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Ursula von der Leyen: Alles hört auf Uschis Kommando

Sie ist als Verteidigungsministerin nicht nur bald die Mutter der Kompanie: Ursula von der Leyen ist auf dem besten Weg, "Mutti" Merkel zu beerben. Sehr zum Ärger einiger CDU-Granden.

Von Hans Peter Schütz

Man kann sich gut vorstellen, wie Ursula von der Leyen in den vergangenen Tagen bei Frühstück und Zeitungslektüre saß und maliziös darüber lächelte, was sie dort über ihre politische Zukunft las: Kanzlerin Merkel wisse nicht wohin mit ihr.

Ins Gesundheitsministerium zurück, wo sie vor ihrer Zeit im Arbeitsministerium gewirkt hatte? Was ein klarer Abstieg bedeutet hätte. Einige Spekulationen zielten gar darauf ab, sie gehe bei der Besetzung der Ministerposten in der Neuauflage der Großen Koalition leer aus. Weil: Zu oft habe die siebenfache Mutter die Kanzlerin geärgert, im Bündnis mit der FDP gestört durch freche Einfälle und Bemerkungen. Von der Leyen hatte einst schließlich die "Lebensleistungsrente" erfunden, die abschlagfreie Rente mit 63 sofern man 45 Arbeitsjahre mitbrachte. Der verstorbene Kabarettist Dieter Hildebrandt nannte sie deshalb spöttisch "Renten-Uschi".

Nach dem Rücktritt von Bundespräsident Horst Köhler zeigte von der Leyen sogar Interesse, die erste Frau im höchsten Staatsamt zu werden. Und selbst die Gerüchte, sie wolle spätestens 2017 die Nachfolgerin von Angela Merkel werden, beförderte sie durch ihr Dementi eher.

Die Kronprinzessin

Merkel selbst hält das offenbar für möglich. Auf die Frage, ob von der Leyen eine Nachfolgerin sein könnte, wenn sie 2017 sich zurückziehe, antwortete sie ausweichend: Natürlich, denn sie traue das vielen zu in ihrem Kabinett. Da wurde in der Politik-Szene hämisch-schadenfroh gelächelt, wo von der Leyen als hemmungsloser Ehrgeizling gilt, die immer mehr werden wolle, egal sie gerade amtiere.

Jetzt wird diese Frau, die Tochter des ehemaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht, die erste weibliche Verteidigungsministerin der Republik. Und steht damit auf dem Sprungbrett für die Merkel-Nachfolge ganz vorn.

Das neue Amt ist eine Entscheidung typisch Merkel. Ein Schachzug, der auch ihr exzellentes strategisches Denken zumisst. 2017 wird vermutlich Sigmar Gabriel für die SPD antreten, voraussichtlich mit gutem Ansehen nach seiner Arbeit als Vizekanzler in den vergangenen vier Jahren. Wenn von der Leyen die Bundeswehr bis dahin sauber geführt hat, könnte die CDU mit ihr vor allem bei den weiblichen Wählern gegen die Männerpartei SPD punkten, wo die Frauen jetzt auf eher zweitrangige Posten abgeschoben worden sind.

"Mutti" Merkel bleibt die eiskalte Strategin

Der Schachzug zeigt auch, wie eiskalt "Mutti" Merkel ihre Nachfolge im Kanzleramt vorbereitet. Lange galt Thomas de Maizière als ihr Lieblingsminister im Verteidigungsressort. Er wollte trotz zahlreicher Pannen unbedingt im Amt bleiben und wurde als denkbarer Nachfolger von ihr im Kanzleramt gehandelt. Jetzt mutet sie ihm die Rückkehr ins Innenministerium zu, wo er früher nie glücklich und auch nicht besonders erfolgreich war. Das ist nicht weniger als eine Strafversetzung. Aber aus Merkels Sicht hat de Maizière den von ihr überaus hastig verordneten Abschied von der Wehrpflicht verpfuscht. Da musste seine Rolle als potentieller Kronprinz abgebaut werden. Und von der Leyen kann an hervorragender Position schon mal attraktiv üben, wie es ist, wenn Mama sagt, wo die Männer hin sollen. Und ob sie folgen.

Interessant ist, dass die neue Verteidigungsministerin eine Zeit lang sogar als neue Außenministerin gehandelt wurde, als der Antritt von Frank-Walter Steinmeier für die SPD noch nicht feststand. Fürs internationalen Geschäft sei sie besonders geeignet, hieß es schon damals, da sie fließend englisch und französisch parliert. Dass sie keine Mühen für ihre politische Karriere scheut, hat sie auch schon im Arbeitsministerium bewiesen, wo sie gleich hinter ihrem Ministerbüro in einer winzigen Kammer mit Dusche residierte. Auch das ein Beweis dafür, wie ehrgeizig die 55-Jährige in ihrer Arbeit ist.

Uschi zeigt den CDU-Männern, wo's lang geht

Und mutig ist sie auch. Der Zorn der konservativen Herren in CDU und CSU war groß, als sie mit den Grünen eine 30-Prozent-Frauenquote in Aufsichtsräten ab 2020 auskasperte. Ein gelungener Schachzug, bei dem Von der Leyen in Merkels Sinne politisch agierte. Der CDU-Abgeordnete Wolfgang Bosbach sprach in diesem Zusammenhang von "atemberaubender Taktiererei". Schließlich stand die Frauenquote im klaren Widerspruch zu früheren Beschlüssen der CDU.

Daran wird sich die Union gewöhnen müssen: Wenn diese zierliche Frau politisch etwas will, dann lässt sie sich nicht so leicht stoppen. Ursula von der Leyen ist keine politische Blufferin. Diese Frau zieht im Ernstfall voll durch. Und Merkel hat eingesehen, dass man solch ein Talent der Politik nicht einfach abstellen darf.