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Thüringen: 6000 Neonazis feiern auf Rechtsrock-Konzert - und kaum einer hindert sie daran

Im thüringischen Themar - ein kleiner Ort mit rund 3000 Menschen - versammelten sich gestern 6000 Neonazis für das bundesweit größte Rechtsrock-Konzert des Jahres. Die erwarteten Proteste blieben jedoch verhalten.

Anhänger der rechten Szene warten am 15.07.2017 in Themar (Thüringen) auf den Einlass zu einem Konzertgelände

Rechtsrock-Konzert in Themar: Rund 2000 Gegendemonstranten wurden erwartet. Gekommen sind nur einige Hundert.

Knapp 6000 Anhänger der rechten Szene haben am Samstag das bundesweit wohl größte -Konzert des Jahres im südthüringischen Themar besucht. Der Zulauf zu den Gegenprotesten war entgegen der Erwartungen verhalten. Statt der erwarteten 2000 Menschen demonstrierten in der 3000-Einwohner-Stadt mehrere Hundert geschlossen gegen Rechts. Die Polizei meldete am frühen Sonntagmorgen, alle ihrer Maßnahmen hätten sich gegen die Teilnehmer des "Rock gegen Überfremdung"-Konzerts gerichtet, gegen die Gegendemonstranten sei kein Eingreifen erforderlich gewesen.

So seien 43 Strafanzeigen unter anderem wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, Bedrohung, und Verstößen gegen das Waffengesetz gestellt worden. Drei Menschen wurden in Gewahrsam genommen, von 440 weiteren wurde die Identität festgestellt. Die Abreise der Konzertbesucher nach Mitternacht verlief problemlos.

Rund 1000 Polizisten aus Thüringen und mehreren Bundesländern waren im Einsatz - auch um ein Aufeinandertreffen der Teilnehmer des Rockkonzerts mit den Gegendemonstranten zu verhindern. Die Rock-Konzert-Besucher, teils mit T-Shirt-Aufschriften wie "Sturm auf " oder "Frei wie ein Vogel", wurden vor Eintritt in das mit hohen Gittern eingezäunte Festivalgelände von der Polizei durchsucht. Auf der Wiese war ein riesiges Zelt aufgebaut. Neun Gegenveranstaltungen waren angemeldet worden.

"Rock gegen Überfremdung": Gegenprotest blieb überschaubar

"Das Sicherheitskonzept gegen das Konzert 'Rock gegen Überfremdung' ist bislang voll aufgegangen", hatte der Sprecher der Landespolizeidirektion, Patrick Martin, während des Einsatzes gesagt. Er sprach von einem schwierigen Einsatz für die Beamten. Aufgrund der großen Menschenmengen hatten die Veranstalter das Festivalgelände zwischenzeitlich vergrößert.


Bürgerinitiativen, die Kirche und Privatleute hatten vor dem Konzert zum Protest aufgerufen. In der Kleinstadt, in der bunte Plakate und Transparente zu sehen waren, war es trotz Bürgerfest und kleinen Protesten auffallend ruhig. Der stellvertretende Landrat von Hildburghausen, Helge Hoffmann, sagte, was die kleine Gemeinde an Protest organisiert habe, sei ehrenwert. Er gab zu bedenken: "Wir sind hier in einem ländlichen Raum." Er habe sich jedoch mehr Unterstützung aus der Region gewünscht.


ikr/DPA

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