VG-Wort Pixel

Und jetzt ... Django Asül Deutschland, Deine Preisträger


Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Wladimir Putin zum Beispiel hat nicht geschmollt, als ihm der Quadratpreis aus Riga nicht zugesprochen wurde.
Eine satirische Laudatio von Django Asül

Karnevalsorden sind in manchen deutschen Breitengraden ein hohes Kulturgut. Sie bezichtigen ihre Träger und auch Verleiher eines gewissen Humorverständnisses. Das muss jedoch nicht überall auf großes Verständnis stoßen. So etwa sollte unlängst Russlands Oberhumorist Putin in Deutschland ausgezeichnet werden. Und zwar pauschal für all die Segnungen, die er in die Welt gebracht hat. Aber zum Teil ging es auch um Banalitäten wie die deutsch-russischen Beziehungen, die Putin so intensiv gefördert haben soll bislang. Herausgeber dieses Ordens ist ein Quadriga-Kuratorium. Der Name dieses Ordens setzt sich aus Quadrat und Riga zusammen. Hieraus wird schon erkennbar, worauf dieses Kuratorium hinaus will: Die Bewohner der lettischen Hauptstadt Riga sollen im Quadrat springen vor Entsetzen, wenn sie erfahren, wer der neue Preisträger ist. Da kommt natürlich nur ein Russe in Frage, vor dem und dessen Expansionsgelüsten man sich nach wie vor fürchten muss. Außer Putin kommt da logischerweise kaum wer in Frage. Nur hatte das Kuratorium bekanntlich das Problem, dass niemand so recht mit diesem recht speziellen Manifest deutschen Humors klar und es somit unerklärlicherweise zu einem Eklat kam.

*

Und so war man in Deutschland seitdem sehr gespannt, wie es denn ausgeht, wenn wieder mal ein hintersinniger Preis verliehen wird. Diese Woche war es endlich so weit. Der im beschaulichen Magdeburg ansässige Kaiser-Otto-Preis sollte einen neuen Träger finden. Eigentlich ist relativ wenig bekannt über jenen Otto. Er stammt aus dem Geschlecht der Liudolfinger, ist aber keinesfalls mit den sogenannten Ludolf-Brüdern verwandt, die in Deutschland (speziell im Privat-TV) als Schrott-Adel zu Ruhm und Ehre gelangten. Sein Praktikum machte er als Herzog von Sachsen. Sein Gesellenstück war die Eroberung Italiens. Und nach anfänglichen Dissonanzen mit Byzanz arrangierte er sich mit den Griechen, was sogar dazu führte, dass sein Sohn in den griechischen Adel hinein heiratete.

*

Dieser kurze Umriss des ottonischen Wirkungskreises erklärt anschaulich, warum Kaiser Otto als großer Europäer und Urvater der Eurobonds verehrt wird in Magdeburg, aber vor allem in Brüssel und Straßburg. Somit kommen als Preisträger auch nur Personen in Frage, die Italien in die Tasche stecken und sich gerne in Griechenland anbiedern. Von dieser Warte aus wäre es beispielsweise 2010 eine Farce gewesen, hätte man den Preis Angela Merkel überreicht. Denn letztes Jahr waren laut Wulff und Kohl (Vertreter der guten, alten Zeit und weder verwandt noch befreundet mit den Ludolfs)durchaus Reste von ökonomischer Logik und Verantwortungsbewusstsein im Köcher der Kanzlerin vorhanden. Von einer uferlosen Transferpolitik wollte Merkel nichts wissen. Da man auf diesem Planeten aber laut Berlusconi und Sarkozy weder mit Augenmaß noch mit Vernunft weiterkommt, hat auch Merkel einsehen müssen, dass internationales Ansehen allemal wichtiger ist als das Geld der deutschen Steuerzahler. Und deshalb hat die Jury in Magdeburg ein glücklicheres Händchen bewiesen als die Quadriga-Kollegen. Die große Gewinnerin des Jahres ist hiermit zu recht die deutsche Regierungschefin. Und natürlich mindestens ebenso die Schrottanleihe an sich. In Anlehnung an den alten Griechen Midas wird quasi alles, was die griechische Regierung anfasst, zu Schrott. Und diesen Schrott wiederum vergoldet die EU mithilfe der EZB auf der Stelle und bedingungslos. Jetzt wird auch dem letzten klar, wieso es keine Liudolfinger mehr gibt, aber die Ludolfs Kultstatus erreicht haben: Im heutigen Europa ist Schrott die einzig zuverlässige Währung. Und die Merkels dieser Welt sorgen dafür, dass sich daran nichts ändert. Denn nur wenn alle europäischen Länder Ramschstatus erreichen, kann eine europäische Einheit glaubhaft kommuniziert werden. Und wer sich mal schlau macht, wird nachlesen können, dass es beim Kaiser-Otto-Preis zuvorderst um die Verdienste um die Einigung Europas geht.

*

Daher war es auch kein Zufall, dass Merkel einen Tag nach der Preisverleihung auch gleich als mächtigste Frau der Welt betitelt wurde von Forbes. Davon kann sich Merkel zwar weder was kaufen noch was an Griechenland ungesichert verschenken. Aber immerhin lässt sie auf der Forbes-Liste namhafte Politikerinnen hinter sich wie zum Beispiel die US-Talkshow-Wuchtbrumme Oprah oder Lady Gaga. Da ausschließlich Frauen zur Disposition standen, fehlt auf dieser Liste leider Mister Gaga, den man in Deutschland eher unter dem Künstlernamen Guido Westerwelle kennt. Glücklicherweise hindert das einen Westerwelle nicht daran, eine sehr exklusive Sicht der Dinge nicht nur zu pflegen, sondern auch lauthals in die weite Welt hinaus zu tröten. Wer es immer noch nicht kapiert hat, kann es dieser Tage in beliebiger Lautstärke von Guido hören: Hätte er nicht sich in der Libyen-Frage nicht dezent zurückgehalten, würde Gaddafi heute noch vom Westen ungestört sein Unwesen treiben und sein Volk massakrieren. Da hätten Franzosen und Engländer noch so viele Bomben auf Tripolis schmeißen und die Rebellen unterstützen können. Gegen die massiven Sanktionen von Westerwelle wäre das alles nur eine Platzpatrone auf den heißen Stein gewesen. Nicht umsonst hat Westerwelle schon 2001 den Orden wider den tierischen Ernst gekriegt. Das ist wie der Kaiser-Otto-Preis, nur ohne Europa und Ramschanleihen. Daher ist das Tandem Merkel-Westerwelle das ideale Führungsduo für Deutschland. Sie treten im Namen des deutschen Volkes fleißig in die Pedale. Und eines Tages merken sie vielleicht, dass die Kette längst gerissen ist.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker