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Umstrittene Pension: Sarrazin will kein Polit-Wiedeking sein

Thilo Sarrazin verteidigt seine Pension. Er hätte noch viel mehr Geld von der Bundesbank verlangen können, meint der geschasste Vorstand. In der SPD will er auf jeden Fall bleiben.

Deutschland diskutiert über Thilo Sarrazin. In dieser Woche nicht über seine Thesen zu vermeintlich integrationsunwilligen Ausländern und jüdischen Genen, sondern über seine Pensionszahlungen. Dass ihm der freiwillige Rücktritt vom Bundesbankvorstand mit 1000 Euro monatlich extra vergütet wird, stört viele. Mit dem Ausscheiden aus dem Vorstand im Oktober erhält er jetzte eine Altersvorsorge von 10.000 Euro - angeblich die Pension, die ihm erst nach Ablauf seiner regulären Vertragslaufzeit 2014 zugestanden hätte.

Sarrazin kann nichts Ehrenrühriges an der Zahlung erkennen. "Ich habe Anspruch auf genau die Pension, die ich bekommen hätte, wenn ich regulär bis zum 30. April 2014 im Amt geblieben wäre. Formal könnte ich mich auf den Standpunkt stellen: Meine Arbeit war unerwünscht, aber ich habe nichts falsch gemacht - deshalb stehen mir die vollen Vorstandsbezüge bis 2014 zu. Hunderttausende Euro" , sagte der Provokateuer der "Bild"-Zeitung. Aber genau diese Bezüge habe er eben nicht verlangt, "weil ich nicht als der Wiedeking der Politik gelten will." Mit dem Ex-Porschechef kann es Sarrazin in Sachen Geld in der Tat nicht aufnehmen: Wendelin Wiedeking hatte nach seiner Ablösung an der Spitze des Autokonzerns 50 Millionen Euro vom Konzern erhalten - die höchste Abfindung, die jemals in der deutschen Geschichte gezahlt wurde.

Der Vize des Steuerzahlerbundes, Reiner Holznagel, teilt Sarrazins Auffassung nicht. Er sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung": "Verträge sind einzuhalten. Wenn Sarrazin früher ausscheidet, müssen im gleichen Maß seine Altersbezüge sinken - alles andere wäre ein verantwortungsloser Deal zu Lasten der Steuerzahler."

Warum Sarrazin Genosse bleiben will

Auch an einer anderen Front wird heftig über Sarrazin gestritten. Hat er in der SPD noch etwas zu suchen - oder nicht? Diese Frage treibt viele Genossen um. Parteichef Sigmar Gabriel äußerte sich am Montagabend in der SWR-Talkshow "2+Leif": "Sind wir eigentlich bereit, jedes Ressentiment und jede Debatte über Menschenbilder in der SPD zu dulden? Meine Kritik an Thilo Sarrazin ist überhaupt nicht, dass er sich kritisch über Integration äußert - da hat er in vielen Punkten eine absolut zutreffende Beschreibung gegeben." Sarrazins umstrittenes Buch sei aber gar kein Buch über Integration, sondern "ein Buch über oben und unten in der Gesellschaft - und die Behauptung, dass unten deshalb unten ist, weil die genetischen Potenziale für nichts anderes ausreichen".

Der SPD-Bundesvorstand hatte am Montag einstimmig bei nur einer Enthaltung das Parteiordnungsverfahren bekräftigt. Ziel ist der Ausschluss von Sarrazin. Mit dem Beschluss folgte der mehr als 40 Mitglieder zählende SPD-Vorstand einer Empfehlung von Gabriel. Sarrazin selbst will auf jeden Fall bleiben: "Ich bin 1973 aus Überzeugung in die SPD eingetreten und an meiner Überzeugung hat sich nichts geändert", sagte Sarrazin der "Bild". Auf die Reaktionen der Berliner SPD angesprochen sagte Sarrazin: "Bei der Führung registriere ich vollständiges Schweigen. Am 25. August schickte mir der SPD-Landeschef Michael Müller nur einen recht emotionalen Brief und forderte mich zum Austritt auf." Er habe geantwortet, sobald Müller das Buch gelesen habe, sei er "gern zu einem Gespräch über seinen Inhalt bereit". Später sei ihm erklärt worden, "der Dialog mit mir habe sowieso keinen Sinn".

ben/AFP/DPA / DPA