Streit um Atomausstieg Guttenberg lässt neue Reaktoren erforschen


Obwohl der Neubau von Kernkraftwerken in Deutschland verboten ist, lässt das Bundeswirtschaftsministerium neueste Reaktortypen prüfen.
Von Friederike von Tiesenhausen

Das Haus von Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hat einen Auftrag zur Untersuchung der Sicherheit von fortgeschrittenen Meilern vergeben. Die dreijährige Laufzeit dieses Projekts beginnt pikanterweise unmittelbar nach der Bundestagswahl - am 1. Oktober 2009.

Der Forschungsauftrag aus dem Wirtschaftsministerium dürfte die Debatte über die künftige Rolle der Atomkraft in Deutschland weiter anheizen. Union und FDP wollen im Falle eines Wahlsiegs den rot-grünen Atomkonsens aufkündigen.

Bei dem Vorhaben mit dem sperrigen Titel "Entwicklung von Rechenmethoden zur Sicherheitsbewertung fortgeschrittener Reaktorkonzepte" geht es um die Bewertung von allerneuesten Meilern, die derzeit weltweit erprobt werden und auf denen die Hoffnung der Kerntechnikbranche für eine weltweite Renaissance der Atomkraft ruht.

Ministerium: Wollen nur Reaktoren im Ausland bewerten

Grünen-Spitzenkandidatin Renate Künast kritisierte: "Schwarz spielt beim Atom ein falsches Spiel. Der Unions-Bauplan für neue Atomkraftwerke nimmt immer konkretere Formen an." Erst in dieser Woche war bekannt geworden, dass ein Gutachten im Auftrag von Forschungsministerin Annette Schavan (CDU) den Neubau von Kernkraftwerken in Deutschland durchgespielt hatte. Die Wähler sollten davon offenbar nichts erfahren, sagte Künast der FTD. "Doch all diese Manöver werden nichts nutzen." Für den Ausstieg aus der Hochrisikotechnologie Atomkraft gebe es eine gesellschaftliche Mehrheit.

Das Wirtschaftsministerium verteidigte die Forschung mit Steuergeldern. "Es geht darum, Kompetenz zu erhalten, schon allein um die Sicherheit von Anlagen im benachbarten Ausland bewerten zu können", sagte ein Ministeriumssprecher. Und ein Sprecher der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit, die den 1,3 Mio. Euro schweren Auftrag bekommen hat, meinte: "Auch wenn man damit rechnen kann, dass solche Reaktoren in Deutschland nicht gebaut werden, müssen wir die trotzdem kennen und beurteilen können."

Gefunden in der Financial Times Deutschland

FTD

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