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Ungedeckte Leerverkäufe Was bedeutet das Verbot?


Spekulanten haben bei riskanten Börsenwetten in Deutschland künftig weniger Spielraum: Der Bundesrat billigte am Freitag das Gesetz der schwarz-gelben Koalition, mit dem alle "ungedeckten Leerverkäufe" verboten werden. Aber - was sind überhaupt "Leerverkäufe"?

Leerverkäufe, die in Deutschland nach der Zustimmung des Bundesrates zum Teil verboten werden, sind eine typische Strategie von Hedgefonds. Bei diesem auch Short Selling genannten Vorgehen spekulieren Anleger auf sinkende Kurse eines Unternehmens.

Vereinfacht gesagt geht es darum, dass ein Investor den Kurs einer Aktie für überhöht hält und einen Kursrückgang erwartet. Um damit Geld zu verdienen, leiht sich der Investor zunächst Aktien des betroffenen Unternehmens. Dem eigentlichen Eigentümer der Aktien muss der Leerverkäufer dafür eine Leihgebühr zahlen.

Dann verkauft der Short Seller die geliehenen Aktien an der Börse. Wenn der Kurs wie erwartet fällt, kauft er die Papiere zum niedrigeren Preis zurück und gibt sie dem Eigentümer zurück. Die Differenz zwischen Verkaufs- und Kaufpreis minus Leihgebühr ist sein Gewinn.

Verschärfte Variante

Eine verschärfte Variante sind ungedeckte Leerverkäufe. Sie stehen im Visier der aktuellen Gesetzesänderung. In diesen Fällen besitzt der Verkäufer die Werte gar nicht, die er anbietet. Ob Aktien, Optionen oder auch Rohstoffe: Bei dieser höchst riskanten, aber besonders gewinnträchtigen Variante setzt der Spieler darauf, dass er sich zu einem günstigeren Preis mit den verkauften Werten versorgen kann. Aus der Differenz zum erzielten Verkaufspreis resultiert der Gewinn, der auch nicht durch eine Leihgebühr geschmälert wird.

Das Geschäft kann aber auch schiefgehen. Dann nämlich, wenn der Kurs nicht wie erwartet fällt, sondern steigt. Der Investor muss die Aktien zum höheren Kurs kaufen, um sie zurückzugeben. In der Börsensprache heißt es dann, der Anleger ist mit dem Investment "unter Wasser". Besonders schlimm wird die Sache für Short Seller, wenn andere Investoren eine ähnliche Idee hatten und plötzlich viele Anleger gleichzeitig die Aktie kaufen müssen und der Kurs daher nach oben schießt. Die Short Seller müssen dann zu jedem Kurs kaufen, weil sie die Aktien wieder abliefern müssen. Blieben sie die Papiere schuldig, würden Vertragsstrafen fällig, außerdem wäre der gute Ruf bei zukünftigen Leihgeschäften beschädigt.

APN/DPA DPA

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