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Studie: Deutschlands Kinder leben in Armut

Laut einer Studie des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes ist die Kinderarmut seit Einführung der Arbeitsmarktreform Hartz IV deutlich gestiegen. Inzwischen sind über eine Million Kinder betroffen.

Acht Monate nach Einführung der rot-grünen Arbeitsmarktreformen ist die Kinderarmut in Deutschland nach Ansicht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes auf Rekordniveau gestiegen. Hartz IV habe bisher vor allem Einkommenseinbußen für Arbeitslose auf Sozialhilfeniveau gebracht, sagte Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider am Donnerstag in Berlin. Eine Studie belege entsprechend: "Jedes siebte Kind in Deutschland ist einkommensarm." In den neuen Ländern lebe sogar jedes vierte Kind in "Einkommensarmut".

Anteil "einkommensarmer" Kinder (in Prozent)

Görlitz

35

Halle

34,6

Bremerhaven

34,3

Schwerin

34,3

Berlin

30

Kiel

29,6

Offenbach am Main

28,7

Bayern

6,6

Schneider rechnete vor, dass 2004 drei Millionen Menschen von Sozialhilfe lebten. Mit dem Arbeitslosengeld II seien es heute mehr als sechs Millionen oder 8,7 Prozent der Bevölkerung. Die Dunkelziffer liege gar eine Million höher. Dies sei ein Höchststand. 2004 hätten entsprechend 965 000 Kinder unter 15 Jahren auf Sozialhilfeniveau gelebt. Heute seien es 1,5 Millionen, wobei die Dunkelziffer bei 1,7 Millionen angenommen werde.

Kindern werden Zukunftschancen genommen

Schneider kritisierte: "Es ist verheerend für ein Gemeinwesen, wenn ein Drittel der Kinder vom normalen gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen ist." Für Kinder, die von Arbeitslosengeld (ALG) II oder Sozialhilfe leben müssten, "ist vieles Tabu, was für andere selbstverständlich ist: Musikunterricht, Turnen im Sportverein, Zoo- Besuch oder Computerkurs." Nicht einmal Nachhilfeunterricht sei bezahlbar.

"Wir können es uns nicht leisten, 1,7 Millionen Kinder auf einem Einkommensniveau zu belassen, das ihnen schlicht Zukunftschancen nimmt", warnte Schneider. Bei ALG II und Sozialgeld müsse künftig wieder die Möglichkeit eingeräumt werden, einmalige Leistungen für Ausgaben wie die Einschulung zu gewähren. Schulranzen, Schultüte, Turnbeutel, Federmappe oder Schreibhefte addierten sich schnell zu 180 Euro. Grundsätzlich müssten Sozialhilfe, ALG II und Sozialgeld um mindestens 19 Prozent angehoben werden, "damit wenigstens annähernd von Bedarfsdeckung gesprochen werden kann".

Die Geschäftsführerin des Deutschen Kinderschutzbundes, Gabriele Wichert, sagte bei der gemeinsamen Pressekonferenz, würde man die Altersgrenze bei 18 Jahren ansetzen, stiege die Zahl der einkommensarmen Kinder gar auf über zwei Millionen.

DPA / DPA