US-Hospital Landstuhl Wo der Krieg ganz nah ist


Im pfälzischen Landstuhl steht das größte amerikanische Krankenhaus außerhalb der USA. Seit die ersten verwundeten Soldaten eingetroffen sind, rückt der Krieg auch hier in unmittelbare Nähe.

Mit dem Eintreffen der ersten verwundeten US-Soldaten im US-Militärhospital im pfälzischen Landstuhl ist der Irak- Krieg auf einmal auch in Deutschland ganz nah. In der Stadt - nur zwei Kilometer entfernt vom größten US-Krankenhaus außerhalb der Vereinigten Staaten - leben neben 10.000 Deutschen etwa 5.000 US-Militärs und ihre Angehörigen.

Soldaten sollen fit gemacht werden

Erst am späten Nachmittag, mehrere Stunden nach Ankunft der 12 Verwundeten und Kranken in Ramstein, wollen sich Ärzte im Hospital zum Gesundheitszustand der Soldaten äußern. Sie sollen fit gemacht werden für die Weiterreise in die USA oder den erneuten Dienst im Irak, heißt es im Vorfeld.

"Wir hoffen, dass der Krieg wenige Opfer fordert und dass die Verletzten und Kranken schnell genesen", sagt der Landstuhler Bürgermeister Klaus Grumer (CDU). Seit Jahren leben Deutsche und Amerikaner in seinem Heimatort zusammen. Viele der US-Bürger sind nach Grumers Worten in deutschen Vereinen organisiert. Und in zwei Wochen sollte eigentlich das 50-jährige Bestehen des Krankenhauses auf einer bewaldeten Anhöhe am Rande der Stadt groß gefeiert werden. "Aber die Feier und ein Tag der offenen Tür sind abgesagt wegen der Kriegslage", sagt Grumer.

Dennoch herrscht in der Stadt in der Nähe des US- Luftwaffenstützpunktes Ramstein am Montag weitgehend "business as usual" (Alltag). Einige Amerikaner genießen einen freien Tag in der ersten Frühlingssonne, haben das Autoverdeck zurückgeschlagen und hören laut Musik. Am Tor 3 des Hospitals kontrollieren private Sicherheitsleute die Fahrer in den Autos, von denen die meisten mit amerikanischem Kennzeichen anrollen. Zur Sicherheit steht auch der Bundesgrenzschutz bereit.

Amerikaner und Deutsche arbeiten nach Kräften zusammen

In den Landstuhler Geschäften hängen als Zeichen der Solidarität amerikanische Fahnen, viele Auslagen sind zweisprachig. "Viele meiner Kunden sind Amerikaner, und ich wünsche ihnen alles Gute", sagt eine Blumenverkäuferin. In den Cafés, Kneipen und Restaurants sind die Nachbarn aus der Kriegsnation gern als Kunden gesehen.

Gemeinsam mit der United Service Organization (USO) organisiert die Stadt Begegnungen von Amerikanern und Deutschen. Die USO, die auch ein Büro im Krankenhaus hat, will den Amerikanern die Zeit in Deutschland so angenehm wie möglich gestalten. Laut Bürgermeister Grumer arbeiten Amerikaner und Deutsche nach Kräften zusammen. "So helfen deutsche Ärzte bei Bedarf auch im US-Hospital aus, und unser St. Johannes Krankenhaus übernimmt wegen der Kriegsnutzung der Klinik jetzt zunehmend die Geburtshilfe."

Größtes Militärkrankenhaus außerhalb der USA

Das zentrale Hospital der US-Armee in Deutschland ist im rheinland-pfälzischen Landstuhl eingerichtet. Es gilt als das größte Militärhospital außerhalb der USA. Das Krankenhaus ist vergleichbar mit einer Universitätsklinik in Deutschland. Neben dem Standort Landstuhl hat die US-Armee noch zwei kleinere Krankenhäuser in Würzburg und in Heidelberg, wo das Hauptquartier der US-Streitkräfte in Europa ist.

Das zentrale Krankenhaus hat im Normalfall eine Kapazität von 160 Betten. Diese kann aber nach Angaben von Sprecherin Marie Shaw leicht auf 400 Betten ausgebaut werden. 120 Ärzte sind in Landstuhl beschäftigt. Deutsche Mediziner befinden sich nicht darunter. Wenn schwer verletzte US-Soldaten zu behandeln sind, werden Reservisten in das Hospital abgestellt. Nach ersten Planungen sollte sich im Falle des Irak-Krieges die Zahl auf 600 belaufen - vom Arzt über die Krankenschwester bis zu administrativem Personal. Das Krankenhaus in Landstuhl war bereits beim ersten Golfkrieg die zentrale Einrichtung für verletzte US-Soldaten in Deutschland. Die Bettenkapazitäten wurden nach Angaben von Sprecherin Shaw damals auf 1000 ausgebaut. Mehr als 1000 Reservisten waren im Einsatz.

Ulf Mauder DPA

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