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Und jetzt ... Django Asül: Solare Neurodermitis

Das Klima kapiert die Erderwärmung nicht und Bahn, Airlines und Autos versinken im Schneechaos. Nur Merkel weiß, dass sie mit dem Winterwetter die Zinsen für Griechen und Iren einfrieren kann.

Ein winterlicher Wetterbericht von Django Asül

Nein, damit hatte nun wirklich keiner gerechnet in Deutschland. Dass mitten im Winter winterähnliche Verhältnisse auftauchen, war schlichtweg außerhalb des deutschen Wahrnehmungspotenzials. Umso deutlicher sichtbar wird dadurch die sinnvolle Verzahnung der verschiedenen Transportebenen. Das bunte Schneetreiben führt zu einer sinnvollen Kettenreaktion: Fluglinien empfehlen das Umsteigen auf die Bahn. Die Bahn rät zum Umsteigen auf das Auto. Polizei und ADAC warnen davor, mit dem Auto zu reisen. Das Verkehrsministerium dagegen hält das Flugzeug für das adäquate Verkehrsmittel, weil es in der Luft oben deutlich weniger Glatteis gibt als unten, so dass ein Flug ohne Winterreifen wesentlich harmloser ist als eine Autobahnfahrt ohne Winterreifen. Und weil das Fahren ohne Winterreifen neuerdings mit drakonischen Strafen belegt wird, sind natürlich alle Winterreifen ausverkauft. Oder aber der Finanzminister hat gemerkt, dass Winterreifen ausverkauft sind und sich deshalb eine Gebühr einfallen lassen, die der Ordnung halber als Strafzahlung deklariert wird.

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All dies betrifft natürlich nicht nur Deutschland, sondern auch Nachbarländer wie Österreich oder Usbekistan. Mittlerweile hat sogar der UNO-Wetterrat zugeben müssen: Das Klima hat die Erderwärmung einfach nicht kapiert. Das Klima denkt sich eiskalt: Das tangiert doch das Wetter nicht, wenn sich die Erde erwärmt. Eigentlich könnten sich Klima und Erde auf einen vernünftigen Deal einigen. Der Sommer gehört der Erderwärmung und der Winter dem Wetter. Damit wäre auch eine solide Abgrenzung zwischen den Jahreszeiten sichergestellt.

Fakt ist: Die Erderwärmung hat ausgesetzt. Und die schlauen Wissenschaftler und Klimaforscher schauen drein wie Westerwelle beim Begutachten der wöchentlichen Umfragen, weil sie bezüglich der Ursachen keinen Schimmer haben. Sie rätseln und rätseln. Lief der Vertrag mit Kachelmann aus? Hat das Wetter keinen Bock mehr auf den Infoaustausch mit den Wetterstationen? Ist das Klima genervt von den Werbepartnern des Wetterberichts? Agieren im Hintergrund illegale Wetterwettbüros, die bewusst das Klima schmieren und so für Wettbewerbsverzerrung sorgen? Oder pumpt die Streusalzindustrie Schwarzgelder in die Atmosphäre?

Und der schneeschippende Bürger denkt sich: Wieso soll ich die Untergangsszenarien der sogenannten Experten für die kommenden Jahrzehnte ernst nehmen, wenn die Herrschaften es nicht mal schaffen, den jetzigen Winter plausibel zu erklären? Aber bevor hier der Stab über eine ganze Zunft gebrochen wird: Es gibt einen wackeren Menschen namens Lockwood in England, der noch den Überblick hat. Mister Lockwood sieht die extremeren Unterschiede zwischen Sommer und Winter in den Sonnenflecken, die sich breit machen, wenn die Sonne zyklusbedingt eine Verschnaufpause einlegt. Auf gut deutsch: Wenn die Sonne ihre Tage hat, kriegt sie Sonnenflecken. Quasi eine Art solare Neurodermitis. Oder neurotische Solardermitis. Jetzt braucht sich dank Herrn Lockwood niemand mehr wundern, falls das Azorenhoch eventuell im Sinkflug daherkommt und das Islandtief es sich sogar unterhalb des Stuttgarter Bahnhofs sich gemütlich macht.

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Diese neuen Erkenntnisse werden von der Politik natürlich keinesfalls ignoriert. Vor allem die deutsche Kanzlerin hatte sich ja sowieso schon vorher ganz auf das Thema Klima spezialisiert. Durch einen Stopp der Erderwärmung, der ganz ohne Schlichterspruch von Kachelmann und/oder Geißler zustande kommen soll, will sie mehrere Probleme auf einen Schlag lösen: Schieflage der Sozialkassen und Euro-Krise beseitigen und Eurobondsverbot in der Verfassung aufnehmen. Gleichzeitig hat sie jedoch einen Photovoltaik-Exzess sonders gleichen in Gang gesetzt. Weil sie ja auch weiß, dass sie auf die Kohlendioxidemissionen von China und USA in etwa so viel Einfluss hat wie eine deutsche Kanzlerin auf die Finanzmärkte. Was aber, wenn nun die Sonne bockt und der künstlich erzeugte Photovoltaik-Hype verpufft? Hat sie schon neue Förderorgien in petto? Gehört den Diavoltaikanlagen die Zukunft? Oder gehört die Zukunft der Polaroidvoltaik? Oder ist es nur eine Frage der Zeit, bis Googlevoltaik und Wikileakszellen deutsche Dächer zieren? Jedenfalls übt sie sich in akutem Zweckoptimismus. Sollte der Winter in dieser Beharrlichkeit weitermachen, bestünde laut Merkel Anlass zur Hoffnung, dass eventuell auch die Zinsen für Griechenland und Irland eingefroren werden.

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Gibt es eigentlich Gewinner, wenn die Mobilität klimabedingt dermaßen erlahmt? Selbstverständlich! Wo die Mobilität an ihre Grenzen stößt, sind Immobilien die Nutznießer. Daheimbleiben ist wieder in. Was wiederum der menschlichen Seele hilft, der rastlosen Globalisierung zu entfliehen. Ein Winter mit zu wenig Streusalz und überforderten Winterdienstlern ist der Einstieg in die überfällige Entschleunigung des menschlichen Alltags. Der Mensch an sich, der sich für so wichtig und omnipräsent hält, erkennt nun endlich seine Bedeutungs- und Machtlosigkeit. Mit anderen Worten: Irgendwie sind wir alle ein bisschen FDP.