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Steinbrück-Rückzug: Ende einer unglücklichen Liaison

Nach dem enttäuschenden Wahlergebnis zieht Peer Steinbrück die Konsequenzen. Er will sich aus der großen Politik zurückziehen - aber erst will er die Union bei den Koalitionsgesprächen büßen lassen.

Von Fritz Zimmermann, Berlin

Lange hatte Peer Steinbrück sich geziert, seit der Bundestagswahl über seine Zukunft geschwiegen. Auf dem SPD-Parteikonvent nun zog der Spitzenkandidat der Partei die Konsequenzen aus der Wahlniederlage: "Die Verantwortung für eine Wahlergebnis, auch ein schlechtes, trägt der Spitzenkandidat", sagte Steinbrück nach Angaben aus Teilnehmerkreisen. Er strebe keine Ämter mehr in Partei und Fraktion an und ziehe sich geordnet zurück. Ein Ministeramt in einer großen Koalition hatte er bereits zuvor ausgeschlossen.

Damit endete für Steinbrück und die SPD eine unglückliche Liaison, die vor rund einem Jahr mit der überstürzten Kandidaten-Kür begann. Erst in der heißen Wahlkampfphase der vergangenen Wochen arbeiteten Partei und Kandidat reibungslos zusammen. Zuvor war der Wahlkampf geprägt von vermeintlichen Fehltritten Steinbrücks und mehr oder weniger offenen Streitereien in der Partei. Statt "mehr Beinfreiheit" bekam der Spitzenkandidat ein linkes Wahlprogramm an die Hand, mit dem er in Teilen spürbar fremdelte. Am Ende stand das zweitschlechteste Wahlergebnis für die Sozialdemokraten seit 1949.

Applaus für sich selbst

Trotzdem möchte Steinbrück die SPD vor seinem Rückzug noch in die Koalitionsgespräche mit der Union führen. Dort könne er auch die Preise noch hochtreiben, sagte er laut Anwesenden auf dem Konvent. Ein letzter großer Dienst an der Partei, so stellt Steinbrück sich das offenbar vor. Danach zieht er sich zurück und konzentriert sich auf sein Bundestagsmandat. "Verständlich" sei der Rückzug sagte ein Teilnehmer, und: "Peer Steinbrück wird immer dieser Partei angehören."

Die Delegierten feierten ihren unterlegenen Kandidaten: Nach Steinbrücks Rede seien die Mitglieder des Konvents aufgestanden und hätten lange applaudiert, berichten Teilnehmer. Von einem bewegenden Moment war die Rede. "Im Gegensatz zu 2009 hat die Partei in diesem Wahlkampf zusammengefunden", sagte ein Delegierter. Die Respektbekundungen der Anwesenden galten dabei vermutlich auch sich selbst: Die SPD habe einen guten Wahlkampf bestritten und das bessere Konzept gehabt, hörte man in den vergangenen Tagen immer wieder. Nur der Wähler habe das nicht honoriert. Mit Trotz reagierte die Partei bisher auf die Wahlniederlage. Peer Steinbrück zog nun als erster Konsequenzen.