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Türkei empört über Völkermord-Aussagen: "Wir werden Gauck nicht verzeihen!"

Joachim Gauck hat die Verbrechen an den Armeniern klar als Völkermord bezeichnet. Ankara reagiert erbost. Das türkische Volk werde dies nicht verziehen.

Die Türkei droht nach den Gauck-Assagen zum Völkermord an Armeniern mit "langfristigen negativen Auswirkungen" auf das deutsch-türkische Verhältnis

Die Türkei droht nach den Gauck-Assagen zum Völkermord an Armeniern mit "langfristigen negativen Auswirkungen" auf das deutsch-türkische Verhältnis

Die Aussagen von Bundespräsident Joachim Gauck zum "Völkermord" an den Armeniern haben einen Streit mit der Türkei ausgelöst. "Das türkische Volk wird dem deutschen Präsidenten Gauck seine Aussagen nicht vergessen und nicht verzeihen", teilte das Außenministerium in Ankara am späten Freitagabend mit.

In der Mitteilung hieß es weiter, Gauck habe keine Befugnis, der türkischen Nation eine Schuld anzulasten, die den rechtlichen und historischen Fakten widerspreche. Das Ministerium warnte vor "langfristigen negativen Auswirkungen" auf das deutsch-türkische Verhältnis

Nach Gaucks Rede reagierten auch türkischen Medien empört. Gaucks Rede sei "schockierend" gewesen, meldete die Online-Ausgabe der Zeitung "Hürriyet". Die regierungsnahe Zeitung "Sabah" warf Gauck vor, das Osmanische Reich mit "hässlichen Worten" bedacht zu haben. Beim ebenfalls regierungsfreundlichen Blatt "Yeni Safak" hieß es, Gauck habe mit seiner Rede seine Befugnisse überschritten. Die Zeitung "Star" kommentierte, der deutsche Präsident habe die Osmanen beinahe als "Terroristen" bezeichnet.

Machen 500.000 Opfer keinen Völkermord aus?

Joachim Gauck hatte am Donnerstagabend die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich klar als Völkermord benannt. "Unterschiedslos wurden Frauen und Männer, Kinder und Greise verschleppt, auf Todesmärsche geschickt, ohne jeden Schutz und ohne jede Nahrung in Steppe und in Wüste ausgesetzt, auch bei lebendigem Leibe verbrannt, zu Tode gehetzt, erschlagen und erschossen", sagte der Bundespräsident.

Nach armenischer Darstellung starben vom 24. April 1915 bis 1917 im Zuge der gezielten Vernichtung der armenischen Minderheit auf dem Gebiet der heutigen Türkei bis zu 1,5 Millionen Armenier. Die Türkei spricht dagegen von 300.000 bis 500.000 getöteten Armeniern und ebenso vielen Toten auf Seiten der Türken bei bürgerkriegsartigen Kämpfen und Hungersnöten.

ivi/AFP/DPA / DPA