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Der US-Präsident in Berlin: Wo Obama schläft, wen er trifft, was er sagt

Es ist sein dritter Deutschland-Besuch, aber der erste offizielle: Wenn Barack Obama am Dienstag nach Berlin kommt, steht die Stadt für 25 Stunden still - alles zum Kurztrip des US-Präsidenten.

Von Niels Kruse

Obama in Deutschland

25 Stunden und 40 Minuten wird der erste offizielle Deutschlandbesuch von Barack Obama dauern. Mehrfach hatte Kanzlerin Angela Merkel den US-Präsidenten eingeladen, doch folgen wollte er ihren Rufen nicht. Was unter anderem auch daran lag, dass sie sich vor fünf Jahren geweigert hatte, den damaligen Wahlkämpfer vor dem Brandenburger Tor sprechen zu lassen. Stattdessen wich er an die Siegessäule aus – und schmollte anschließend.

Zweimal hat es der mächtigste Mann der Welt danach dennoch nach Deutschland geschafft: Im April 2009 zum Nato-Gipfel nach Baden-Baden und Kehl, zwei Monate später besuchte er in die Dresdener Frauenkirche, die KZ-Gedenkstätte Buchenwald sowie das US-Militärhospital Landstuhl. Der 20-Jahr-Feier des Mauerfalls im November blieb er allerdings fern.

Hochsicherheitstrakt Berlin

In Berlin ist die Obamania bereits im vollen Gang – vor allem bei den Leuten, die für die Sicherheit zuständig sind. Rund um das Hotel Ritz Carlton, in dem Obama samt Gattin und vermutlich auch den beiden Kindern übernachten wird, sind bereits die Gullydeckel versiegelt. Einige Geschäfte in unmittelbarer Nähe müssen für zwei Tage schließen. Der gesamte Innenstadt-Bereich und das Regierungsviertel sind mehr oder weniger abgeriegelt.

Für Berlin gilt die höchste Sicherheitsstufe 1+. Die Polizei empfiehlt, die gesamte Innenstadt weiträumig zu umfahren. Von deutscher Seite werden 3000 bis 4000 Polizisten im Einsatz sein. Die Amerikaner reisen mit der Präsidentengarde Secret Service an - inklusive der gepanzerten Cadillac-Präsidentenlimousine "The Beast".

Die Stadt Berlin zeigt auf ihrer Website, wo die Sperrzonen verlaufen, und wie Obama-Interessierte zum Brandenburger Tor gelangen

Die Gäste

Irritationen gab es über die Zahl der geladenen Gäste, die die Ansprache des US-Präsidenten im Sitzen verfolgen dürfen. Laut der Berliner "B.Z." hätte der Obama-Tross gerne 10.000 Sitzplätze am Pariser Platz gehabt, doch der Polizei waren das zu viele. Sie forderte stattdessen 4000, damit genügend Flucht- und Rettungswege zur Verfügung stehen. Daher wird die andere Hälfte der 8000 VIP-Gäste stehen müssen. Sie gelangen über Sicherheitskorridore zum Brandenburger Tor. Insgesamt werden rund 200.000 Berliner zur Rede erwartet.

Das Programm

Barack Obama wird am Dienstagabend direkt vom G8-Gipfel in Nordirland kommen und gegen 20.30 Uhr auf dem militärischen Teil des Flughafens Tegel landen. Danach ist erst einmal Ruhe: Ein Programm wird es am Abend nicht geben, es geht direkt ins Luxushotel Ritz Carlton an den Potsdamer Platz.

Am Mittwochvormittag geht es los mit einem Besuch beim Bundespräsidenten Joachim Gauck im Schloss Bellevue. Danach trifft er im Kanzleramt Angela Merkel. Für 12.30 Uhr ist eine gemeinsame Pressekonferenz angekündigt, anschließend werden die beiden zusammen Mittag essen. Obamas Frau Michelle wird den Tag über das obligatorische "Damenprogramm" absolvieren. Geplant ist unter anderem der Besuch des Holocaust-Mahnmals und die Gedenkstätte Berliner Mauer.

Um 15 Uhr hält Obama seine lang erwartete Rede vor dem Brandenburger Tor. Die dauert rund eine Stunde. Kurz nach 16 Uhr trifft der US-Präsident dann auf Peer Steinbrück. Am Abend gibt es im Schloss Charlottenburg ein Wiedersehen mit Merkel. Nach dem obligatorischen Familienfoto werden die Regierungschefs zusammen mit ihren Partnern Joachim Sauer und Michelle Obama zu Abend essen. Kurz nach 22 Uhr tritt Obama den Rückflug in die USA an.

Seine Rede

Obamas Auftritt, der ziemlich genau 50 Jahre nach Kennedys berühmten "Ich-bin-ein-Berliner"-Rede stattfindet, wird Obama vermutlich Grundsätzliches erläutern. Wieder soll Berlin die Kulisse für die Geschichtsbücher sein. Obamas Sicherheitsberater Ben Rhodes kündigte an, dass der Präsident über "den gleichen Geist der Zusammenarbeit" sprechen, werde, den es während des Kalten Krieges gegeben habe. Dieser sei nötig, um aktuelle Herausforderungen wie etwa die Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen zu bewältigen.

Und zum Schluss: die Kosten

Was genau der 25-stündige Aufenthalt des US-Präsidenten kosten wird, weiß (noch) niemand, aber sicher ist schon jetzt, dass es sich um mehrere Millionen handeln wird. Bekannt ist bisher: Die Beflaggung des Brandenburger Tors schlägt 360 Euro zu Buche, der Eintrag ins Goldene Buch mit 300 Euro. Fürs Hotel gilt die Regel "Eins plus zehn". Bedeutet: Die deutsche Staatskasse übernimmt im Ritz Carlton die Kosten für Obamas Präsidentensuite und zehn weitere Gäste. In der Regel gibt es dabei auch Rabatt. Ist aber unbedeutend im Vergleich zu dem, was der Rest kostet.

mit DPA/Reuters / Reuters