicher" wurde nach Angaben der Betreiberfamilie 2014 in einem früheren Kammerspeicher eröffnet. Sie verspricht "historischer Atmosphäre" und "urige Gemütlichkeit". Ein Doppelzimmer in dem Haus kostet ab 90 Euro pro Nacht. Die "Villa am See" befindet sich in einem benachbarten Gebäude. Auf den gängigen Buchungsportalen erreicht das Hotel "Alter Kornspeicher" Top-Bewertungen.

Die "Ortszeit" in Neustrelitz sorgte noch aus einem anderen Grund für Aufregung im Netz. Ein während der Bahnfahrt von Berlin nach Mecklenburg-Vorpommern aufgenommenes Foto zeigt den Bundespräsidenten ohne Mund-Nasen-Schutz, obwohl das Tragen in Zügen verpflichtend ist. Er habe seine FFP2-Maske für etwa 40 Sekunden nicht getragen, weil ein kurzes Video gedreht worden sei, erklärte Steinmeier anschließend. "Ich bitte um Verständnis dafür und bin sicher, viele verstehen das auch."

Quellen: Bundespräsidialamt, Hotel "Alter Kornspeicher", Twitter, Nachrichtenagentur DPA

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