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Neues Sarrazin-Buch: "Wir schaffen das nicht"

Da ist er wieder: Thilo Sarrazin, Ex-Landesfinanzminister, Ex-Bundesbankvorstand und Bestseller-Autor. In seinem jüngsten Buch beklagt er - was niemanden überraschen wird - die Zuwanderung.

Von Karoline Böhme

Der ehemalige Bundesbank-Vorstand und SPD-Senator Thilo Sarrazin

Thilo Sarrazin rechnet in seinem neuen Buch unter anderem mit Angela Merkels Flüchtlingspolitik ab.

Am 25. April ist es soweit - dann kommt Thilo Sarrazins neues Buch auf den Markt. Titel: "Wunschdenken. Europa, Währung, Bildung, Einwanderung - warum Politik so häufig scheitert". Natürlich wird auch dieses Buch des 71-jährigen für Debatten sorgen - zumal sich Sarrazin abermals nicht mit Formulierungen zurückhält, die als ausländerfeindlich, wenn nicht gar rassistisch, verstanden werden können.
Die "Bild" hat an diesem Mittwoch einen Vorabdruck gestartet, der erkennen lässt, worum es dem Ex-Senator und Ex-Bundesbank-Vorstand geht: Er will Deutschland gegen Zuwanderung abschotten. Entsprechend scharf fällt seine Kritik an Bundeskanzlerin Angela Merkel aus. Sie habe nur das Wohl der Welt im Blick, "kaum aber noch die Interessen Europas und schon gar nicht das Interesse der Deutschen an der Zukunft der eigenen Nation, dem Schutz ihres Lebensumfelds und ihrer kulturellen Identität". Laut Sarrazin lenkt Merkels Diktum "Wir schaffen das" von der Tatsache ab, dass Deutschland zwar in der Lage sei, hunderttausende Flüchtlinge zu versorgen, sie aber nur schwer integrieren könne.

"Skepsis ist angebracht"

In seinem Buch greift Sarrazin Argumente auf, die er erstmals in seinem Buch "Deutschland schafft sich ab" vor sechs Jahren ausgeführt hat. So schreibt er: Die Flüchtlinge "stammen zumeist aus Ländern mit niedriger Bildungsleistung". Es gebe Grund zur Annahme, dass ihr "kognitives Profil" dem der bereits in Europa lebenden Zuwanderer ähnele. "Deshalb ist in Bezug auf die künftigen Integrationserfolge Skepsis angebracht [...]". Er habe in einer Modellprojektion errechnet, dass jede Flüchtlingskohorte innerhalb von zwei Jahrzehnten Familiennachzug und eigene Kinder auf das Fünffache wachse. Daraus ergebe sich eine zwingende Logik: "Die Rückgewinnung der Kontrolle über unsere Grenzen [...] wird zur Existenzfrage für unsere Kultur und das Überleben unserer Gesellschaft."

"Höre schon den Aufschrei der Gutmenschen"

Um seine Parole "Wir schaffen das nicht" zu unterstreichen, zitiert Sarrazin perfiderweise Hans-Georg Lorenz, Anwalt für Ausländerrecht und Wortführer der SPD-Linken in Berlin. Lorenz beklagt die mangelhaften Integrationsbemühungen der Regierung, was Sarrazin versucht, in einen Beleg für das generelle Scheitern der Integration umzudeuten. Das Lorenz-Zitat: "Richtig ist, dass wir es nicht schaffen...Frau Merkel ist die schlimmste Gegnerin einer vernünftigen Integration. Ich kenne keinen einzigen Mandanten, der hier seit längerer Zeit lebt, der diese Art von Flüchtlingspolitik gutheißt. Alle lehnen sie heftig ab. Sie leiden jetzt schon unter den Reaktionen eines Teils der deutschen Bevölkerung... Wir täten gut daran, auch offiziell deutlich zu machen, dass wir mit diesem Zustrom von Flüchtlingen nicht fertigwerden."
Noch bevor das Buch überhaupt über die Ladentheken geht, beginnt die Diskussion zu brodeln. Auf Twitter gibt es nach dem "Bild"-Artikel die ersten Kommentare: "Flüchtlinge: Sarrazin warnt vor schlecht gebildeten Migranten - Höre schon den Aufschrei der Gutmenschen", schreibt ein User. "Sarrazin hat also Angst vor 'Massen von ungebildeten Migranten'. Mir machen eher die Massen von ungebildeten Deutschen Angst", twittert ein anderer Nutzer. Einige scheinen einfach genervt von Sarrazins permanenter Kritik zu sein: "Ach, halt doch einfach mal die Klappe, Sarrazin." Oder: "Hat Sarrazin nicht langsam mal genug mit Rassismus verdient?"