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Unions-Krise: Schäuble soll die Nachfolge von Merz antreten

Wolfgang Schäuble soll im Fraktionsvorstand die Nachfolge von Friedrich Merz in dem Bereich Wirtschaft, Arbeit und Finanzen antreten. Unklar ist die Zukunft von CSU-Sozialexperte Horst Seehofer.

Unions-Fraktionschefin Angela Merkel will nach Informationen des "Focus" als Nachfolger von Friedrich Merz im Fraktionsvorstand Wolfgang Schäuble mit dem Bereich Wirtschaft, Arbeit und Finanzen betrauen. Merkel habe darüber bereits mit Schäuble gesprochen, der für Außen-, Verteidigungs- und Europapolitik zuständig ist.

Das Verhältnis von Schäuble und Merkel gilt seit der Kür von Bundespräsident Horst Köhler im vergangenen Mai als belastet. In den Medien wurde es als Merkels Meisterstück gefeiert, Köhler in der Union gegen den CSU-Favoriten Schäuble durchgesetzt zu haben.

Gerüchte um Seehofer

Nach dem RÜcktritt von Unionsfraktionsvize Friedrich Merz kursierten Gerüchte, dass nun auch der CSU-Sozialexperte Horst Seehofer einen Rückzug von seinen Spitzenämtern plane.

Der CSU-Politiker kritisiert weiterhin die Gesundheitspolitik der CDU: "Ich mache keinen Wahlkampf mehr nach dem Motto: Wir finanzieren das über Wirtschaftswachstum", sagte Seehofer. Im Zusammenhang mit Merz' Rückzug warf er CDU-Chefin Angela Merkel einen wenig sensiblen Umgang mit Kollegen vor. "Ohne Teamgeist geht es nicht. Führung ist die Kunst, unterschiedliche Charaktere zusammen zu führen", sagte Seehofer.

Westerwelle mischt sich ein

Gute Ratschläge erhält die Union jetzt auch von FDP-Chef Guido Westerwelle. Dieser hat die Partei aufgefordert, die Frage der Kanzlerkandidatur für die Bundestagswahl 2006 bis zum CDU-Parteitag Anfang Dezember zu klären. "Die Unionsparteien gefährden die Ablösung von Rot-Grün im Jahr 2006, wenn sie so weitermachen", sagte Westerwelle nach einem vorab veröffentlichten Interview der "Welt am Sonntag". "Deswegen appelliere ich an CSU und CDU, sich endlich zu einigen. Und zwar in Sachfragen genauso wie in den immer noch ungeklärten Macht- und Personalfragen", fügte er hinzu. Die Union sei gut beraten, die Frage der Kanzlerkandidatur bis zum CDU-Parteitag im Dezember zu klären.

Sowohl CDU-Chefin Angela Merkel als auch CSU-Chef Edmund Stoiber haben in der Vergangenheit erklärt, die Kandidatenfrage nicht voreilig klären zu wollen. Umfragen zufolge belastet der innerparteiliche Zwist der letzten Wochen die Akzeptanz der Union in der Wählergunst.

DPA/Reuters