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Und jetzt... Django Asül Was Guttenberg und Gaddafi eint


Demokratie ist ja gut und schön - aber freie Presse? Besser nicht. Gaddafi weiß das. Putin auch. Nun hat Guttenberg seine Lektion gelernt.
Eine selbstverfasste Satire von Django Asül

Es war schon vorher klar, dass dieser Mittwoch vor Brisanz nur so strotzen würde. Schließlich stand ein Thema auf der Agenda des Bundestags, das die meisten Menschen in Deutschland tagaus, tagein in seinen Bann zieht: Telefon-Warteschleifen! Im Schnitt verbringt jeder Bundesbürger ein Siebtel seines Lebens in irgendeiner Warteschleife, weil er sich ein hochkomplexes Gerät angeschafft hat, dessen korrekte Handhabung nicht mal dem Produzenten vertraut ist. Weil man mit solchen Geräten logischerweise auch nicht viel Geld verdient aufgrund der restriktiven Bedienungstransparenz, wollen die Hersteller wenigstens über den Umweg Callcenter Profit erzielen. Was wiederum die Bundesregierung dermaßen auf die Palme brachte, dass nun die Kostenfreiheit von Warteschleifen legislativ fix gemacht werden sollte.

Dabei befand sich bis Mittag die Kanzlerin herself in einer Endlos-Warteschleife. Sie brauchte einen neuen Verteidigungsminister, der nicht an der Uni Bayreuth promoviert hat. Mit nur dieser Voraussetzung war die Auswahl noch relativ groß. Als es aber auch noch hieß, mindestens die Hälfte der eventuell vorhandenen Doktorarbeit müsse ehrlich erarbeitet worden sein, schrumpfte der Kandidatenkreis schon sehr bedenklich. Und nur Thomas de Maiziere blieb übrig, als Merkel am Ende noch eine echte Totschlagprämisse auf den Tisch legte: Der Guttenberg-Nachfolger dürfe nie Besitzer oder Eigentümer eines Kopiergerätes gewesen sein. Merkel stellte ultimativ klar: Die Guttenbergsche Erfolgsformel (bayrisches Abitur plus japanischer Kopierer ist gleich großdeutscher Doktortitel) dürfe sich keinesfalls wiederholen.

Dabei war auch am Folgetag des Rücktritts Merkel die Überraschung ob dieses Schrittes gut anzusehen. Sie hatte im 15-Minuten-Takt wiederholt, dass es wirklich keine Rolle spielen dürfe, ob eine Doktorarbeit nun getürkt sei oder nicht. Wenn nun Minister schon aufgrund von Betrug den Dienst quittieren sollen, könne die Regierung ja gleich die Arbeit einstellen. Verlogenheit attestierte Merkel interessanterweise nicht dem, der laut Opposition bei Abgabe der Doktorarbeit nach heutigem Erkenntnisstand gelogen hat, sondern der Opposition, die befunden hatte, dass Lügner lieber nicht in einer Regierung sitzen sollten. Für Merkel trägt also die Opposition die Verantwortung für den Sturz zu Guttenbergs.

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So plump wollte es der Geschasste selber nicht stehen lassen. Er fühlte sich von der medialen Wucht erdrückt und überfordert. Pressefreiheit und eine ordentliche Amtsführung eines Ministers schließen sich gemäß Guttenbergscher Wahrnehmung also per se aus. Was wiederum auch erklärt, weshalb lupenreine Demokraten wie Putin ihren Laden eben im Griff haben: weil Demokratie und Presse nicht zwangsweise symbiotisch sein müssen. Demokratie ohne Presse funktioniert besser als umgekehrt. Und die Weltgemeinschaft erlebt derzeit ja live, wie beliebt sogar Machthaber wie Gaddafi sein können, wenn sich die Presse mal ein paar Jahrzehnte ein bisschen dezent im Hintergrund hält. Deshalb sieht Gaddafi es überhaupt nicht ein, warum er zurücktreten sollte. Zumal bisher alle Medien den Nachweis schuldig geblieben sind, dass Gaddafi je an der Uni Bayreuth war oder ein Kopiergerät im Büro hat. Und schon glaubt so ein Potentat, er könne sich störrisch und stur geben wie Erika Steinbach in Sachen Oder-Neiße-Linie.

Der Wunsch Merkels, in aller Ruhe einen passenden Nachfolger für KT zu küren, ging leider nicht in Erfüllung. Für den Afghanistan-Krieg gibt es nun mal keine Timeout-Taste. Und imagemäßig kommt es auch nicht gut, wenn man sich den Warlords dort als kopflose Truppe präsentiert. Denn Respekt verschafft sich in diesen Kulturkreisen nur, wer strikte Hierarchien pflegt. An de Maizière jedoch wird sich der afghanische Aufständische die Zähne ausbeißen. Benutzte zu Guttenberg noch Luftwaffe und Kerner als klassische Abschreckungsmittel, so setzt sein Nachfolger auf weniger provozierende Methoden. Nicht umsonst bekam de Maizière als Innenminister schnell den Spitznamen Mister Nacktscanner.

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Unaufgeregtheit und Diskretion, versehen mit einem kleinen Schuss Voyeurismus zeichneten de Maiziere stets aus als Innenminister. Seine gute Botschaft, nur der Nacktscanner könne Frieden unter den Menschen schaffen, kam prima an. Um nun innenpolitisch weiterhin Bonuspunkte zu sammeln, dürfte de Maiziere sicher bald alle deutschen Soldaten heim holen und durch Nacktscanner ersetzen. Denn militärische Gewalt macht die Stammeskrieger nur resistenter. Alles, was mit Nacktheit zu tun hat, ist ihnen aber ein Gräuel. Wenn sich mal am Hindukusch herumspricht, dass der Feind aus dem Westen die digitale Testikelerfassung beherrscht, ergreift jeder potenzielle Selbstmordattentäter die Flucht und sucht im Großraum Peshawar sein genitales Rückzugsgebiet.

Mit der Ernennung de Maizieres hat Merkel also auf die Schnelle einen sensationellen Treffer gelandet. Denn de Maiziere handelte schon immer nach dem Motto: Wer Sicherheit will, muss unter die Gürtellinie gehen.

Neu erschienen von Django Asül: DVD "Fragil" bei Sony. Mehr unter www.django-asuel.de.


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